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Corona-Krise und Pachtmarkt

Coronakrise: Bauern können Pachtpreise nicht zahlen

Niederlande
am Montag, 15.06.2020 - 10:22 (2 Kommentare)

Landwirte geraten durch die Coronakrise in große finanzielle Schwierigkeiten. Das schlägt offenbar auch auf die Zahlung der Pachtpreise durch.

Das berichten jetzt niederländische Agrarverbände. In Deutschland dürften die Probleme nicht sehr viel anders sein. Allerdings ist die Struktur des Pachtmarktes und der Verpachtung in den Niederlanden eine andere als hierzulande. Das niederländische Agrarportal Nieuwe Oogst hatte unlängst über die Schwierigkeiten der niederländischen Bauern bei der Zahlung der Bodenpacht berichtet.

Der Bund der Landpächter und Landnutzer (BLHB) fordert die niederländische Regierung bzw. die Bodenagentur der Regierung (RVB) dazu auf, Lösungen für die Landpächter zu entwickeln. Die RVB ist selbst ein großer Verpächter von landwirtschaftlichen Flächen. „Aufgrund der Coronakrise steht den Bauern das Wasser wirtschaftlich bis zum Hals“, heißt es Seitens des BLHB.

Viele Pächter sowohl mit Ackerbau- als auch mit Milchviehbetrieben sind von den Corona-Maßnahmen und deren Markteffekten stark betroffen. "All dies hat für viele Bauern schlimme Konsequenzen für ihre Einkommen ", sagt der Vorsitzende des BLHB Hans Meijer.

Lesen Sie in unserem Top-Thema: Wie sich das Coronavirus auf die Agrarbranche auswirkt.

Anpassung der Pachtzahlungen gefordert

Kuhstall Niederlande

Die BLHB fordert deshalb eine Anpassung der Pacht in der Krise. Im Mai hatte der Verband seine Mitglieder aufgefordert, sich mit den Verpächtern zu beraten, um gegebenenfalls eine Vereinbarung über den Pachtpreis zu treffen. Der staatliche RVB will den landwirtschaftlichen Pächtern nun eine dreimonatige Zahlungsverlängerung gewähren.

"Dies hat jedoch nur sehr geringe Effekte, insbesondere für den Ackerbau", heißt es Seitens des BLHB. Die Landpächter fordern die Politik deshalb in einem „Brandbrief“ auf, möglichst schnell geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die Unterschiede zwischen den Betriebsformen (Ackerbau, Milch, Kartoffeln) seien viel zu groß, um für alle eine einheitliche Maßnahme vorzuschlagen, argumentiert Meijer.

Mögliche Lösungen sind nach Meinung der landwirtschaftlichen Bodenpächter eine längere Verschiebung der Zahlungen, die Aussetzung von Pachtpreiserhöhungen oder eine teilweise Stornierung des Pachtpreises. Da sich die Auswirkungen von Betrieb zu Betrieb jedoch stark unterscheiden, ist eine individuelle Anpassung unbedingt erforderlich, heißt es weiter.

Staatlicher Verpächter nicht sehr flexibel

Niederlande Felder von oben

Die BLHB hatte sich zuvor direkt an die staatliche RVB gewandt, einen der Hauptverpächter landwirtschaftlicher Flächen in den Niederlanden. "Der RVB hat zunächst positiv reagiert", sagt Meijer. Man hatte gesagt, dass die Pächter, die spezifische Lösungen brauchen, sich bei den staatlichen Stellen – in diesem Fall bei der RVB - melden können.

"Die BLHB hätte es allerdings begrüßt, wenn sich die Landpächter direkt an einen unmittelbar Verantwortlichen hätten wenden können. Aber leider kennt die RVB diese Form des Beziehungsmanagements nicht", heißte es weiter.

Die Landpächter erhielten auf ihre Anfrage jedoch nur eine digitale Benachrichtigung, dass der RVB derzeit viele Anfragen erhalten hat und aufgrund der Coronakrise beschäftigt ist.

Außerdem wurde darauf hin hingewiesen, dass das Kabinett bereits Maßnahmen ergriffen hat, die die Bauern und Pächter möglicherweise nutzen können. Darüber hinaus wird mitgeteilt, dass der RVB bereit ist, eine dreimonatige Verlängerung der Zahlung bis zum 1. August 2020 für den fälligen Betrag zu gewähren."

Enttäuschung bei den Bauern groß

Niederlande Felder

Der Verband der landwirtschaftlichen Pächter (BLHB) zeigte sich sehr enttäuscht über die Herangehensweise der RVB. „Die versprochene Anpassung der Maßnahmen stellt sich dabei als einheitlicher Ansatz heraus. Soweit bekannt ist, wurden mit den Pächtern kein direkter Kontakt aufgenommen“, kritisiert der BLHB. „Der RVB weiß offenbar nicht genug über den Agrarsektor", sagt der Vorsitzende Maijer.

"Eine dreimonatige Verschiebung der Pachtzahlungen bietet für viele Betriebe keine Lösung, sagt Maijer weiter. Der Grund: „Das Einkommen der Ackerbauern kann erst nach der Ernte erwartet werden. Die ersten Einnahmen aus der diesjährigen Getreideernte sind etwa im September fällig, und die Erträge sind in diesem Jahr relativ niedrig.

“Die Ackerbauern, die infolge der Coronakrise mit massiven Problemen konfrontiert wurden, werden ihre Pacht nicht bezahlen können", betont der BLHB. Auch den Betrieben, die vom Zusammenbruch des Kartoffelmarktes betroffen sind, nutzt eine Verschiebung der Pachtzahlungen um drei Monaten nichts. „Der RVB erfüllt nach Einschätzung der Ländpächter damit sein Versprechen nicht“, kritisiert der BLHB.

Brandbrief an die Politik

In einem "Brandbrief" fordert die BLHB daher vom niederländischen Innenministerium, maßgeschneiderte Lösungen, gemäß den vorherigen politischen Versprechen. In dem Schreiben stellen der Verband der Landpächter fest, dass die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse über landwirtschaftliche Unternehmen beim staatlichen Verpächter RVB eher unzureichend sind.

"Das Angebot für die dreimonatige Verschiebung der Pachtzahlungen unterstreicht dies." Die BLHB fordert Staatssekretär Knops deshalb auf, diese Lücken im landwirtschaftlichen Wissen beim RVB zu schließen", fordert Meijer.

Der BLHB-Chef sagt außerdem, dass es in der Krise an anderen großen Verpächtern, wie der niederländischen Unternehmensagentur (RVO.nl) bisher nur sehr wenig Kritik von den landwirtschaftlichen Pächtern gegeben hat. "Das freut uns und zeigt, dass Dinge auch anders und besser geregelt werden können" betont Maijer.

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