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Steuer und Finanzen

Mit Crowdfunding Geld für Agrarprojekte sammeln

von , am
15.12.2014

Crowdfunding funktioniert nicht nur bei Filmprojekten. Auch Landwirte können über das Internet Geld für neue Projekte sammeln. Als Gegenleistung bieten Bauern Wein- und Gemüsekisten oder eine Nacht im Heu.

Crowdfunding: Auch wenn die Beträge der Geldgeber im Internet gering sind, kann ein schönes Sümmchen entstehen. © Thomas Weißenfels/aboutpixel.de
Crowdfunding-Plattformen wie indiegogo.com oder seedmatch.de bringen nicht nur Film- und Medienindustrie mit potenziellen Geldgebern zusammen, sondern inzwischen auch Berufsgruppen wie Bauern, Winzer und Bierbrauer. So setzte ein Öko-Betrieb in Schönwalde in Schleswig-Holstein aufs Crowdfunding für die Entwicklung von zwei neuen landwirtschaftlichen Produktionsgeräten. Je nach gestifteter Summe boten die Bio-Bauern den Geldgebern beispielsweise Rezeptsammlungen, Gemüsepakete oder Übernachtungen im Heu an.
 
Mit ihrer Aktion nahmen die  gut 7.400 Euro ein, wie Karsten Wenzlaff vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien berichtet.

Crowdfunding: Risiko tragen die Geldgeber

Die ganz großen Beträge werden allerdings bisher noch nicht für solche Agrar-Projekte eingespielt. Wie in Fall des Ökobetriebs geben die Finanziers beim Crowdfunding häufig nur einige Euro- und springen dann gegebenenfalls schon wieder zum nächsten Projekt. Vorteil für die Initiatoren der Kampagnen: Sie müssen ihren Investoren kaum Mitspracherechte einräumen und beim Scheitern ihres Unternehmens nicht für die Ausfälle aufkommen, denn das unternehmerische Risiko tragen die Geldgeber.

Investoren erhalten "Riesling-Dividende"

Die Winzerin Sybille Kuntz sammelt Geld mittels "Wertpapieren". Schon vor 20 Jahren kam die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin auf die Idee, sich von ihren Kunden Geld zu leihen für die Erweiterung ihres Weingutes, nachdem sie bei den Banken zuvor mit ihren Plänen abgeblitzt war.
 
"Der Zuspruch damals war überwältigend", erinnert sich Kuntz, die sich mit ihrem Einfall als Pionierin sieht. Seither hat sie mit dem Geld vor allem neue Anbauflächen gekauft, darunter erhaltenswerte Weinberge in ersten Lagen, wie sie sagt. Die Anleger bekommen am Ende eines jeden Jahres ihre "Riesling-Dividende" geliefert - und nach Laufzeit-Ende des Genusscheins ihren Einsatz zurück.

Verbraucher wollen mitgestalten

Die Beispiele zeigen, dass beim Crowdfunding auch ideelle Zwecke eine Rolle spielen. Wer Geld in ein neues Projekt steckt, wird nicht nur Teil der Gründer-Story, sondern vielleicht auch treuer Kunde. Speziell für die Landwirtschaft gilt zudem: Mit dem Trend zu regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln wachse auch bei den Verbrauchern das Interesse an der Produktion, sagt Wenzlaff. Das Crowdfunding biete ihnen nicht nur die Möglichkeit, direkt in Kontakt zu kommen mit den Bauern, sondern auch die Lebensmittel-Erzeugung mitzugestalten.

DBV: Rentenbank ist guter Partner

Einen ganz großen Boom der Schwarm-Finanzierung für Bauern erwartet der Deutsche Bauernverband allerdings nicht - und das nicht nur, weil viele der Projekte vom finanziellen Volumen eher überschaubar sind. Vielmehr hätten die Bauern mit der landwirtschaftlichen Rentenbank einen Partner, der ihnen bei Bedarf verbilligte Kredite zur Verfügung stellt, sagt Verbandssprecher Michael Lohse. Und weil die meisten Betriebe auf eigenem Grund und Boden wirtschaften, fehle es auch nicht an den nötigen Sicherheiten.
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