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Produktion und Förderung

Deutscher Bauerntag: 'Tierhaltung muss sich weiterentwickeln'

von , am
26.06.2014

Bad Dürkheim - Um die Wirtschaftlichkeit, die Weiterentwicklung der Tierhaltung in der Landwirtschaft, die Initiative Tierwohl und das Antibiotikamonitoring ging es beim Forum "Zukunftsfähige Tierhaltung".

WLV-Präsident Johannes Röring. © Bockholt
Die Tierhaltung in der Landwirtschaft muss sich weiterentwickeln. Darin waren sich die Teilnehmer des Forums "Zukunftsfähige Tierhaltung" auf dem Deutschen Bauerntag einig, berichtet der Deutsche Bauernverband (DBV). Forschung, Landwirtschaft und die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung stünden in der Verantwortung für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen. In besonderem Fokus stand hierbei die Initiative Tierwohl für Schweine und Geflügel.
 
Kritik gab es seitens des DBV zur Umsetzung des Arzneimittelgesetzes. Es fehlte noch an einer praktikablen Umsetzung. "Bürokratiewahn im Stall müsse vermieden werden", so der DBV.

Kritik an Umsetzung des Arzneimittelgesetzes

Tierhalter sind verpflichtet den Antibiotikaeinsatz in der Datenbank zu melden. © Vet-foto/landpixel.de
Die Initiative Tierwohl für Schweine und Geflügel beweise, "dass wir auf gutem Weg sind", betonte Johannes Röring, der als Präsident des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes im DBV-Präsidium für Tierwohl und Schweinehaltung aktiv ist. Auch das von der Wirtschaft gestartete Antibiotikamonitoring bei der QS Qualität und Sicherheit GmbH sowie Projekte und Initiativen zur Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel unterstrichen diesen Willen deutlich.
Die Umsetzung des Arzneimittelgesetzes (AMG) sei in der Praxis immer noch nicht endgültig geklärt, übte DBV-Veredlungspräsident Röring Kritik. Bereits im Jahr 2012 startete das privatwirtschaftlich organisierte QS-Antibiotikamonitoring, sodass die Antibiotika-Behandlungen von Schweine- und Geflügelbeständen, wie dies in der AMG-Novelle gefordert wird, seit längerem erfasst werden. "Weitere Meldungen durch den Tierhalter sind für die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen nicht erforderlich und würden lediglich zu einer überbordenden Bürokratie und Verzögerung ohne Nutzen führen", so Röring.
 
Der DBV fordere wiederholt, dass das bereits erfolgreich etablierte QS-Antibiotikamonitoring von staatlicher Seite uneingeschränkt anerkannt werden muss, um Gleichklang zwischen dem QS-Antibiotikamonitoring und dem staatlichen Monitoring zu schaffen. Zudem bestehen aufgrund der aktuellen Diskussionen mit den Länderregierungen noch erhebliche Bedenken hinsichtlich der Gewährleistung des Datenschutzes für die Tierhalter.

Produktionswert gestiegen - Rentabilität gefährdet

Wie wirtschaftlich erfolgreich sich die Branche in den vergangenen Jahren entwickelt hat, machte Friedhelm Schneider deutlich, der Präsident des Hessischen Bauernverbandes und im DBV-Präsidium für die Rinderhaltung zuständig ist. Der Produktionswert der deutschen Tierhaltung sei auf über 27 Milliarden Euro gestiegen, was knapp der Hälfte des Produktionswertes der Landwirtschaft entspreche. Zwei Drittel der rund 4,6 Millionen Beschäftigten in der gesamten Lebensmittelwirtschaft erwirtschaften ihr Einkommen durch die Tierhaltung, so Schneider.
 
Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen verwies darauf, dass die aktuelle ökonomische Lage an den Märkten für Fleisch derzeit durch sinkende Margen gekennzeichnet sei. Aufgrund der immer noch überdurchschnittlich hohen Futterkosten und unter dem Vorjahr liegender Erzeugerpreise sei die Rentabilität vieler tierhaltender Betriebe gefährdet. Betriebswirtschaftlich sehe der Berater kaum Realisierungsspielräume für gesellschaftliche Wünsche, es sei denn, sie würden gesondert über spezielle Prämien honoriert. Dies habe sich die "Initiative Tierwohl" vorgenommen.

Offensive der Kommunikation

© DBV
Für den Kommunikationsexperten Armin Huttenlocher müssen die Bauernfamilien ihre Tierhaltung anders kommunizieren als bisher. Ein erhebliches Problem bereite, dass die meinungsbildenden Medien und auch große Teile der Politik den Bezug zur praktischen Landwirtschaft verloren hätten. Huttenlocher forderte eine neue Offensive der Kommunikation und ermunterte aktuelle Themen in der Landwirtschaft öffentlich zu diskutieren.
 
Über den Stellenwert der Öffentlichkeitsarbeit sprach DBV-Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Vorsitzender des Fachausschusses Öffentlichkeitsarbeit, Werner Schwarz, auf dem Deutschen Bauerntag. Mit professioneller und vielseitiger Öffentlichkeitsarbeit würde den nachfolgenden Generationen ein spannender Beruf gesichert werden, der nicht nur eine Berufung darstelle, sondern auch einen guten Ruf, betonte Schwarz. "Kommunikation muss für jeden Unternehmer heute ein Produktionsstandbein sein. Sie ist Unternehmerkompetenz".
 
Er rief die Bauernfamilien auf, den Mut zu haben, mit Politik und Gesellschaft offensiver den Dialog zu führen. Schließlich seien die Bauern die Experten für Ackerbau und Tierhaltung und könnten dies authentisch und mit Selbstbewusstsein kommunizieren.   
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