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Stromkosten für Landwirte

Deutschland bleibt Weltmeister - bei den Strompreisen

Strommasten sind in der Abendsonne zu sehen
am Samstag, 26.09.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Nirgendwo auf der Welt sind die Strompreise so hoch wie in Deutschland. Und sie steigen weiter – wohl auch im nächsten Jahr.

strompreise in deutschland.

Allein in den letzten 10 Jahren sind Stromkosten für Landwirte und Verbraucher hierzulande um rund 40 Prozent gestiegen. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Strompreis verdoppelt.

Das bestätigt jetzt eine Studie, die das Vergleichsportal Verivox mit den Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices durchgeführt hat. Bereits im vorigen Jahr kletterte der durchschnittliche Strompreis in Deutschland auf den Rekordwert von 30,88 Cent je Kilowattstunde – jedenfalls nach den Daten des Statistischen Bundeamtes. Für 2020 rechnen die Marktbeobachter im Durchschnitt mit einem Anstieg um 6 Prozent.

Verifox hat in seiner Studie unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität sogar einen Strompreis von 32,10 Cent errechnet – im Vergleich zu 12,12 Cent im internationalen Durchschnitt.

Und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Analysten gehen auch für 2021 von einem weiteren deutlichen Anstieg der Strompreise aus. Der Grund: Die weiter sehr kräftig steigende EEG-Umlage.

Mehr als die Hälfte der Kosten sind Steuern

Wenig überraschend ist: Mehr als die Hälfte der Stromkosten entfallen in Deutschland auf Abgaben und Steuern. Zur Jahrtausendwende lag der Strompreis in Deutschland gerade einmal bei 13,94 Cent pro Kilowattstunde. „Seit der Jahrtausendwende haben sich die Stromkosten hierzulande also mehr als verdoppelt“, sagt Thorsten Storck von Verivox.

„Die Bundesregierung hat zwar erklärt, die Haushalte bei den Strompreisen entlasten zu wollen, doch davon ist bisher noch nichts angekommen“, analysiert Valerian Vogel von Verivox die Entwicklung. „Im Gegenteil, die durchschnittlichen Kosten steigen stetig an.“

Auch größere Landwirtschaftsbetriebe gehören für die Stromlieferanten eher zu den kleineren Abnehmern. Das heißt: Die gewerblichen Stromtarife sind im Prinzip mit denen von Privatkunden vergleichbar. Allerdings zahlen Landwirte als gewerbliche Kunden eine etwas niedrigere Stromsteuer als Privatleute.

Für den normalen Verbraucher liegt der Regelsteuersatz derzeit bei 20,50 Cent je kwh und für Landwirte etwas niedriger, nämlich bei 15,37 Cent je kwh.

EEG-Umlage steigt und steigt – Börsenpreise sind gefallen

Stromzähler.

Als Grund für die weiter steigenden Strompreise geben die Versorger in der Regel die gestiegenen Umlagen und Netzgebühren an. Die EEG-Umlage, über die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, stieg zum Jahreswechsel um rund fünf Prozent von 6,405 Cent auf 6,756 Cent je Kilowattstunde. Sie macht rund 22 Prozent des gesamten Strompreises aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte 2011 den Verbrauchern versprochen: Die EEG-Umlage zur Förderung der Ökostrom-Produktion solle nicht über 3,5 Cent pro Kilowattstunde steigen. Nun ist der Wert fast doppelt so hoch. Auch die Gebühren für die Stromnetze, auf die ein weiteres knappes Viertel des Gesamtpreises entfällt, steigen – allerdings regional unterschiedlich. Die Mehrheit der Netzbetreiber in Deutschland hatte zum Beginn dieses Jahres Preis-Erhöhungen von durchschnittlich sechs Prozent angekündigt.

Dabei kaufen die Versorger den Strom seit dem Energie-Preisrutsch 2019 deutlich günstiger ein. So sind die Großhandelspreise für Strom zwischen Januar und März 2020 um gut ein Drittel gefallen. Und im zweiten Halbjahr 2020 ist nur ein moderater Anstieg von den letzten Tiefpreisen zu beobachten.

"Obwohl der Großhandelspreis für Strom im Frühjahr 2020 rund ein Drittel niedriger war als vor einem Jahr, müssen Stromkunden weiterhin Rekordpreise zahlen", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer beim Strompreis-Vergleichsportal Check24.

Immer mehr Abgaben und steigende Kosten

Stromkosten steigen.

Den Großteil der Stromkosten für Verbraucher, Landwirte und Gewerbetreibende machen die staatlichen Gebühren des Strompreises aus: Nämlich 53,8 Prozent. Das sind Steuern, Abgaben und Umlage. Darin enthalten sind die Stromsteuer, die Abgaben an die Kommunen sowie die Kosten, die sich aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Hinzu kommen die Kosten aus dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und der Offshore-Netzumlage sowie die Mehrwertsteuer. Nicht zu vergessen: Die Gebühren für die Nutzung der Stromnetze von immerhin 23,5 Prozent. Die Netzentgelte sind im bundesweiten Schnitt in den letzten 10 Jahren um 26 Prozent gestiegen. Sie sind damit der zweitgrößte Kostenblock auf der Stromrechnung für private und landwirtschaftliche Stromkunden.

Der Anteil den die Versorger für die Beschaffung, den Vertrieb und als Gewinn behalten, lag zuletzt bei knapp 23 Prozent. Fakt ist also: Seit der Jahrtausendwende haben sich Steuern und Abgaben etwa verdreifacht. Die Denkfabrik Agora Energiewende geht davon aus, dass die Strompreise in Deutschland noch mindestens bis 2023 steigen werden, schon allein, weil die Kosten des Netzausbaus und der Netzsteuerung immer stärker zu Buche schlagen.

Niemand zahlt so viel für Strom – ein Wettbewerbsnachteil

Strompreise in Europa.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Strom bereits 2019 nirgends in Europa so teuer wie in Deutschland. Die Studie von Verifox hat das bestätigt, und sagt außerdem, dass Deutschland auch die höchsten Strompreise der Welt hat.  Im ersten Halbjahr 2019 lag der vom Statistischen Bundesamt errechnete Strompreis pro Kilowattstunde bei 30,88 Cent. Das war gut ein Cent mehr als im 1. Halbjahr 2018.

Auch das bis dahin teuerste Stromland – Dänemark – haben die Deutschen damit überholt. Bei unseren nordischen Nachbaren sind die Preise 2019 nämlich gesunken. In Frankreich ist das Preisniveau dagegen mehr als 40 Prozent niedriger als hier. In den Niederlanden beträgt der Abschlag auf den deutschen Strompreis 45 Prozent und in Polen müssen die Landwirte und Verbraucher nicht einmal die Hälfte der hiesigen Preise zahlen.

Das ist von der Kostenseite sicher ein beträchtlicher Wettbewerbsnachteil für die deutschen Landwirte und Gewerbetreibenden. Und die Preise werden weiter steigen – wenn die EEG-Umlage nicht wie angekündigt gesenkt wird. Doch dass wird schwer, denn schon 2030 sollen rund 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Das dürfte die Kosten für die EEG-Umlage und auch den Strompreis noch weiter nach oben treiben.

EEG-Umlage und Stromkosten steigen weiter

stromnetz in deutschland.

Der Bundesverband der Industrie rechnete in einer Studie damit, dass mit dem Wegfall von Atom- und Braunkohlestroms in den nächsten Jahren Milliarden an Mehrkosten auf die Stromwirtschaft und die Verbraucher zukommen. Diese Mehrkosten werden sich wohl auch im Strompreis niederschlagen. „Der Strompreis jagt von einem Rekord zum nächsten“, sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer bei Check24. „Jeden Monat wird Strom für Verbraucher ein bisschen teurer. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.“

Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Kölner Uni hat das im Juni 2020 in einer Studie bestätigt. Dort heißt es: Die Umlage zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) „könnte im kommenden Jahr (also 2021) um 25 Prozent höher liegen als heute“. Die Umlage, die derzeit 6,756 Cent je Kilowattstunde beträgt, könnte demnach „auf 8,44 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2021“ klettern.

Das gelte selbst dann, wenn man die im Klimaschutzpaket der Bundesregierung vorgesehenen Maßnahmen zur Begrenzung der Umlage mit einbeziehe, schreibt das EWI. Ohne diese Entlastungsmaßnahmen würde die Umlage laut EWI 2021 sogar auf 9,99 Cent pro Kilowattstunde ansteigen.

Der Thinktank Agora Energiewende war bereits Ende Mai zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ohne aktives politisches Handeln würde die Ökostromumlage im nächsten Jahr auf 8,6 Cent je Kilowattstunde steigen und damit Haushalte zusätzlich belasten, hatte Agora Energiewende errechnet.

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