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Produktion und Förderung

DRV: 'Pflicht zur gentechnikfreien Fütterung ist unrealistisch'

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von , am
19.09.2014

Nach Vorstellungen des Lebensmitteleinzelhandels sollen sich alle Beteiligten der Lebensmittelkette zur gentechnikfreien Fütterung verpflichten. Zunehmende GVO-Verschleppung mache dies problematisch, warnt der Raiffeisenverband.

In Spanien standen 2016 erneut mehr Schweine im Stall. Allerdings sinkt auch dort die Anzahl der Zuchtsauen. © Mühlhausen/landpixel
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) spricht sich gegen branchenweite Verpflichtungen zur gentechnik-freien Fütterung aus. "Der Grundsatz der Wahlfreiheit muss sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite gelten. Dies umfasst auch das Recht der landwirtschaftlichen Erzeuger auf freie Wahl der Produktionsmittel. Zeitgleich die Butterpreise zu senken und die Landwirtschaft zu teureren Futtermitteln zu zwingen, das passt nicht zusammen", erklärt DRV-Generalsekretär Dr. Henning Ehlers.
 
Derzeit behinderten die bestehenden Kennzeichnungs-Vorschriften, insbesondere aber die kontinuierliche Zunahme des weltweiten Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen, eine gentechnikfreie Fütterung von Geflügel, Schweinen und Rindern, so Ehlers. Bei Ernte, Transport, Lagerung und in der Verarbeitung können die Produktströme nicht zu 100 Prozent getrennt werden. Verschleppungen von GVO sind daher unvermeidbar.

Zunehmende GVO-Verschleppung

Laut DRV wollen Futtermittelhersteller und Landwirte zuverlässige, korrekte und ehrliche Angaben über den Gentechnik-Status der Futtermittel erhalten und weitergeben. Doch trotz strenger Verträge werde es aufgrund der zunehmenden Verschleppung immer schwieriger, Gentechnik-freie Ware zu importieren. Daher hat der DRV das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Anfang September 2014 um eine rechtsverbindliche Klärung offener Rechtsfragen zu Kennzeichnung und Haftung gebeten. "Es ist für die Futterwirtschaft unzumutbar, das alleinige Haftungsrisiko für GVO-Verschleppungen zu tragen, da die betreffenden Fälle durch keinen Versicherungsschutz abdeckbar sind", so der Generalsekretär.

Höhere Vergütung notwendig

Bei Ausweitung der gentechnikfreien Fütterung innerhalb deutscher Futter- und Lebensmittelketten müsse eine höhere Vergütung sichergestellt werden, um zu erwartende Wettbewerbsnachteile auszugleichen. "Es gibt zahlreiche Unternehmen, die ihre Produkte 'ohne Gentechnik' erfolgreich vermarkten. Dieser Erfolg wird gefährdet, wenn daraus ‘Standardware‘ wird", gibt Ehlers zu bedenken.
 
Die 'ohne Gentechnik'-Kennzeichnung von Lebensmitteln ist durch umfangreiche Zertifizierungen geregelt und kann von allen Marktbeteiligten angewendet werden. Sie bedarf jedoch einer strengen Absicherung der Herkunft und Verwendung von Rohstoffen im Herstellungsprozess, die ausschließlich in spezialisierten Betrieben mit hohem organisatorischem und finanziellem Aufwand möglich ist. Die notwendige Honorierung durch den Lebensmitteleinzelhandel bzw. die Konsumenten kann nur in sehr eingeschränkten Produktsegmenten realisiert werden.

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