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Produktion und Förderung

Dünger bleibt knapp und teuer

von , am
05.02.2011

Frankfurt - Kein Betriebsmittel hat sich in den vergangenen zehn Jahren stärker verteuert als Mineraldünger. Ein Signal der Entspannung ist nicht in Sicht.

Ohne den standortgerechten pH-Wert ist die Wirkung aller anderen Produktionsfaktoren eingeschränkt. © Mühlhausen/landpixel
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes kosteten Düngemittel im Jahr 2009 fast dreimal so viel wie 2000. Zum Vergleich: Der Preisindex der landwirtschaftlichen Betriebsmittel insgesamt erhöhte sich im selben Zeitraum "nur" um 34,5 Prozent. Zwar brachen die Düngemittelpreise im Laufe des Jahres 2009 von ihren Extremwerten regelrecht ein. Schon seit gut einem Jahr kennen die Preise aber wieder nur eine Richtung, und zwar nach oben.
Für Kalkammonsalpeter (KAS) mit 27 Prozent Stickstoff mussten Landwirte in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Landwirtschaftskammer im Dezember 2010 durchschnittlich 275 Euro je Tonne zahlen beim Kauf von 5 t lose ab Lager. Das entsprach etwa wieder dem Niveau vom Frühjahr 2009. Im Dezember 2009 war KAS hingegen noch für rund 175 Euro je Tonne zu haben.
Noch drastischer war die Entwicklung für Diammonphosphat (DAP). Von Dezember 2009 bis Dezember 2010 verteuerte sich der Phosphordünger von knapp unter 300 Euro je Tonne auf über 500 Euro je Tonne. Lediglich Kali-Dünger blieb preislich annähernd stabil.

Kein weiterer Preissprung nach oben erwartet

Dessen ungeachtet nahm der Absatz von Düngemitteln in Deutschland im zweiten Halbjahr 2010 erheblich zu, allerdings ausgehend von einem langfristig noch immer unterdurchschnittlichen Niveau. Werden die Preise im Frühjahr weiter anziehen? Bernhard Schwegler, Leiter des Geschäftsbereichs Düngemittel beim Agrarhandelsunternehmen Beiselen, sagt: "Ich erwarte keine weiteren Preissprünge nach oben - politische und sonstige außergewöhnliche Risiken vorbehalten".
So könnten die Unruhen in Nordafrika den Düngemittelmarkt beeinflussen. Zwar verläuft der Schiffsverkehr durch den Suezkanal bislang offenbar ungestört. Im Nahen Osten und insbesondere in Ägypten stehen jedoch einige bedeutende Produktionsanlagen für granulierten Harnstoff. Tunesien ist einer der weltweit größten Exporteure von Phosphat. Dietrich Pradt, Düngemittelexperte des Industrieverbandes Agrar (IVA), sind bislang zwar keine negativen Auswirkungen auf die Harnstoffproduktion in Ägypten bekannt. Auch ist die ägyptische Produktion vorwiegend für den asiatischen Markt bestimmt.
Falls der Ausstoß jedoch zurückgefahren wird, verschlechtert sich die globale Versorgungslage. Über die Weltmärkte hätte dies wiederum Einfluss auf den N-Düngerpreis in Europa. Händler berichten außerdem, die DAP-Lieferungen aus Tunesien seien ins Stocken geraten. Die politischen Unruhen dürften den Weltmarkt jedoch allenfalls kurzfristig beeinflussen.

Absatz nähert sich an langjährigen Durchschnitt an

Vorübergehende Knappheiten werden die meisten Landwirte aussitzen können, denn sie haben sich für das Frühjahr längst eingedeckt. Der Witterungsverlauf im Februar wird darüber entscheiden, wann die erste Gabe ausgebracht werden kann.
Sollte sich der Start in die Saison nicht verzögern, rechnet Dietrich Pradt mit einer weiteren Annäherung des Düngemittelabsatzes an das langjährige Durchschnittsniveau. Bei Stickstoff könnte der Absatz von 1,57 Millionen Tonnen in 2009/10 auf etwa 1,7 Millionen Tonnen im laufenden Wirtschaftsjahr klettern. Diese Hoffnung der Düngemittelindustrie wurde zwar bereits im Vorjahr enttäuscht. Gute Preisaussichten für die Getreide- und Ölsaatenernte 2011 lassen etwas höhere Stickstoffgaben jedoch sinnvoll erscheinen. Vor allem der Absatz von Harnstoff hat kräftig angezogen, weil er pro Tonne Nährstoff kostengünstiger ist als KAS.

Entwicklung der Produktionskapazitäten für Preise entscheidend

Langfristig wird vor allem die Entwicklung der Produktions- und Abbaukapazitäten über die Düngerpreise entscheiden. Nur wenn das Angebot mit der rasant steigenden Nachfrage in Asien und Südamerika Schritt halten kann, ist eine weitere drastische Teuerung zu vermeiden. Derzeit laufen die Anlagen weltweit auf Volllast. Die kanadische PotashCorp kündigte Anfang Februar an, ihr stillgelegtes Ammoniakwerk in Louisiana, USA, wieder in Betrieb zu nehmen. Das Werk war 2003 wegen zu hoher Gaspreise eingemottet worden. In den nächsten 18 Monaten will das Unternehmen 158 Millionen US-Dollar in die Reaktivierung investieren. Die Produktionskapazität von gut 1.300 Tonnen täglich soll dazu beitragen, den angespannten nordamerikanischen Markt zu entlasten.
Fachleute erwarten, dass im Nahen Osten bis 2013 neue Stickstoffdüngerwerke aufgebaut werden. Deutlich aufwändiger und langwieriger ist die Erschließung von Phosphat- und Kalilagerstätten.

Noch volatilere Düngerpreise erwartet

Dietrich Pradt rechnet künftig mit noch volatileren Düngerpreisen als sie schon jetzt zu beobachten sind. "Die Verknüpfung der Märkte für Agrarprodukte, fossile Energieträger und Düngemittel wird immer enger", beobachtet er. Das gelte besonders, wenn der Rohölpreis jenseits von 80 US-Dollar bis 90 US-Dollar pro Tonne liege, so dass Energie aus Biomasse im weltweiten Maßstab mit fossilen Energieträgern konkurrenzfähig sei.
 
Norbert Lehmann
Freier Agrarjournalist
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