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Produktion und Förderung

Dünger International: Harnstoffpreise im freien Fall

von , am
28.06.2012

Die Harnstoffpreise fallen am Weltmarkt immer weiter. Die Einkäufer verhalten sich zurückhaltend und warten weiter ab, in der Hoffnung auf günstigere Preise.

Teurer Dünger: Die Preise von Harnstoff und Phosphor sind kräftig gestiegen. © Mühlhausen/landpixel
Am Weltmarkt befinden die Harnstoffpreise im freien Fall. In der Ukraine (fob Yuzhny) wird Harnstoff kurz vor dem Monatswechsel für 365 US-Dollar Pro Tonne (USD/t) angeboten und an den Exporthäfen im Mittleren Osten für rund 400 USD/t.
Damit sind die Exportpreise auf das niedrige Niveau von Mitte Februar zurückgefallen und haben rund 200 USD oder ein Drittel von ihren Preisspitzen im April verloren.
 
 
Und noch ist der starke Preisverfall nicht zum Stillstand gekommen. Eine Folge ist, dass auch die bislang sehr stabilen AHL/UAN-Preise am Weltmarkt (am Schwarzen Meer) ins Rutschen geraten sind.

Einkäufer halte sich zurück

Der starke Preisverfall bei Harnstoff hat natürlich auch das Einkaufsverhalten der großen Abnehmer beeinflusst. So hatte Indien zum Monatsbeginn einen Tender über 1,5 Millionen Tonnen Harnstoff ausgeschrieben. Am Ende des Monats hatten die Inder gerade einmal ein Drittel der beabsichtigten Menge eingekauft, denn die Preise sind immer weiter zurückgegangen und haben die Einkäufer dazu gebracht weiter abzuwarten und später und günstiger zu kaufen.
 
Auch aus Südamerika lagen offenbar eine ganze Reihe von Anfragen vor. Dort läuft gerade die Aussaat von Wintergetreide. Auch hier hat die Kaufzurückhaltung jedoch angesichts der weiter fallenden Preise zugenommen.
 

Produktion wird wohl wieder gedrosselt

Der kurz vor dem Monatswechsel aus der Ukraine gemeldete Preis von weniger als 380 USD/t deckt nach Auffassung von Analysten nicht mehr die Produktionskosten am Schwarzen Meer. Ebenso wenig können die Hersteller in Litauen, Rumänien und auch in Deutschland zu diesen Kosten produzieren. Deshalb rechnen viele Beobachter mit der erneuten Stilllegung von Produktionskapazitäten, ähnlich wie beim letzten Preisverfall zum Jahreswechsel. Zudem könnten die niedrigen Preise auch die zur Jahresmitte erwarteten Rückkehr der Chinesen (niedrige Exportzölle ab Juni) verzögern oder auch aufhalten.
 
Im Moment liegen die Harnstoffpreise am chilenischen Binnenmarkt offenbar höhe als Weltmarkt. Sollte allerdings noch zusätzliches Angebot aus China auf den Markt fließen, würde er Druck auf die Preise noch erhöht.

Preiseinbruch in den USA

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
In den USA ist hat sich Nachfrage nach dem gewaltigen Schub im Frühjahr deutlich abgeschwächt. Nicht nur Landwirte sondern auch große Händler ordern Angesichts der fallen Preisen ausgesprochen vorsichtig. Die Harnstoffpreise (granuliert) sind im Juni (fob Nola) um 150 bis 200 USD/t auf auf 420 bis 430 USD und an der US-Golfküste gefallen. Ein Grund für die wegbrechende Nachfrage dürfte die Trockenheit in den Mais- und Sojanbaugebieten des Mittelwestens sein.
 
Auch in Russland und der Ukraine hat die Trockenheit offenbar zu einem Rückgang der Nachfrage geführt haben. Gleiches gilt auch für Teile Europas und Deutschlands. Am US-Terminmarkt zeigen die Harnstoffkontrakte für die nächsten Monate weiter nach unten und liegen für den August etwa 15 bis 20 USD unter dem Junipreis.

Auch UAN gerät unter Druck

Die UAN/AHL-Preise waren an den Exportmärkten lange relativ stabil. In der zweiten Junihälfte gerieten sie jedoch immer stärker in den Sog der fallenden Harnstoffpreise. Vom Schwarzen Meer berichten Analysten und Händler kurz vor dem Monatswechsel von einem scharfen Preisrückgang.
 
Auch aus den USA wird über einen relativ scharfen Preisrückgang am Binnenmarkt (fob Nola) berichtet. Der US-Großhandelspreis (fob Nola) für UAN (32 %) ging von Mai bis Juni um rund 100 auf USD 260 USD/t zurück. Trotzdem halten sich die großen Einkäufer sowohl in den USA als auch Weltmarkt zurück.
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