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Produktion und Förderung

Muss das Düngerecht verschärft werden?

© agrar-press
von , am
26.08.2013

Berlin - Wissenschaftler sehen dringenden Handlungsbedarf bei der Düngegesetzgebung. Sie fordern eine Hoftorbilanz und wollen Nährstoffüberschüsse durch eine Verschärfung des Düngerechts begrenzen.

Ein selbst fahrender Gülleausbringer fährt zu einem LKW Versorgungszug am Feldrand, um Gülle zu tanken. © Mühlhausen/landpixel
Eine grundlegende Reform der Düngegesetzgebung in Deutschland fordern maßgebliche Experten unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen.
 
In einer zum ersten Mal gemeinsam verfassten Kurzstellungnahme zur Novellierung der Düngeverordnung betonen die Wissenschaftler den dringenden politischen Handlungsbedarf. An der Stellungnahme beteiligt sind wissenschaftliche Beiräte des Bundeslandwirtschaftsministeriums für Agrarpolitik (WBA) und für Düngungsfragen (WBD) sowie der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung.

Umfassende Nährstoffbilanzierung einführen

Die Gremien empfehlen die Einführung einer umfassenden und aussagekräftigen Nährstoffbilanzierung als Grundlage für die Erfassung und Begrenzung von Nährstoffüberschüssen auf landwirtschaftlichen Betrieben.
 
Die notwendigen rechtlichen als auch technisch-administrativen Voraussetzungen seien zügig zu schaffen, heißt es in der Stellungnahme heißt es in der Stellungnahme, die sie am Freitag Agrarstaatssekretär Robert Kloos übergeben haben. Nach ihrer Auffassung ist ohne eine umfassende und transparent dokumentierte Bilanzierung eine wirksame Begrenzung von Nährstoffüberschüssen nicht möglich.
"Zentrale Umweltziele im Agrarbereich werden in Deutschland nach wie vor nicht erreicht", erklärte WBA-Mitglied Prof. Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel, unter dessen Federführung die Stellungnahme erarbeitet wurde.

Die konkreten Forderungen

Zur Reduzierung der Nährstoffeinträge in die Umwelt fordern die Räte
  • eine Verlängerung der Sperrfristen zur Ausbringung von organischen Düngemitteln,
  • die Ausweitung der Mindestlagerkapazitäten für organische Düngemittel,
  • die Verschärfung der Anforderungen an die Ausbringungstechnik und Einarbeitung von organischen Düngemitteln sowie
  • eine stärkere Limitierung der Phosphatzufuhr.
Unerlässlich seien schließlich eine bessere Kontrolle der Einhaltung der Düngegesetzgebung und schärfere Sanktionen bei Verstößen.

Investitionen zur Anpassung finanziell unterstützen

Die Wissenschaftler sprechen sich dafür aus, bestimmte Anpassungsinvestitionen im Rahmen bestehender Förderinstrumente finanziell zu unterstützen. So soll den landwirtschaftlichen Betrieben die Anpassung an das novellierte Düngerecht erleichtert und beschleunigt werden.

Problemregionen mit intensiver Tierhaltung und Bioenergieproduktion

Die Wissenschaftler räumen ein, dass es in den letzten 20 Jahren deutliche Verbesserungen im Bereich der Düngung gegeben habe. Dennoch verursachten hohe Stickstoff- und Phosphatausträge aus der Landwirtschaft nach wie vor gravierende Umweltprobleme.
 
Insbesondere in vielen Regionen intensiver Tierhaltung und Bioenergieproduktion sowie in Gebieten mit einem hohen Anteil von Sonderkulturen nähmen die Nährstoffausträge sogar zu. Darunter litten die Qualität der Oberflächen- und Grundgewässer sowie die biologische Vielfalt der Landökosysteme und es komme zu einem erhöhten Ausstoß von Klimagasen.

Nährstoffüberschüsse nicht ausreichend erfasst

Ein Schlüsselproblem bestehe darin, "dass auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben bisher nicht ausreichend erfasst wird, welche Nährstoffüberschüsse dort anfallen", so WBD-Vorsitzender Prof. Walter Horst von der Universität Hannover. Der WBA - Vorsitzende Prof.
 
Harald Grethe verweist auf die große Chance, "mit der entschiedenen Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen in der kommenden Legislaturperiode zur Erreichung der von der Bundesregierung und der EU gesetzten Umweltziele im Agrarbereich sowie zu einer effizienteren Verwendung von Düngemitteln auf den Betrieben beizutragen". 

Erfahrungen mit Gülle Strip Till (Januar 2012)

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