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Nothilfen

"Dürrehilfe wird im Norden zum Flop"

Ein trockenes Getreidefeld unter brennender Sonne
am
14.08.2019
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Die Dürrehilfe 2018 erreicht in Norddeutschland nur wenige Betriebe. Der Bauerverband Schleswig-Holstein kritisiert das aus seiner Sicht zu komplizierte Verfahren.

Werner Schwarz, Bauernverband Schleswig-Holstein

Nur etwa 700 der 12.500 landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein werden von der Dürrehilfe profitieren, die Bund und Länder nach dem Dürresommer 2018 als Notmaßnahme beschlossen.

„Leider haben sich unsere Befürchtungen bestätigt, dass die von Bund und Ländern aufgesetzte Dürrehilfe die meisten Betriebe nicht erreicht und für viele zum Flop wird", stellte der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, jetzt fest.

Anlass ist das Bekanntwerden vorläufiger Ergebnisse zu den gestellten Anträgen.

Öffentlichkeit hat falschen Eindruck großzügiger Hilfe

Nach Angaben der Landesregierung haben in Schleswig-Holstein 1.075 Betriebe eine Dürrehilfe beantragt in Höhe von insgesamt 34 Mio. Euro. Die Ablehnungsquote beträgt jedoch rund 35 Prozent, sodass voraussichtlich nur etwa 22 Mio. Euro ausgezahlt werden, dem Vernehmen nach im Laufe dieses Monats.

Verbandspräsident Schwarz stellte fest, 95 Prozent des vom Land geschätzten Schadens von 422 Mio. Euro trügen die Landwirte. In der Öffentlichkeit sei aber der Eindruck entstanden, der Landwirtschaft würde großzügig geholfen. Das sei aber nicht annähernd der Fall.

Keine Rede von einer schnellen Hilfe

Der Verband hatte von Anfang kritisiert, die Voraussetzungen und Nachweispflichten der Bund- Länder-Vereinbarung zur Dürrehilfe seien zu kompliziert. Diese Einschätzung habe sich nicht nur durch die niedrigen Antragszahlen bestätigt, sondern werde nun noch übertroffen durch die wenig praxisgerechte Handhabung in Schleswig-Holstein.

Von einer an sich notwendigen schnellen Hilfe könne ohnehin nicht mehr die Rede sein. Man erkenne aber an, dass die Mitarbeiter des Landesamtes mit hohem Einsatz gearbeitet hätten, so der Landesbauernverband

Erntegut muss für jede Fläche gewogen werden

Hauptgrund für die Ablehnungen ist nach Darstellung des Verbandes, dass Ernteergebnisse nur anerkennt würden, wenn eine vollständige und flächenbezogene Verwiegung der gesamten Ernte vorliege. Dies sei erst jetzt im Rahmen der Ablehnungen bekannt geworden.

Insbesondere bei der Ernte von Mais und Gras zur Verfütterung sei eine solche Ernteermittlung nicht üblich, erläuterte der Bauernverband. Auf Ackerbaubetrieben lägen aufgrund eigener Einlagerung zumeist nur Teilverwiegungen vor. Ersatzweise werde nun auf geschätzte Durchschnittszahlen abgestellt. Die dafür gewählten Regionen seien aber zu groß und uneinheitlich, um die Betroffenheit des einzelnen Betriebs abbilden zu können.

Schwarz hob hervor, dass es nicht darum gehe, der Landwirtschaft das Wetterrisiko abzunehmen. „Mit den Unsicherheiten des Wetters zu leben, gehörte immer schon zu unserem Beruf dazu“, so Schwarz. Aber bei extremen Wetterereignissen wie der Dürre im letzten Jahr, sei Nothilfe geboten, wenn man die hart betroffenen Betriebe erhalten wolle.

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