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Kosten für Strom

Einheitlicher Strompreis nicht haltbar – 5 Preiszonen in Deutschland?

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am Montag, 23.01.2023 - 16:06 (Jetzt kommentieren)

Bisher ist der Strom, der an der Strombörse gehandelt wird, überall in Deutschland gleich teuer. Doch das könnte sich bald ändern. Dann könnten sich die Strompreise, je nach regionaler Angebotsmenge und Nachfrage, in den Regionen deutlich unterscheiden.

Stromzonen.

In Bundesländern, die mehr Strom erzeugen als verbrauchen, würden die Preise fallen. In Regionen mit zu wenig selbst erzeugten Strom, würde es teurer. Profitieren würden aus heutiger Sicht vor allem die die norddeutschen Bundesländer. Sie haben in den vergangenen Jahren ihre Windstromproduktion massiv ausgebaut.

Deshalb unterstützen sie auch den Vorschlag der EU-Regulierungsbehörde ACER, das Land in bis zu 5 Strompreiszonen aufzuteilen. ACER will unterschiedliche Marktgebiete einrichten, die dann die physischen Gegebenheiten des regionalen Stromnetzes besser widerspiegeln. Das heißt: Dort, wo es wenig Leitungen gibt bzw. das Netz nicht ausreichend ausgebaut ist, sollten Preiszonen voneinander abgegrenzt werden.

In anderen europäischen Ländern gibt es solche Zonen bereist. Norwegen mit seiner großen Nord-Süd-Ausdehnung hat sechs Preiszonen, Italien sogar sieben, und in Dänemark gibt es zwei Zonen. In Schweden setzte Acer vor einigen Jahren eine Teilung in vier Zonen durch (siehe Grafik). Deutschland bildet (noch) eine einheitliche Zone mit Luxemburg.

Hohe Kosten für Redispatch-Management

Die Übertragungsnetzbetreiber prüfen derzeit, welche Auswirkungen eine Aufteilung Deutschlands in mehrere Strompreiszonen hätte. Diese Auswertungen seien sehr kompliziert, sagt Manuela Wolter vom Netzbetreiber Tennet auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks (BR). Das Ergebnis dieser will man im Sommer vorlegen. Klar sei: „Wir als Netzbetreiber liefern die Datengrundlage, aber wir positionieren uns nicht zur Frage der Strompreiszonen.“

Dabei es gibt handfeste ökonomische Gründe, den Strommarkt in Deutschland neu zu struktiveren. Fachleute sagen, dass das Nord-Süd-Gefälle in der Stromerzeugung auf zwei Ebenen zusätzliche Kosten verursacht: Zum einen steigen die Netzentgelte vor allem in Norddeutschland. Dort wurden viele Windparks ans Netz angeschlossen und die Netzbetreiber mussten in den Ausbau der Leitungen investieren. Die Kosten wurden aber auf die regionalen Verbraucher umgelegt.

Zum anderen steigen die Kosten für das sogenannte Redispatch-Management – wie vorige Woche im Südwesten. Dahinter verbergen sich die Maßnahmen der Netzbetreiber, um Stromangebot und -nachfrage in Einklang zu halten und einen „Blackout“ zu verhindern. Dazu müssen häufig Windparks im Norden abgeschaltet und konventionelle Kraftwerke im Süden hochgefahren werden.

Hätten etwa Bayern und Baden-Württemberg eine eigene Strompreiszone, würde der Strompreis in Süddeutschland vermutlich steigen, weil das Stromangebot hier wegen des schwachen Ausbaus der Windkraft verhältnismäßig niedrig ist, der Strombedarf wegen der vielen Industrie hingegen hoch, sagen Experten.

Zerschneidung der Stromnetze – ist marktkonform?

Mit den zuletzt stark gestiegenen Börsenstrompreisen verteuern sich allerdings auch die Kosten für die Eingriffe ins Stromnetz drastisch. 2021 lagen die Kosten laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei 2,3 Milliarden Euro, davon 590 Millionen Euro für den Redispatch. Für 2022 erwartete Amprion, einer der vier Betreiber der deutschen Übertragungsnetze, eine Versechsfachung der Kosten. Umso wichtiger werden Maßnahmen, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

Darauf zielt die von Acer vorgeschlagene Zerschneidung der Stromnetze ab. „Der Schritt ist überfällig“, sagt Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project (RAP), einer Organisation, die Regierungen bei der Transformation ihrer Energieversorgung berät. „Eine Aufteilung würde den Redispatch-Aufwand senken. So wäre es einfacher, Angebot und Nachfrage innerhalb einer Gebotszone zur Deckung zu bringen“, erklärt Jahn im Gespräch mit EnergieWinde. Die Kosten würden sich in Regionen mit zu geringem Stromangebot erhöhen.

Diese Strompreiszonen hätten damit einen starken Anreiz, die erneuerbaren Energien auszubauen, um ihren Strombedarf zu decken. Insgesamt würden die Systemkosten aber sinken, betont Jahn. Wo genau die Grenzen bei einer Aufteilung Deutschlands gezogen würden, wäre laut Jahn „das Ergebnis einer Gemengelage aus Physik und Politik“.

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