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+++ Aktualisiert am 22. April 2020 +++

Einkommensteuer: Vom Wirtschaftsjahr auf das Kalenderjahr umstellen?

Landwirtschaft
am Mittwoch, 22.04.2020 - 14:18 (Jetzt kommentieren)

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe sollen künftig auch das Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr bestimmen können.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Änderung steuerlicher Verordnungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) hat das Kabinett heute beschlossen.

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe sollen danach auch das Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr bestimmen können. Dies soll hauptsächlich der Vereinfachung dienen. Der Gewinnermittlungszeitraum und der Zeitraum, für den die Steuererklärungen abzugeben sind, stimmen dann überein.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium begrüßte die Erleichterung für Land- und Forstwirte. Die neue Regelung kann für land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die neben dem landwirtschaftlichen Betrieb auch einen Gewerbebetrieb haben, eine Verwaltungserleichterung bringen. Denn sie können künftig für beide Betriebe das Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr anwenden.

So ändert sich die Abrechnung

Wie die Steuerberatung Ecovis erläutert, müssen Landwirte bisher ihren Gewinn für das Wirtschaftsjahr ermitteln, das in der Regel vom 1. Juli bis 30. Juni läuft. Ausnahmen gelten beispielsweise für Winzer oder Futterbaubetriebe.

Die Einkommensteuererklärung wird aber immer für ein Kalenderjahr (01.01.-31.12.) erstellt. Deshalb müssen Landwirte ihren Gewinn für ein Wirtschaftsjahr auf zwei Kalenderjahre verteilen. In der Einkommensteuererklärung für 2019 wird also der anteilige Gewinn aus den Wirtschaftsjahren 2018/2019 und 2019/2020 berücksichtigt. Dabei dienen die Monate als Aufteilungsmaßstab. Auch die Umsatzsteuererklärung erstellen Landwirte immer für ein Kalenderjahr.

Im Regelfall – bei einem Wirtschaftsjahr vom 1. Juli bis 30 Juni – lässt sich genau die Hälfte der Gewinne aus zwei Wirtschaftsjahren in der Einkommensteuererklärung ansetzen. Denn jeweils sechs Monate beider Wirtschaftsjahre fallen zusammen in ein Kalenderjahr.

Tarifglättung für den Umstieg nutzen

Stellen Landwirte bei der Gewinnermittlung vom Wirtschaftsjahr auf das Kalenderjahr um, entsteht einmalig ein verlängertes Wirtschaftsjahr. Das bedeutet, dass für diesen verlängerten Gewinnermittlungszeitraum auch einmalig ein höherer Gewinn entstehen kann.

„Durch die neu eingeführte Tarifglättung lässt sich dieser Einmaleffekt aber etwas abmildern. Denn für die Berechnung der Steuer dürfen Landwirte den Gewinn für drei Jahre heranziehen. Jahre mit hohen Gewinnen lassen sich also durch Jahre mit niedrigen Gewinnen ausgleichen“, sagt Ecovis-Steuerberater Thomas Franke aus Rostock. „Da die Tarifglättung voraussichtlich das letzte Mal im Jahr 2022 gewährt wird, müssten sich Landwirte schnell entscheiden, sobald das geplante Gesetz verabschiedet ist.“

Mit Material von Ecovis, BMEL
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