Ekosem-Agrar AG: Stefan Dürrs emotionaler Appell an seine Gläubiger
Die Gläubiger der Agrarholding Ekosem-Agrar AG sollen auf Millionen verzichten, um einen Totalverlust zu vermeiden. Sonst drohen russische Verwaltung und Insolvenz.
Der Gründer und Vorstand der Ekosem-Agrar AG, Stefan Dürr, hat sich jetzt in einem persönlichen Schreiben direkt an seine Gläubiger gewandt. Darin wirbt der deutsche Landwirt, der inzwischen russischer Staatsbürger ist, um Zustimmung für die geplante Restrukturierung von zwei Anleihen.
Für seine Geldgeber, die mit dem Kauf der Anleihen zum Aufbau des größten Milcherzeugers in Russland beigetragen haben, würde das den Verlust von rund zwei Dritteln ihres Investments bedeuten. Den „schmerzhaften finanziellen Verlust“ bezeichnet Dürr in seinem Brief angesichts der Alternativen dennoch als „gute Lösung“.
Ekosem-Agrar bietet Barabfindung von 300 Euro je Anleihe
Die Alternativen könnten nämlich die Insolvenz der Ekosem Agrar AG und damit ein Totalverlust für die Anleihegläubiger bedeuten. Daher appelliert Dürr eindringlich an die Anleihe-Gläubiger, das Abfindungsangebot von 300 Euro je Anleihe im Nennwert von 1.000 Euro zu akzeptieren.
Die Anleger sollen in den Gläubigerversammlungen am 2. Mai in Sinsheim unbedingt von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Für einen rechtskräftigen Beschluss müssen bei der Versammlung mindestens 50 Prozent des Nennbetrags der jeweiligen Anleihe vertreten sein.
Drei Horror-Szenarien mit demselben Ausgang als Alternative
Drei Gründe machen das Abfindungsangebot aus Sicht von Stefan Dürr für die Gläubiger zu einer guten Lösung.
- Seit Januar fällt Russland unter das deutsche Steueroasenabwehrgesetz. Nach eigenen Angaben bedeutet das für die Ekosem Agrar AG, dass die Gewinne der russischen Tochtergesellschaften in Deutschland versteuert werden müssten. Das könnte das Unternehmen mit jährlich über 20 Mio. Euro belasten. Zu vermeiden ist das nur, indem sich die deutsche Holding von ihren russischen Töchtern trennt.
- Die in Russland tätigen Tochtergesellschaften müssten, wenn sie unter deutscher Führung bleiben, künftig möglicherweise auf russische Subventionen verzichten.
- Es sei nicht auszuschließen, dass die Agrarholding unter staatliche Verwaltung gestellt werde. In den letzten zwei Jahren habe es zahlreiche Fälle von ausländisch gehaltenen Unternehmen gegeben, die unter russische Verwaltung gestellt worden seien.
Gläubiger würden satten Aufschlag auf aktuellen Anleihe-Kurs erhalten
Laut Dürr könnte jeder einzelne der drei Gründe dazu führen, dass die Ekosem-Agrar AG als deutsche Holding die wirtschaftliche Beteiligung am operativen Geschäft ihrer Tochtergesellschaften in Russland verliert. Das würde für die Holding die Insolvenz und damit letztlich für die Anleihe-Gläubiger den Totalverlust bedeuten.
Aktuell notieren die beiden Anleihen 2012/2027 (ISIN DE000A1R0RZ5) und 2019/2029 (ISIN DE000A2YNR08) mit einem Emissionsvolumen in Höhe von insgesamt 178 Mio. Euro bei 20 bis 23 Prozent ihres Nennwertes.