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Elektromobilität und Strompreise

Elektroautos: Strom tanken ist teuer und ein Abenteuer

Elektroautos.
am Montag, 29.11.2021 - 14:06 (6 Kommentare)

Strom tanken ist teuer und für Umsteiger ein Abenteuer. Das enorme Tarifchaos erschwert Vergleiche. Es sei denn, man kann zu Hause Strom tanken. Für unterwegs gibt jedoch viel zu wenig (intakte) Ladesäulen.

Ladesäule.

Die Umstieg auf ein Elektroauto ist komplizierter als gedacht. An den öffentlichen Ladesäulen herrscht ein unübersichtliches Tarifchaos. Es gibt dutzende Apps, Lade-Karten und einen Wirrwarr an Konditionen an den Ladestationen. Mit eigenen Tarifen und Ladekarten wollen Autohersteller und Betreiber neue Kunden an sich binden.

Ein Vergleich der Preise und Konditionen ist extrem schwierig. Hinzu kommt: Es gibt viel zu wenig Ladesäulen die oft auch noch besetzt oder defekt sind. Nichts für schwache Nerven. Rund 40 Prozent der Elektroauto-Fahrer sind mit dem Laden auf Langstrecken unzufrieden. Neben dem Ausbau des Ladenetzes wünschen sie sich eine Vereinfachung der Abläufe, verlässlichere Ladesäulen sowie günstigere Preise und schnelleres Laden. Das hat eine Umfrage des ADAC ergeben.

Immerhin 32 Prozent der Elektroautofahrer gaben an, dass Ladeversuche häufiger scheitern. Als Hauptgrund nannten sie defekte, nicht betriebsbereite oder nicht auffindbare Ladesäulen. Dahinter folgten Probleme bei der Freischaltung und nicht akzeptierte Ladekarten oder -Apps. Besonders ärgerten sich sehr viele Befragte über E-Autofahrer, die nach dem Laden die Säule nicht zügig wieder frei machen: 73 Prozent sagten, sie würden eine Blockiergebühr für E-Autos befürworten, die einen Ladeplatz über das Laden hinaus belegen.

Außerdem halten nur 38 Prozent der Befragten die Information über die Kosten für ausreichend. „Elektroautofahrer können an Ladesäulen oft nicht erkennen, welche Preise tatsächlich abgerechnet werden, und teilweise sind die Preise für das Ad-hoc-Laden doppelt so hoch wie die für Vertragskunden“, sagt der ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze. Angesichts der Preisunterschiede und Unübersichtlichkeit der Tarife seien die Kosten für einen Ladevorgang kaum zu kalkulieren.

Strom tanken: Ein Abenteuer

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Damit wird deutlich: Strom tanken kann zum Abenteuer werden. Statt einfach mal an der Tankstelle zu halten, und den Tank in wenigen Minuten für 800 km oder mehr volllaufen zu lassen, muss sich der E-Autofahrer komplett umstellen. Das fängt damit an, dass man Strom für eine solche lange Distanz bisher gar nicht tanken an.

Außerdem muss der E-Autofahrer viel Zeit mitbringen, denn  Strom tanken dauert viel länger. Gleichzeitig muss man mit häufigere Ladeaufenthalte einplanen – bei denen dann nur Strom für deutlich kürzere Reichweiten getankt werden kann.

Doch das ist vielleicht noch das geringste Übel: Die zahlreichen sehr unterschiedlichen Zugangs- und Abrechnungsmodelle der unterschiedlichen Ladestrom-Anbieter machen einen Preis- und Kostenvergleich für viele entnervte E-Autofahrer sehr schwierig – um nicht zu sagen nahezu unmöglich.

Am besten fährt natürlich der E-Autofahrer der zu Haus den Hausstrom laden kann. Doch das wird oft nicht genügen, zumal man, wen man unterwegs nicht immer die Ladesäulen seines Stromanbieters findet.  Fakt ist jedenfalls: Je nach Vertrag und Anbieter – sind die Preisunterscheide für eine Schnellladung an der Ladesäule gewaltig und im können locker das Doppelte oder Dreifache des Hausstromtarifs betragen.

Tarif-Dschungel – und keine eichkonformen Zähler

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Der ADAC sagt: In Deutschland gibt es rund 34.000 Ladesäulen. Das Problem ist jedoch: Bei der Bedienung gibt es riesige Unterschiede. Mal braucht der E-Autofahrer eine Ladekarte, mal muss er den Stromfluss mit Hilfe einer App aktivieren. Manchmal kann der E-Autofahrer auch direkt über das Smartphone zahlen. Dann kommt die Rechnung allerdings erst am Ende des Monats per Post.

Wie viel die einzelne Kilowattstunde (kWh) am Ende kostet, ist oft unklar und je nach Anbieter unterschiedlich, sagt der ADAC. Auch die Abrechnungsarten variieren stark. Ein Betreiber kassiert neben der monatlichen Grundgebühr pauschal Geld pro Ladevorgang. Ein anderer berechnet den Strompreis je angefangene Stunde oder auf fünf Minuten genau. Außerdem haben viele Anbieter unterschiedliche Tarifmodelle.

Und ein weiteres Problem: Die meisten Ladestation-Betreiber rechnen nicht nach kWh ab. Der Grund dafür ist, dass für die Abrechnung nach kWh eichkonforme Zähler in die Normalladesäulen (AC) eingebaut werden müssten, sagt der ADAC. Das verlangt die Eichrechtsverordnung, die seit 1. Januar 2018 gilt. Hinzu kommt, dass es für Schnellladesäulen (DC) noch keine eichkonformen Zähler gibt. Hier gilt derzeit eine Sonderregelung.

Deshalb haben viele Anbieter auf Pauschaltarife umgestellt und rechnen nach Ladezeit ab. Das hat teils absurde Folgen: Wenn ein strombetriebener Kleinwagen beispielsweise nur wenig kWh lädt, der Anbieter aber pro angefangener Stunde abrechnet, kann das sehr, sehr teuer werden, sagt der ADAC.

Der Automobilclub unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von Elektromobilitäts-Serviceanbietern: Regionale Anbieter und solche die eine überregionale Nutzung von Ladesäulen ermöglichen. Die Nutzung der Ladeinfrastruktur anderer Anbieter erfolgt dann über Roaming-Netzwerke und Vereinbarungen zwischen den Anbietern.

Dieser Service ist jedoch meist deutlich teurer als das Laden an den eigenen Ladestationen. Dabei betreiben die Roaming-Netzwerke oftmals keine eigenen Säulen, sondern stellen am Ende des Monats eine Rechnung für den verbrauchten Strom.

Strom über Roaming tanken ist viel teurer als Diesel

Doch es gibt noch mehr Probleme: Das Ziel der Bundesregierung, wonach für zehn E-Autos eine Ladestation als ausreichend sind, geht davon aus, dass 85 Prozent der Autos an der heimischen Wallbox geladen werden können, schreibt die Autozeitung. Doch das ist schon längst nicht mehr der Fall. Immer Menschen kaufen Elektroauto ohne eigene Lademöglichkeiten zu Hause.

Und so wächst auch der Markt für die Ladesäulenbetreiber sehr schnell und wird immer unübersichtlicher. Manche sagen auch Wildwuchs oder Tarifdschungel dazu. Ihre Kosten im Blick haben deshalb eigentlich nur die E-Autofahrern die fast ausschließlich zu Hause Strom tanken und möglichst kurze Strecken fahren.

Wer auf die Lademöglichkeiten bei den Roaming-Anbietern wie Plugsurfing und NewMotion angewiesen ist,cmuss oft tief in die Tasche greifen. So berichtet die Autozeitung, das man an den Ladestationen von NewMotion für das schnelle Laden bei Plugsurfing 69 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlt. Wer an der Ionity-Ladesäule mit Plugsurfing abrechnet, muss sogar 1,09 Euro pro Kilowattstunde hinblättern.

Damit ein E-Auto teurer als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor, hat die Autozeitung ausgerechnet. Danach kostet es bei einem VW ID.3 bei einem Real-Verbrauch von 21 kWh für 100 Kilometer an der Schnellladesäule mit Plugsurfing-Abrechnung 22,89 Eur. Für die gleiche Strecke mit einem Golf Diesel müssen nur 8,84 Euro gezahlt werden und für einen Benziner 12,40 Euro.

Ein (finanzieller) Anreiz für einen Umstieg ist das jedenfalls nicht.  

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