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Energiewende und die Folgen

Energiekrise: Eine Folge der grünen Energiewende? Die Fakten

Windkraft und Strom
am Freitag, 22.10.2021 - 11:28 (6 Kommentare)

Die Energiekrise treibt die Kosten für die Wirtschaft, Bauern und Verbraucher auf immer neue Rekordmarken. Dabei steht die Energiewende erst am Anfang. Die Bank of Amerika hat nun die Kosten für die Klimawende ausgerechnet – und die sind gigantisch.

energiequellen in deutschland.

Europa und die Welt stecken in einer beispiellosen Energiekrise. Manche nennen es eine Krise, die, mit dem arabischen Ölembargo der 1970er Jahre vergleichbar sein kann – mit verheerenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin forbes.

Brent-Rohöl liegt auf einem 5-Jahres-Hoch von 84 USD pro Barrel, während die Spot-Erdgaspreise im Jahresvergleich um mehr als 500 % gestiegen sind. Der wiederauflebende Energiebedarf nach Covid, extreme Wetterereignisse, Unterbrechungen der Lieferkette und eine schlechte Bevorratung haben zur aktuellen Krise beigetragen. Die rückläufige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, in Verbindung mit der anziehenden Nachfrage waren weitere Faktoren, die die Strompreise auf neue Rekordstände getrieben haben.

Dies ist in Europa am stärksten zu spüren, aber auch in China wo es zu Stromrationierungen kommt und in den USA, wo die Verbraucher rekordhohe Preise an den Zapfsäulen sehen. Angesichts der Verknappung von Erdgas in Europa und Kohle in China und Indien und stark steigenden Preisen in Japan scheint die Energiewelt aus den Fugen.

Europa hat offenbar den Fehler gemacht, Erdgasförderfelder, Atomkraftwerke und Kohlefabriken zu schließen, bevor ausreichend alternative Energiequelle zur Verfügung stehen. In Deutschland lag der Anteil erneuerbarer Energieträger am Gesamtenergieverbrauch im Jahr 2020 gerade einmal bei knapp 17 Prozent – bei der Stromversorgung waren es immerhin 45 Prozent.

Der Wechsel von Gas und Kohle wird den meisten Schätzungen zufolge die weltweite Ölnachfrage während des kommenden Winters auf der Nordhalbkugel täglich um 500.000 Barrel erhöhen.

Gigantische Kosten für die Energiewende – unrealistisch?

stromerzeugung.

Nun hat die die Bank of Amerika vorige Woche zu ersten Mal die möglichen Kosten für die Umsetzung der Maßnahmen und Ziele berechnet – und die sind gigantisch. Das Finanzportal ZeroHedge berichtete: „Letzte Woche löste die Bank of America einen Feuersturm der Reaktion zwischen den Lagern für und gegen den Klimawandel aus, als sie einen ihrer „Thematic Research“-Bände veröffentlichte, diesmal über die „Transwarming“-Welt. Darin werden die Kosten der größten wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Umgestaltung in der modernen Geschichte quantifiziert.

Fazit: Nicht weniger als unglaubliche 150 Billionen US-Dollar an neuen Kapitalinvestitionen wären erforderlich, um über 30 Jahre eine „Netto-Null“-Welt zu erreichen. Das würde etwa 5 Billionen US-Dollar an jährlichen Investitionen entsprechen – und sich laut ZeroHedge auf das Doppelte des aktuellen globalen BIP belaufen. Wer diese gigantische Summe bezahlen soll bleibt allerdings unklar. Private Investoren können es eigentlich nicht ein.

Im Juni 2021 hatten sich die G7 auf ihrem Gipfel verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Dazu hatte die Internationale Energieagentur (IEA) im Mai einen Fahrplan veröffentlicht: „Net Zero by 2050: A Roadmap for the Global Energy Sector“. Eine der obersten Prioritäten der IEA-Roadmap ist ein Anstieg der Elektromobilität von derzeit rund 5 % des weltweiten Pkw-Absatzes auf über 60 % im Jahr 2030 und 100 % im Jahr 2035.

Gleichzeitig muss die weltweite Stromerzeugung zwischen heute und 2050 um das 2,5-fache steigen. Das heißt auch: Während derzeit weltweit nur etwa 3 % der Energie aus Wind- und Solarenergie stammen, müssten es bis 2050 etwa 70 % sein.

Es fehlen verlässliche Energiequellen – Atomenergie als Alternative?

rohölpreise.

Das Zusammentreffen verschiedener Faktoren und die Explosion der Kosten versärken die Bedenken vieler Energieexperten, dass Europas den Übergang weg von traditionellen Grundlastenergiequellen (Gas, Kohle und Kernenergie) hin zu einer intermittierenden erneuerbaren Energieerzeugung übereilt vollzogen hat. Europas Masterplan für CO2-Neutralität hat die Mitgliedsstaaten weg von langfristigen Kaufverträgen und hin zu kurzfristigen Preisen gedrängt, was die Krise für Energieversorger und andere Verbraucher, die jetzt nach alternativen Brennstoffquellen suchen, noch kostspieliger macht.

„Als die EU versuchte, ihre Energieinfrastruktur zu dekarbonisieren, gelang es Brüssel nicht, eine verlässliche Basiskapazität für die Stromerzeugung zu schaffen. Ohne die großen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke wäre Europa heute in der Tat ein dunkler und kalter Ort“ beschreibt das US-Wirtschafsmagazin forbes die Lage. Damit fehlen die Energiequellen für Zeiten mit geringer Erzeugung von Erneuerbaren wie im „windarmen Sommer“ im vergangenen Jahr. Einige Länder begannen deshalb alternative Brennstoffe wie Kohle zu kaufen, eine Brennstoffquelle, die doppelt so viel CO2 ausstößt wie Erdgas.

Aber auch hier sind die Preise explodiert – nicht zuletzt weil China ebenfalls in einer schweren Energiekrise steckt. Mehr als 20 Provinzen haben Strom-Rationierungen erlassen, um mit der sich Situation fertig zu werden. „Energieversorgung um jeden Preis“, ordnete das die Regierung an und unterstrich damit die Abhängigkeit der riesigen Wirtschaft von importierter Kohle und Gas.

Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Spanien haben als Folge der Krise neue Preisobergrenzen festgelegt – die Energiepreise als gedeckt. Frankreich ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat angekündigt, bis Ende des Jahrzehnts eine Milliarde Euro in die Kernenergie zu investieren. Deutschland  geht wieder mal einen Sonderweg und wird trotz der Versorgungsprobleme nächstes Jahr fast alle seine Reaktoren stilllegen, und fast ausschließlich auf Wind und Sonne setzen. Doch die Gefahr eine echten Versorgungskrise  und die Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen wird auf diese Art nicht kleiner.

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