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Steuern

Entnahme von Wohnungen aus Betriebsvermögen meist steuerpflichtig

Bauernhaus
am Montag, 15.06.2020 - 15:55 (Jetzt kommentieren)

In einem landwirtschaftlichen Betrieb ändert sich im Laufe der Zeit die Nutzung mancher Gebäude. Vorsicht ist geboten, wenn ein zuvor fremdvermietetes Wohnhaus in eine Nutzung für eigene Wohnzwecke überführt wird.

Entnehmen Sie aus dem Betriebsvermögen eine Wohnung, die zuvor vermietet war und die Sie nun selbst nutzen möchten, müssen Sie für den entstehenden Gewinn Steuern zahlen. Nur bei Baudenkmälern ermöglicht das Einkommensteuergesetz eine steuerfreie Grundstücksentnahme.

Klage aus Schleswig-Holstein vom Bundesfinanzhof zurückgewiesen

In Schleswig-Holstein klagte eine Landwirtin gegen die Entscheidung des Finanzamts, das in ihrem Fall den Entnahmegewinn von 68.000 Euro als steuerpflichtig ansah.
Die Klägerin pachtete im Jahr 2002 den Betrieb ihres Vaters und zog 2006 in ein Wohnhaus des Hofs, das zuvor noch fremdvermietet war. Zwei Jahre später überließ der Vater der Klägerin den Betrieb unentgeltlich im Wege der vorgenommenen Erbfolge. Ihre Wohnung, die die Klägerin für eigene Wohnzwecke aus dem Betriebsvermögen entnommen hatte, behandelte sie als steuerfrei. Nachdem am Wohnhaus eine Außenprüfung vorgenommen wurde, änderte das Finanzamt für die Streitjahre 2007 und 2008 die Einkommensteuerbescheide.

Mit der Begründung, dass es sich bei dem Wohnhaus nicht um ein Baudenkmal handele, wies das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht die Klage der Landwirtin im April 2017 ab (2 K 26/17). Dagegen legte die Landwirtin Revision ein, die vom Bundesfinanzhof ebenfalls als unbegründet zurückgewiesen wurde (VI R 22/17).

Steuerbefreiung im Einkommensteuergesetz festgeschrieben

Missverständnisse können allerdings entstehen, da das Einkommensteuergesetz (§ 13 Abs. 4 Satz 6 Nr. 2) vorsieht, dass der Entnahmegewinn steuerlich unberücksichtigt bleibt, wenn eine vor dem 1. Januar 1987 zuvor fremdvermietete Wohnung für eigene Wohnzwecke entnommen wird. Im Falle der Landwirtin war diese Voraussetzung sogar erfüllt – die Wohnung war bereits vor 1987 fremdvermietet.

In der Urteilsbegründung weist der Bundesfinanzhof jedoch auf die Entstehungsgeschichte der Regelungen und auf den systematischen Zusammenhang hin. Aus diesen Faktoren würde sich ergeben, dass sich der Wortlaut im Einkommensteuergesetz nur auf Baudenkmäler beziehe.

Nur bis 1998 war steuerfreie Entnahme möglich

Bis 1986 wurden die Kosten für eine Wohnung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb als Betriebsausgaben behandelt, erläutert Ecovis Agrar. Der Mietwert wurde im Rahmen der Nutzungswertbesteuerung als Einnahme versteuert. Dann kehrte der Gesetzgeber jedoch von der Sichtweise ab, dass das Wohnen direkt auf dem Hof erforderlich ist.

Dies führte laut Ecovis Agar dazu, dass Landwirte bis Ende 1998 die Wohnungen durch eine steuerfreie Entnahme in Privatvermögen überführen mussten. Bei fremdvermieteten Wohnungen war eine steuerfreie Entnahme möglich, wenn die Landwirte diese vor dem 1. Januar 1999 selbst bezogen. Eine Nutzungswertbesteuerung kann seit 1999 nur noch für denkmalgeschützte Wohnungen vorgenommen werden.

Mit Material von Ecovis Agrar
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