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Produktion und Förderung

Ernte: Stillstand im Osten, im Westen und Süden geht's weiter

© Sven Brentrup/aboutpixel
von , am
03.08.2011

Berlin - Regen, Regen, Regen - er hat Landwirte quer durch Deutschland zur Ernteunterbrechung gezwungen. In vielen Regionen können die Mähdrescher ihre Arbeit jetzt aber wieder fortsetzen.

© Mühlhausen/landpixel
Die teils ergiebige Regenphase der vergangenen Tage und Wochen hat die Landwirte in vielen Regionen Deutschlands zu einer Unterbrechung der Erntearbeiten gezwungen. Im Osten Deutschlands und insbesondere im Nordosten herrschen derart nasse Bodenverhältnisse vor, dass die Flächen nicht befahrbar sind. Die Landwirte brauchen jetzt einige Tage trockenes Sonnenwetter, um das reife Getreide auf den Feldern ernten zu können.
 
Im Westen und Süden Deutschlands fahren dagegen seit gestern die Mähdrescher. Dies geht aus dem 2. Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, der auf einer Umfrage bei den Landesbauernverbänden über die tatsächlichen Erntemengen basiert.

Der 2. Erntebericht zeigt, wie die diesjährige Ernte in den einzelnen Regionen Deutschlands sehr differenziert voranschreitet und wie regional unterschiedlich die Erträge ausfallen.

Wintergerste: Ernte großteils abgeschlossen

Die Ernte der Wintergerste ist bis auf Restflächen abgeschlossen. Die erwarteten großen regionalen Unterschiede bei den erzielten Erträgen haben sich bestätigt. So liegen in den östlichen Bundesländern sowie im Südwesten die erzielten Erträge bis zu 50 Prozent unterhalb des Vorjahresergebnisses.
Im Süden sowie in der Mitte Deutschlands sind die Ertragsminderungen zwar weniger deutlich, bewegen sich aber immer noch in einer Größenordnung von zehn bis 15 Prozent.
 
Für die deutsche Wintergerstenernte ergibt sich ein Minderertrag von etwa 20 Prozent. Hinzu kommt, dass die Anbaufläche zur Ernte 2011 nach den Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung des Statistischen Bundesamtes nur noch 1,19 Millionen Hektar beträgt. Gegenüber der Anbaufläche des Vorjahres entspricht dies einem Rückgang von gut acht Prozent.
 
Auch die Qualität der geernteten Wintergerste ist sehr heterogen. Die Hektolitergewichte schwanken aufgrund eines teilweise hohen Schmachtkornanteils von weniger als 60 Kilogramm bis zu erfreulich hohen Eigengewichten von 70 Kilogramm. Die aktuellen Erzeugerpreise bewegen sich im Bereich von 170 bis 190 Euro pro Tonne.

Sommergerste: Teils deutliche Ertragseinbußen

Die Ernte der Sommergerste, die vor allem im Süden und Südosten Deutschlands angebaut wird, hat dagegen erst begonnen. Erste Druschergebnisse deuten auf teils deutliche Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent und erhöhte Eiweißgehalte hin. Die Eiweißgehalte sind unter anderem für die Verwendung als Braugerste von Bedeutung. Denn nur wenn die Proteingehalte mindestens 9,5 Prozent über maximal 11,5 Prozent betragen, wird Sommergerste als Braugerste akzeptiert.

Roggen: Mindererträge bis zu 50 Prozent

Auch die Roggenernte steht derzeit noch ziemlich am Anfang. In Brandenburg, dem Bundesland mit der größten Roggenanbaufläche, wurde bisher lediglich etwa ein Viertel der Flächen geerntet.
 
Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit wird auch beim Roggen mit Mindererträgen zu rechnen sein; stellenweise, an leichten Standorten Ostdeutschlands, können diese über 50 Prozent liegen. 

Winterweizen: Ernte hat gerade begonnen

Die Winterweizenernte ist in weiten Teilen Deutschlands angelaufen. Im Süden Deutschlands konnten bisher etwa 20 Prozent der Flächen gedroschen werden. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist die Ernte zu einem Drittel, regional bis zu zwei Dritteln, etwas weiter fortgeschritten. Im Norden Deutschlands hat die Ernte des Winterweizens erst begonnen, eine Ausnahme bildet hier Schleswig-Holstein. Naturgemäß reifen in den nördlichen Regionen die Bestände später ab, die intensiven Niederschläge in der zweiten Julihälfte haben dies weiter verzögert.
 
Eine fundierte Einschätzung der Erträge und Qualitäten anhand der wenigen Druschergebnisse ist noch nicht möglich. Im Schnitt können die Landwirte derzeit 180 bis 200 Euro pro Tonne Weizen erzielen.
 
Getreide: Probleme mit hohen Feuchtegehalten
 
Auffallend sind die hohen Feuchtegehalte der geernteten Getreidepartien, in denen sich die ungünstigen Witterungsverhältnisse für die Getreideernte niederschlagen. Sowohl Wintergerste als auch Winterweizen werden gebietsweise bereits mit einer Feuchte von 18 Prozent gedroschen. Zum Verkauf beziehungsweise zur Einlagerung ist jedoch eine Feuchte von 14,5 Prozent gefordert. Trotz der erhöhten Feuchte nutzen die Landwirte jedes mögliche Zeitfenster zum Drusch, um insbesondere bei den Brotgetreidearten die Qualität zu erhalten. Dadurch entstehen den Landwirten erhebliche Trocknungskosten.

Raps: Ertragsrückgänge und geringere Anbaufläche

Die derzeit unter schwierigen Bedingungen laufende Rapsernte ist im Gange. Die zu feuchten Witterungsverhältnisse im Juni und Juli haben zu Zwiewuchs sowie zu einem Nachblühen geführt, weswegen die Bestände nun ungleichmäßig abreifen. Zudem sind die Bestände vielfach stark verunkrautet. Diese Faktoren führen dazu, dass neben der erhöhten Feuchte des Erntegutes nur ein langsames Fortkommen bei der Ernte möglich ist. Dennoch konnten im Süden, im äußersten Westen sowie im Osten Deutschlands bereits erhebliche Flächenanteile gedroschen werden.
 
Im Norden Deutschlands ist die Ernte abgesehen von Niedersachsen dagegen weniger weit vorangeschritten. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, wo der Anbau von Raps eine hohe Bedeutung hat, ist ein Fortgang der Ernte aufgrund der nassen Bodenverhältnisse nicht möglich.
 
Wie zu erwarten war, zeichnen sich die Erträge durch erhebliche Einbußen von bestenfalls 15 Prozent in Nordrhein-Westfalen bis zu 30 Prozent im Osten Deutschlands aus. Neben den Ertragsrückgängen ist auch ein deutlicher Rückgang der Anbaufläche zu beobachten. Aufgrund der schlechten Aussaatbedingungen und des langen und harten Winters sind große Flächenanteile wegen einer mangelhaften Bestandsentwicklung umgebrochen worden. Aktuelle Erhebungen gehen von einer Anbaufläche von 1,31 Millionen Hektar aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Flächenrückgang von knapp zehn Prozent.
 
Das Erzeugerpreisniveau konnte trotz der reduzierten Ernteerwartungen den Höchststand vom Januar dieses Jahres nicht wieder erreichen und bewegt sich derzeit im Bereich von 420 bis 440 Euro pro Tonne.

Mais: Witterung wirkt sich günstig aus

Die Maisbestände profitieren in ihrer Entwicklung von der Witterung der letzten Wochen. Eine ausreichende Wasserversorgung in Kombination mit den erwarteten höheren Temperaturen der nächsten Tage bilden gute Entwicklungsbedingungen für Mais, aber auch für Zuckerrüben.

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Video: Ernteausblick in Ribbeck (4. Juli 2011)

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