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Produktion und Förderung

Ernteauftakt: Ertragseinbußen trotz Regen

von , am
05.07.2011

Ribbeck - Bei strahlendem Sonnenschein hat Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner heute offiziell den Ernteauftakt eingeläutet. Trotz des Regens in den vergangenen Tagen ist mit Ertragseinbußen zu rechnen.

Sowohl Getreidekulturen als auch die Rapsbestände haben vielerorts unter den schwierigen Vegetationsbedingungen gelitten, informierte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner. © DBV
An die 30 Pressevertreter waren heute auf dem 800 Hektar Betrieb in Ribbeck zu Gast, um beim offiziellen Ernteauftakt dabei zu sein. In vollem Gange ist die Ernte dort jedoch noch nicht: Vergangenes Wochenende fielen um die 60 Liter Regen pro Quadratmeter, Drescher hinterlassen ihre Abdrücke auf den Feldern und die Gerste ist teilweise noch nicht ganz abgereift.
 
"Wir müssen uns trotz der Niederschläge der letzten Wochen auf teils deutliche Ertragseinbußen einstellen", betonte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner heute in Brandenburg anlässlich des Ernteauftaktes. Zusammen mit dem Präsidenten des Landesbauernverbandes Brandenburg, Udo Folgart, informierte er "vor Ort" über die aktuelle Situation zu Beginn der Ernte 2011.

Schwierige Bedingungen bereits bei der Aussaat

Die Getreidekulturen wie die Rapsbestände haben unter den vielerorts schwierigen Vegetationsbedingungen gelitten. Bereits die Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst waren alles andere als optimal. Vor allem die Rapsaussaat wurde durch zu nasse Witterungsverhältnisse behindert und erfolgte dementsprechend spät. Die Bestände konnten sich folglich vor Beginn des Winters nur unzureichend entwickeln.
 
Der kalte Winter mit Kahlfrösten und Wechselfrösten im Frühjahr stellte die Bestände auf eine weitere harte Probe. Da somit viele Bestände weit hinter dem normalen Entwicklungsstand zurückblieben, wurden vor allem Rapsflächen umgebrochen. Allein in den norddeutschen Bundesländern, die zu den bedeutendsten Rapsanbauregionen Deutschlands gehören, wurden im Frühjahr bis zu 15 Prozent der Rapsflächen umgebrochen.
 
Das sich anschließende Frühjahr war gekennzeichnet durch eine extreme Trockenheit bei hochsommerlichen Temperaturen. "Derart extremen Bedingungen waren unsere Kulturen selbst in den Jahren 1976 und 2003 nicht ausgesetzt", stellte Gerd Sonnleitner mit Blick auf die zurückliegenden Jahre fest. "Diese Trockenheit wird uns viel Ertrag kosten", so Sonnleitner weiter.

Wintergerste: Minderersträge bis zu 25 Prozent

Erste aus den Frühdruschgebieten vorliegende Ergebnisse der Wintergerstenernte bestätigen dies; Mindererträge von bis zu 25 Prozent wurden festgestellt. Dies entspricht einem Verlust von bis zu zwei Tonnen Gerste pro Hektar. Selbst wenn einzelne Regionen von Gewitterschauern profitiert haben, werden Ertragseinbußen von zehn bis 15 Prozent gemeldet.
 
Hinzu kommt, dass die Gerstenbestände aufgrund der Trockenheit vielerorts in die Notreife, das heißt eine vorzeitige Abreife anstelle einer weiteren Kornfüllung, gingen und nun mit einer kleinkörnige Ernte zu rechnen ist.
 
Auch in den nördlichen Regionen, in denen der Erntebeginn noch bevorsteht, wird mit Ertragseinbußen bei der Wintergerste gerechnet. Auch hier war die Entwicklung der Gerstenbestände bei Einsetzen der Niederschläge schon zu weit vorangeschritten.

Winterweizen: Niederschläge zum Teil noch rechtzeitig

Lediglich der Winterweizen könnte durch die Niederschläge im Juni während der für die Ertragsbildung wichtigen Kornfüllungsphase an Ertrag zugelegt haben. Dies gilt umso mehr auf den besseren Standorten, da sich diese Böden durch eine bessere Wasserspeicherkapazität auszeichnen und die Bestände somit weniger unter der Trockenheit gelitten haben.
 
Allgemein ist jedoch zu beobachten, dass die Weizenbestände aufgrund von Wasser- und Nährstoffmangel weniger ährentragende Halme ausgebildet haben.
 
Raps: Einbußen bis zu 50 Prozent
 
Deutliche Ertragseinbußen werden auch bei Raps befürchtet. In einzelnen Regionen werden Ertragsrückgänge von bis zu 50 Prozent erwartet. Im Bundesdurchschnitt ist derzeit von Mindererträgen von 15 Prozent auszugehen.
 
Unter Berücksichtigung der durch schlechte Aussaatbedingungen und Umbruch im Frühjahr auf 1,36 Millionen Hektar zurückgegangenen Anbaufläche ist mit einer deutschen Rapsernte von nur 4,4 Millionen Tonnen zu rechnen. Im Vorjahr betrug die gesamtdeutsche Rapsernte noch 5,7 Millionen Tonnen.
 
Mais holt in der Entwicklung auf
 
Positiv ausgewirkt haben sich die jüngsten Niederschläge auf die Entwicklung von Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais. Insbesondere der Mais konnte durch die feucht-warme Witterung der vergangenen Wochen in seiner Entwicklung aufholen. Für die Futterbaubetriebe, deren Grundfutterversorgung aufgrund des ertragsschwachen ersten Grünlandschnittes und des geringen Aufwuchses zum zweiten Schnitt äußerst knapp ausfällt, ist eine positive Ertragsentwicklung beim Mais dringend notwendig.

Vermarktung: Schwierige Ausgangssituation

Mit Blick auf die anlaufende Getreideernte suchen Landwirtschaft, Handel und Verarbeiter die richtige Vermarktungs- bzw. Einkaufsstrategie. Die Ausgangssituation ist zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres vor allem aus Sicht der Abgeber schwierig, denn trotz stetig nach unten korrigierter Ernteprognosen für Deutschland und Europa stehen die Getreidepreise seit Wochen unter Druck. Baisse-Impulse kommen vor allem vom Weltmarkt, wo sich die Einschätzungen hinsichtlich der Versorgungssituation in den vergangenen Wochen stark gewandelt haben.
 
USDA und IGC korrigieren Prognosen nach oben
 
Ein Beispiel hierfür lieferte in dieser Woche das US-Landwirtschaftsministerium mit seiner Flächen- und Bestandsprognose für Mais. So veranschlagte das Ministerium nicht nur die US-Maisvorräte zum 1. Juni gut neun Millionen Tonnen höher als erwartet, sondern bewegte sich auch mit seiner Flächenschätzung deutlich über den Annahmen der meisten Marktteilnehmer. Zwar sind Zweifel angebracht, ob diese Schätzung die Realität treffend darstellt - immerhin erfolgte die Erhebung zu einem Zeitpunkt, als die Aussaat noch in vollem Gange war - der Wirkung auf die Märkte tat dies jedoch keinen Abbruch: die Getreidekurse sackten erneut kräftig ab. Mit seiner positiveren Einschätzung zum globalen Getreideangebot steht das USDA zudem nicht allein. Auch der Internationale Getreiderat (IGC) korrigierte seine Prognosen jüngst deutlich nach oben.
 
Mittelfristiger Preisanstieg wahrscheinlich
 
An diesen Einschätzungen dürften die Märkte noch eine Weile zu knabbern haben, so dass ein nachhaltiger Preisanstieg vorerst nicht in Sicht ist. Mittelfristig könnte sich dies jedoch wieder ändern - vor allem dann, wenn sich die optimistischen Prognosen doch nicht in vollem Umfang bewahrheiten. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die globalen Getreidemärkte in diesem Wirtschaftsjahr nach wie vor auf eine defizitäre Versorgungssituation hinsteuern.
 
Wir waren für Sie beim offiziellen Erntestart dabei. Ein Video davon sehen Sie morgen auf agrarheute.com.

Special zur Ernte 2011
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