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Produktion und Förderung

Erntefrisches Getreide füttern: warten oder verschneiden

von , am
28.07.2015

Wird das Futter knapp, greift man schneller zu frisch geerntetem Futtergetreide. Da das Korn aber auch nach der Ernte noch weiter schwitzt, kann dies zu Problemen führen. Was gibt es bei der Fütterung zu beachten?

In Spanien standen 2016 erneut mehr Schweine im Stall. Allerdings sinkt auch dort die Anzahl der Zuchtsauen. © Mühlhausen/landpixel
Viele Betriebe haben schon die Wintergerste geerntet, und Eigenmischer überlegen, ab wann sie frisch geerntetes Getreide frühestens an ihre Schweine verfüttern sollten. Wie die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen weiß, neigen Landwirte insbesondere bei Futterengpässen eher dazu, frisches Getreide einzusetzen. In der Beratung wird häufig ein Einsatz erst nach einer Lagerung von mindestens vier bis sechs Wochen empfohlen, da ansonsten
  • Verdauungsprobleme und
  • eine abnehmende Futterakzeptanz zu befürchten sind.
Bekannt ist, dass Getreide nach der Ernte noch einen gewissen Nachreifungsprozess durchläuft und einen hohen Besatz an Oberflächenkeimen aufweist. Innerhalb des Getreidekornes findet eine Umlagerung von Wasser statt, das Getreide "schwitzt". Stärke und Eiweiß durchlaufen einen "Alterungsprozess". Dadurch wird die Abbaubarkeit dieser Inhaltsstoffe verlangsamt, was sich günstig auf deren Verdauung im Tier auswirkt.

Futterhygiene ständig kontrollieren

In welchem Umfang tatsächlich die Futterakzeptanz abnimmt, darüber liegen nach Angaben der LWK Niedersachsen keine exakten Versuchsergebnisse vor. Es gebe auch keine eindeutigen Hinweise zur Mindestlagerdauer von frischerntigem Getreide, da genaue Untersuchungen an Tieren kaum vorhanden seien. Ein Mastschweineversuch aus den 70er Jahren mit frischerntiger Gerste führte nicht zu Problemen.
 
In einem neueren Versuch der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wurden frische, trocken geerntete Gerste- und Weizenpartien an Ferkel verfüttert. Gesundheitliche Probleme oder Leistungseinbußen wurden nicht festgestellt. Da aber die Gruppe mit ausschließlich Frischgetreide in den ersten drei Aufzuchtwochen Startschwierigkeiten hatte, wird eine Mischung mit reinem Frischgetreide direkt nach dem Absetzen nicht empfohlen.
 
Aus Sicherheitsgründen sollte der Anteil an erntefrischem Getreide (Gerste und Weizen) laut Versuchsansteller maximal 50 Prozent betragen (je jünger die Ferkel, umso weniger). Dies gelte unter der Voraussetzung, dass die Futterhygiene ständig kontrolliert wird.

Korrekte Trockelagerung oder Säurekonservierung

Die möglichen Risiken bei direkter Verfütterung sind nach Angaben der LWK Niedersachsen deutlich geringer bei:
  • ordnungsgemäßer Trockenlagerung: max. 14 Prozent Feuchte, Temperatur von max. 14 °C, Erntegut wird ausreichend belüftet und gereinigt; oder
  • Säurekonservierung: Stoffwechselaktivitäten von Bakterien und Pilzen auf dem Korn und im Mahlgut werden durch Säure sehr rasch inaktiviert, so dass eine unmittelbare Verfütterung ohne Probleme möglich wäre. 
Die vielfach in der Praxis festgestellten Verdauungsprobleme dürften zumeist auf unsachgemäßer Lagerung und Konservierung des Erntegutes beruhen, bei der beispielsweise in Folge einer Nacherwärmung (Schwitzprozess) mikrobielle Stoff­wechselaktivitäten in Gang gesetzt werden.
 
Wollen Landwirte mögliche Risiken ausschließen, sollten sie trocken gelagertes Getreide erst nach einigen Wochen verfüttern oder vorher mit einwandfreier alterntiger Ware verschneiden.
 
Säurekonserviertes Getreide könne laut LWK Niedersachsen bereits nach wenigen Tagen eingesetzt werden. Mögliche Beeinträchtigungen der Futterauf­nahme infolge der Säureausgasung seien nicht mehr zu befürchten.
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