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Produktion und Förderung

EU: Agrarfläche je Betrieb wächst jährlich

© landpixel
von , am
26.10.2013

Brüssel - Während die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben in der EU jährlich um knapp vier Prozent abnimmt, vergrößert sich die bewirtschaftete Agrarfläche pro Betrieb um diesen Wert.

Die Pachten sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. © Mühlhausen/landpixel
Zwischen 2005 und 2010 hat in der EU die Zahl der Agrarbetrieb jährlich um 3,7 Prozent abgenommen, wobei der Rückgang in den 15 "alten" Mitgliedstaaten mit minus 2,2 Prozent geringer ausfiel, als in den neuen Beitrittsländern (-4,7 Prozent). Die pro Betrieb bewirtschaftete Fläche hat sich in diesem Zeitraum pro Jahr um 3,8 Prozent vergrößert, auch hier ergeben sich deutliche Unterschiede: In den Ländern der EU-15 werden im Schnitt 23,6 Hektar bewirtschaftet, in der EU-12 (ohne Kroatien) sind es nur 7,1 Hektar. Dies geht aus einer gestern von der EU-Kommission veröffentlichten Erhebung ("Structure and dynamics of EU farms") hervor.
 

12 Millionen Agrarbetriebe in der EU

Dem Report zufolge sind 30 Prozent der Betriebsführer bereits über 65 Jahre alt, die Überalterung zeigt sich insbesondere bei kleineren Höfen. Die letzte Strukturerhebung der EU zu diesem Thema im Jahr 2010 weist rund 12 Millionen landwirtschaftliche Betriebe aus, die mehr als 172 Millionen. Hektar bewirtschaften; insgesamt waren in der Union etwa 25 Millionen Menschen in die agrarische Produktion eingebunden. Die Kommission weist in dem Report darauf hin, dass die Landwirtschaftsbetriebe der EU im Vergleich zu anderen wichtigen Agrarproduzenten vergleichsweise klein sind. So werden von Farmern in Brasilien im Schnitt 64 ha bewirtschaftet, in Chile 107 ha, in den USA 170 ha, in Kanada 315 ha, in Argentinien sogar 590 ha und in Australien mehr als 3.000 ha.
 

Im internationalen Vergleich EU-Betriebe verhältnismäßig klein

Im Gegensatz dazu dominieren in der EU vergleichsweise kleine Höfe: 69% der Betriebsleiter bewirtschaften 2010 weniger als 5 ha und kamen in Summe nur auf 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Union. Nur 2,7% der Betriebe betreuten mehr als 100 ha, zusammen verfügte diese Gruppe aber über 50% der Agrarfläche. Noch extremer sind die Unterschiede in manchen osteuropäischen Ländern (Ungarn, Bulgarien usw.) wo 80% der kleinen Betriebe zusammen weniger als 10% der Nutzfläche bearbeiten, während 65% der Gesamtfläche auf 1,5% der Agrarbetriebe entfallen.
 

Durchschnittliche Leistung stetig gesteigert

Die durchschnittliche Produktionsleistung je Betrieb konnte zwischen 2005 und 2010 im Mittel um 5,2% pro Jahr gesteigert werden. Die neuen EU-Länder hatten diesbezüglich einen größeren Aufholbedarf und kamen auf einen Wert von +6,9%, wogegen sich der jährliche Zuwachs in den Ländern der EU-15 im Schnitt auf 3,5% belief. Aufgrund der genannten Strukturunterschiede kommt es auch nicht überraschend, dass große Betriebe mit mehr als 100 ha zwar nur einen Anteil von 2,7% aufweisen, aber dennoch mehr als 30% der agrarischen Produktionsleistung der EU repräsentieren.
 

Überalterung nach wie vor ein Problem

Das Problem der Überalterung kommt in dieser Studie ebenfalls zum Ausdruck: 30% der Betriebsführer sind bereits älter als 65 Jahre. Während die größten Betriebe von Landwirten im mittleren Alter geleitet werden, nimmt das Durchschnittsalter auf kleineren Höfen tendenziell zu. Der typische landwirtschaftliche Betrieb wird in der EU immer noch von einem Mann geleitet, nur in der Altersgruppe "65 und älter" scheinen Frauen zu 30% als Betriebsführer auf. Insgesamt wird der EU-Agrarsektor nach wie vor von Familienbetrieben (Anteil 97%) geprägt, die restlichen 3% entfallen auf juristische Personen oder Firmen als Bewirtschafter.
 

"Umweltfreundliche Bewirtschaftung "keine Frage der Größe"

Aus dem Kommissions-Report geht weiters hervor, dass der mittlere Biobetrieb in der Union bereits größer ist als der Durchschnitt aller Betriebe. Biologisch wirtschaftende Landwirte sind in den kleineren Hektarklassen weniger stark vertreten als in der Kategorie "20 bis 100 ha". Im Jahr 2010 wiesen die Biobetriebe einen Anteil von 1,6% auf, sie bewirtschafteten 3,75% der EU-Agrarfläche.
 
Abschließend kommt die Kommission zu der Erkenntnis, dass die umweltfreundliche Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebes "keine Frage der Größe ist": Maßnahmen im Sinne der Biodiversität, wie etwa die Anlage von Hecken, Windschutzgürteln usw., fand man bei der Erhebung 2010 überproportional in kleineren Betrieben (unter 5 ha), aber zunehmend auch in solchen über 50 ha. Am geringsten sei der Anteil der "ökofreundlichen" Betriebe in der Kategorie "20 bis 30 ha", so das Ergebnis der Studie.
 
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