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Steuer und Finanzen

EU: Mehr Geld für die meisten Veredlungsproduzenten

von , am
16.07.2013

Brüssel - Die tierhaltenden Betriebe in der Europäischen Union haben in der ersten Jahreshälfte 2013 ihre Erzeugnisse teurer verkaufen können; Ausnahme waren nur die Produzenten von Lämmern und Eiern.

© Dieter Poschmann/pixelio
Wie aus aktuellen Daten der EU-Kommission hervorgeht, sind die Erzeugerpreise stellenweise auf Rekordhöhen geklettert, allerdings fiel der Anstieg moderater als im Vorjahr aus. Mit einem Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 verzeichnete der Markt für Schlachtfärsen den bisher stärksten Preisanstieg.
 
Die Käufer waren bereit, für Tiere der Handelsklasse R3 im EU-Durchschnitt 415,44 Euro je 100 Kilogramm Schlachtgewicht (SG) zu bezahlen; das waren gut 32 Euro je 100 Kilogramm mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bullen- und Kuhpreise erklimmen neue Rekordhöhen

Das begrenzte Schlachtkuhangebot war ebenfalls gut abzusetzen; Tiere der Handelsklasse O3 wurden im Schnitt mit 322,01 Euro je KIlogramm  abgerechnet und erlösten damit 5,7 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2012. Niemals zuvor mussten die EU-Schlachtbetriebe in den ersten sechs Monaten die Tiere so teuer einkaufen. Auch in Deutschland erklomm der Schlachtkuhpreis mit 331,50 Euro je 100 Kilogramm Kaltgewicht ein neues Rekordniveau; die Altkuhvermarkter konnten sich über ein Notierungsplus von 8,30 Euro oder 2,6 Prozent freuen.
 
Nicht ganz so stark ging es mit dem Wert der Jungbullen nach oben, da sich deren edle Teilstücke in Zeiten der Schuldenkrise vor allem in Südeuropa nur schwer verkaufen lassen. Im Durchschnitt der Gemeinschaft reichte es dennoch zu einem Anstieg der Jungbullennotierung um 2,2 Prozent auf 387,72 Euro je 100 Kilogramm; die deutschen Erzeuger erlösten mit 395 Euro ebenfalls gut zwei Prozent mehr als in der Vergleichsperiode 2012. Ein Faktor für den Preisauftrieb auf EU-Ebene dürfte die kleinere Rindfleischerzeugung sein; Kommissionsangaben zufolge wurde von Januar bis März 2013 rund fünf Prozent weniger Rindfleisch als im Vorjahresquartal in der EU produziert.

Deutscher Schweinepreis unter EU-Niveau

In den Genuss höherer Auszahlungspreise gelangten nach Angaben der EU-Kommission auch die EU-Schweinemäster, deren Tiere in der Handelsklasse E mit durchschnittlich 170,23 Euro je 100 Kilogramm im ersten Halbjahr 2013 rund 9,40 Euro oder 5,8 Prozent mehr erzielten als im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings mussten die Erzeuger für die Ferkel im Schnitt 49,15 Euro oder 0,6 Prozent mehr aufwenden. Noch stärker fiel auf der Kostenseite der Anstieg der Futterkosten ins Gewicht, die den Brüsseler Statistikern zufolge gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 um 16,4 Prozent auf 32,71 Euro je Dezitonne zulegten.
 
Im EU-Vergleich erfreuten sich die spanischen Schweinemäster mit einem Plus von mehr als 14 Prozent auf fast 188 Euro je 100 Kilogramm eines besonders kräftigen Preisaufschlages gegenüber dem ersten Halbjahr 2012; im Vereinigten Königreich und Irland waren es begünstigt durch Wechselkurseinflüsse ebenfalls mehr als 10 Prozent. Die Schlachtbetriebe in Frankreich, Italien und Dänemark zahlten laut EU-Kommission zwischen 4,3 Prozent und 6,1 Prozent mehr für die angelieferten Schlachtschweine. In Österreich, den Niederlanden und Deutschland fiel der Preiszuwachs dagegen mit jeweils rund 2,6 Prozent nicht einmal halb so groß wie im EU-Durchschnitt aus.
Die deutschen Mäster erlösten dabei im Schnitt zwar 4,53 Euro je 100 Kilogramm mehr als im ersten Halbjahr 2012, doch blieb der Auszahlungspreis von 169,59 Euro je 100 Kilogramm knapp unter dem Mittel der Schlachthöfe in anderen EU-Ländern. Das meiste Geld strichen mit Preisen jenseits der 200-Euro-Marke übrigens die Erzeuger in Zypern und Malta ein.
 

Hähnchen werden teurer

Eine ähnliche Situation wie am Schweinemarkt war laut EU-Kommission im ersten Halbjahr 2013 bei Masthähnchen zu beobachten. Zwar bewegten sich die Erzeugerpreise über dem Vorjahresniveau, doch ließ der deutliche Anstieg der Futterkosten die Margen nur unterdurchschnittlich ausfallen. Den Brüsseler Statistikern zufolge kostete eine typische Futterration für Masthähnchen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 39,84 Euro je Dezitonne; damit mussten rund fünf Euro je Dezitonne oder gut 14 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2012 aufgewendet werden.
 
Auf der Erlösseite legten die Fleischpreise bei Abgabe an den Großhandel im Mittel der EU-Staaten dagegen nur um 4,2 Prozent auf 195,21 Euro je 100 Kilogramm zu. Für Deutschland wird in der EU-Statistik ein schwächerer Preisanstieg von 2,5 Prozent ausgewiesen; durchschnittlich soll das Hähnchenfleisch hierzulande jedoch mit 258,12 Euro je 100 Kilogramm deutlich mehr als im Gemeinschaftsmittel erlöst haben.

Eier und Lämmerpreise unter Druck

Für Geflügelhalter mit Legehennen präsentierte sich im bisherigen Jahresverlauf die Marktsituation spürbar schlechter als 2012. Am Eiermarkt der Europäischen Union kam es im ersten Halbjahr 2013 zu einem regelrechten Preiseinbruch um fast 20 Prozent auf durchschnittlich 132,56 Euro je 100 Kilogramm. Davon blieben auch die deutschen Konsumeier nicht verschont, deren Handelswert um 22 Prozent auf 127,51 Euro je 100 Kilogramm sank. Noch stärker abwärts ging es mit den Notierungen in Spanien und Frankreich, die gegenüber dem Vorjahresniveau fast 40 Prozent einbüßten und im Juni sogar unter der Marke von 90 Euro je 100 Kilogramm blieben.
 
Die Preiskorrektur am europäischen Eiermarkt war ohne Zweifel heftig, allerdings waren 2012 bei sehr knappem Angebot in der Umstellungsphase nach dem Verbot der klassischen Käfighaltung auch Rekordpreise gezahlt worden. Nun hat sich bei wieder steigendem Angebot das Notierungsniveau normalisiert und liegt laut EU-Kommission wieder auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre. Sinkende Erzeugerpreise mussten ansonsten bei den Tierhaltern im ersten Halbjahr 2013 nur die Lämmerproduzenten verkraften, deren Preise gegenüber dem Vorjahr im EU-Mittel um 5,2 Prozent auf 490,33 Euro je 100 KIlogramm nachgaben.

Steigerungspotential für Milchpreis

Besser bezahlt wurde von den Molkereien in den EU-Mitgliedstaaten die Milch; in den ersten vier Monaten 2013 fiel das Milchgeld der Erzeuger mit 34,21 Euro je Kilogramm um 1,5 Cent je Kilogramm oder 4,6 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum aus. Noch einen Tick freundlicher entwickelte sich laut Daten der EU-Kommission die Situation in Deutschland, wo die Molkereien ihre Auszahlungsleistung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Cent je Kilogramm oder 5,2 Prozent auf durchschnittlich 34,67 Cent  je Kilogramm steigerten.
 
Für die Folgemonate ist hierzulande, wie in der gesamten EU, damit zu rechnen, dass der Preisvorsprung gegenüber dem Vorjahr weiter anwachsen wird. Jüngste Daten des Niederländischen Bauernverbandes (LTO) zeigen, dass führende europäische Molkereien im Mai den Milchpreis spürbar angehoben haben und der Auszahlungsvorsprung zum Vorjahresmonat im Schnitt auf mehr als 12 Prozent gewachsen ist. Auch deutsche Molkereien und Marktexperten gingen zuletzt davon aus, dass die Milcherzeugerpreise 2013 aufgrund der günstigen internationalen Marktlage im Jahresschnitt durchaus um 10 Prozent über dem Niveau von 2012 liegen können.
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