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Produktion und Förderung

EU-Pflanzenschutzmittel: Wissenschaftler warnen vor Verbot

von , am
28.10.2014

Aberdeen - Wissenschaftler des schottischen James Hutton Forschungsinstitutes zweifeln am Nutzen des EU-Verbots für eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln. Bis zu 40 Substanzen stehen auf der schwarzen Liste.

Auf der Substitutionsliste der EU sind 77 Wirkstoffe zu finden. © agrar-press
Wissenschaftler des James Hutton Forschungsinstitutes zweifeln am Nutzen des von der EU verfolgten Ziels, eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln verbieten zu wollen. Bis zu 40 Substanzen stehen auf der schwarzen Liste, warnten die britischen Verbände National Farmers Union, Crop Protection Association  und Agricultural Industries Confederation in einem Bericht.
 
Dem Bericht zufolge würde eine derartige Einschränkung zu einem allgemeinen Rückgang des landwirtschaftlichen Einkommens um 2,16 Milliarden Euro führen. Außerdem müsste man mit Ertragsverlusten bei einigen Kulturen von bis zu 50 Prozent und zu einer Gefährdung der Produktion rechnen. Davon betroffen würden  Erbsen, Karotten und Äpfeln sein.
 
Strengere Regeln für Pestizidproduktion
 
"Das geplante Verbot der EU basiert auf Gefahr und nicht auf Risiko", interpretiert Ian Toth, Forschungsleiter für Pflanzenschutz und Unkrautregulierung am James Hutton Institute. Das Europäische Parlament verabschiedete 2009 strengere Regeln für Pestizidproduktion, -zulassung und -einsatz. Verboten würden Pflanzenschutzmittel, die  in hoher Konzentration als gesundheitsgefährdend eingestuft sind. Das gilt auch, wenn sie in der Praxis viel stärker verdünnt angewendet werden.
 
"Wie viele Medikamente würden verloren gehen, wenn im Gesundheitsbereich ähnliche Kriterien zur Anwendung kämen, und würden die Leute hier ein solches Verbot akzeptieren?", fragt der Wissenschaftler."Wir alle leben mit einer täglichen Basis an Risiko."

Mehr Nahrungsmittelimporte notwendig

Nach Toth's Angaben müssten die geringeren Erträge mit zusätzlich importierten Nahrungsmitteln aus Ländern außerhalb der EU kompensiert werden. In diesen Ländern kämen jedoch gerade derartige chemische Substanzen zum Einsatz, die in der Union zum Minderertrag geführt haben, sagt der Forschungsleiter.
 
"Der Verlust von Wirkstoffen steigert das Risiko für Resistenzen bei Krankheiten und Schädlingen", zeigt David Cooke, Wissenschaftler am James Hutton Institute. Laut seiner Aussage nutzen die Landwirte Pestizide, weil es notwendig ist. "Verbietet man einige Produkte, werden an ihrer Stelle andere verwendet werden und folglich die gleiche Menge eines begrenzten Spektrums von Mitteln ausgebracht", sagt der Wissenschaftler.

Pestizide können nicht kurzfristig ersetzt werden

Toth glaubt nicht daran, die Pestizide, die die EU verbieten möchte, in dem kurzen Zeitraum ersetzen zu können. Die als bedenklich eingestuften Substanzen sollen schrittweise bis zum Jahre 2018 verboten werden - jeweils nach Ablauf der Zulassung.
 
"Der verringerte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein wichtiger Ansatz, der aber erst mit praktikablen Alternativen umgesetzt werden kann. Davor dürfen wir die Mittel, die seit Jahrzehnten für die Lebensmittelproduktion wichtig waren, nicht beseitigen", ist der Wissenschaftler überzeugt. 
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