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Produktion und Förderung

EU-Studie belegt Wert der Genossenschaften

von , am
04.04.2013

Brüssel - Der Bedeutung landwirtschaftlicher Genossenschaften sollte in der künftigen EU-Agrarpolitik Rechnung getragen werden. Das betonen die EU-Ausschüsse der Verbände COPA und COGECA.

Die Freude über die großen Erntemengen wurde 2014 schnell durch fallende Erzeugerpreise getrübt. Dies bescherte auch den Genossenschaften ein leichtes Umsatzminus. © Mühlhausen/landpixel
Anlaß dafür war die Präsentation einer neuen EU-Studie. In der Untersuchung, die für die Europäische Kommission angefertigt wurde, kommen Forscher unter anderem der Universität Wageningen sowie der Humboldt-Universität Berlin zum Schluss, dass Genossenschaften von zahlreichen Maßnahmen profitieren könnten.
 
Sie nennen als Beispiele ein flexibles Genossenschaftsrecht, die einheitliche Besteuerung sowie klar definierte Wettbewerbsregeln. Sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene sollten der Aufbau von Kapazitäten sowie technische und organisatorische Hilfe unterstützt werden, besonders für kleine und gerade erst an den Start gegangene Kooperativen. Das gilt nach Ansicht der Forscher besonders für die neuen EU-Mitgliedstaaten; dort werde die Selbstorganisation durch die Abwesenheit von Sozial- und Humankapital behindert.

Forderung: EU-Recht müsse angepasst werden

Die Verbindungen zur ländlichen Entwicklung seien vielfältig: Genossenschaften schafften Arbeitsplätze und trügen zur regionalen Wirtschaft bei. Eine ganze Reihe von Organisationen gründeten ihre Strategien auf regionalen Eigenschaften wie der Entwicklung und Vermarktung regionaler Spezialitäten.
 
Die Wissenschaftler berichten aber auch von Unsicherheiten im Wettbewerbsrecht. Genossenschaftsmitglieder kritisierten eine Diskrepanz innerhalb verschiedener EU-Politikbereiche: Einerseits werde die Bündelung im Rahmen der einheitlichen Gemeinsamen Marktordnung gefördert, andererseits scheine das Wettbewerbsrecht den Informationsaustausch und andere Formen der Zusammenarbeit zu verbieten. Einige andere Industriestaaten wie die USA hätten dafür Ausnahmen vom Wettbewerbsrecht vorgesehen, wenn auch unter strengen Auflagen.

Genossenschaften verhelfen zu höheren Absatzpreisen und mehr Marktstabilität

COPA und COGECA werten die Untersuchung als Bestätigung, dass Genossenschaften die Marktpositionierung landwirtschaftlicher Betriebe stärken und damit eine zentrale Rolle für ihre Wertschöpfung spielen. Ein hoher regionaler Marktanteil von Genossenschaften verhelfe den Landwirten zu höheren Absatzpreisen und mehr Marktstabilität.
 
Die Zusammenschlüsse seien im Milchbereich sowie für den Gartenbau besonders wichtig, wobei sich die Marketingstrategien unterschieden. Im Milch- und Weinsektor finde man beispielsweise mehr Markenprodukte als in der Obst- und Gemüseproduktion beziehungsweise in der Olivenölherstellung.

Ausweitung der Produktliste für Erzeugerorganisation wird begrüßt

COPA/COGECA-Generalsekretär Pekka Pesonen betonte in Brüssel, die Kommissionsberichte verdeutlichten den Nutzen landwirtschaftlicher Genossenschaften und die Vorteile für zusammengeschlossene Landwirte. Diese Erkenntnisse müssten sich in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik widerspiegeln. "Das Potential landwirtschaftlicher Genossenschaften muss voll ausgeschöpft werden", so der Finne. Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete er Pläne, die Produktliste für die Anerkennung von Erzeugerorganisationen auszuweiten.
 
Genossenschaften müssten im Rahmen der ländlichen Entwicklung vorrangig finanziert werden, um zu gewährleisten, dass Europa auch in Zukunft über eine widerstandsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft verfüge.
 
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