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Eurokrise und die Folgen

Warum ist der Euro so extrem schwach? Drei Gründe und die Folgen

Euro brennt.
am Dienstag, 06.09.2022 - 12:03 (2 Kommentare)

Der Euro ist auf ein 20-Jahres-Tief abgestürzt. Und er könnte weiter fallen. Die Folgen für die Wirtschaft, Landwirte und Verbraucher sind fatal. Dafür gibt es handfeste Gründe.

Der Euro fiel am Montag auf ein 20-Jahres-Tief. Auslöser war Russlands Stopp der Gaslieferungen nach Europa. Das verstärkte die Sorgen und Ängste über eine Verschärfung der Energiekrise. Analysten sagen, dass der Euro in den letzten Monaten zunehmend mit den Erdgaspreisen korrelierte. Dabei geriet die europäische Währung bei steigenden Erdgaspreisen massiv unter Druck.

Die Europäer bemühen sich, vor den Wintermonaten Gas-Reserven aufzubauen, aber Ökonomen gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft dennoch enorm sein werden. Der Euro rutschte am Montag zeitweise bis auf 0,9876 USD. Das war das niedrigste Niveau seit 2002, bevor sich die Gemeinschaftswährung dann wieder etwas erholte.

„Die Gasflüsse wurden noch stärker als erwartet eingeschränkt, und wir haben Anzeichen dafür gesehen, dass die Nachfrage weiter sinkt und die wirtschaftliche Dynamik belastet“, sagte Michael Cahill, Stratege bei Goldman Sachs gegenüber Reuters. „Wir gehen jetzt davon aus, dass der Euro weiter unter die Parität fallen wird und in den nächsten sechs Monaten auf diesem Niveau bleiben wird“, fügte er hinzu.

In dieser Woche findet am Donnerstag auch eine Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. Die Märkte erwarten überwiegend eine Zinserhöhung von 75 Basispunkten. Dennoch ist nicht sicher, ob sich der Euro dann stabilisieren kann – oder ob es dafür schon zu spät ist.

Drei Gründe für die anhaltende Euroschwäche

Im Sommer 2021 kostete ein Euro noch 1,20 Dollar. Anfang September 2022 war die europäische Währung nur 0,99 Dollar wert. Das ist der niedrigste Wechselkurs seit 20 Jahren.

Zwar hilft ein schwacher Euro europäischen Unternehmen und Agrarexporteuren, ihre Produkte am Weltmarkt zu verkaufen. Doch der schwache Euro hat auch gravierende Nachteile in der aktuellen Wirtschaftslage. Denn er verteuert die bereits sehr teuren Energie- und Rohstoffimporte und beschleunigt damit die Inflation.

Ökonomen und Volkswirte sehen drei Hauptgründe für die extreme Schwäche des Euro: Erstens leiden die Volkswirtschaften des Euroraums stärker unter dem Krieg in der Ukraine als etwa USA. Dies liegt auch daran, dass Europa deutlich engere wirtschaftliche Beziehungen zu Russland hatte und die Sanktionen es sehr viel stärker treffen.

Die Europäer leiden außerdem auch sehr viel stärker unter den hohen Preisen für fossile Brennstoffe und Gas als etwa die USA oder Kanada. Der Grund: Die EU ist selbst kein bedeutender Produzent fossiler Brennstoffe.

Zweitens hat die US-Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr sehr viel stärker und schneller erhöht als die EZB, was zu einem kräftigen Anstieg der Zinsen in den USA geführt hat. Infolgedessen fließt in immer größerem Umfang Kapital in die USA, um von diesen höheren Zinssätzen zu profitieren. Dagegen verlieren die Europäer diese Anlagen, was den Euro schwächt. Die Folge ist nach Einschätzung von Ökonomen eine höhere Dollarnachfrage und eine Dollaraufwertung – und gleichzeitig eine Euroabwertung.

Drittens suchen globale Anleger in unsicheren Zeiten nach einem „sicheren Hafen“ für ihre Investitionen. Das scheint vor allem der US-Dollar als wichtigste globale Währung zu sein – der Euro nicht. Die Folge ist, dass der Euro auch deshalb gegenüber dem Dollar immer weiter an Wert verliert.

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