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Eurokrise und die Folgen

Euro stürzt gnadenlos ab: Eurocrash & Folgen für die Bauern

Euro brennt.
am Donnerstag, 07.07.2022 - 14:25 (3 Kommentare)

Der Euro stürzt immer weiter ab. Die Folgen für Wirtschaft und Landwirte sind enorm. Die rekordhohe Teuerung wird weiter angeheizt. Ökonomen erwarten jedoch einen weiteren Euroverfall und eine Rezession.

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Was ist der Grund für die Euroschwäche und was sind die Folgen für die Wirtschaft und für die Landwirte? – außer teuren Importen und günstigeren Exporten. Die Rezessionsängte in der Eurozone werden vor allem wegen der Energiekrise in Europa erheblich verschärft, was bereits zu einer starken Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Juni führte. Am Montag meldete (Exportweltmeister) Deutschland zudem erstmals seit 14 Jahren ein Aussen-Handelsdefizit. Daraufhin fiel der Euro gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2002.

Ganz offensichtlich gilt der Dollar weiterhin als sicherer Hafen in Zeiten akuter wirtschaftlicher Unsicherheit. „Die Parität ist in Reichweite, und man kann davon ausgehen, dass der Markt sie jetzt sehen will“, sagte Moritz Paysen, von der Berenberg-Bank gegenüber Reuters. Der Euro war am Mittwoch mit 1,016 auf ein 20-Jahres-Tief gestürzt. Immer mehr Analysten erwarten jedoch, dass die bisherigen Tiefststände von 0,95 USD auch noch erreicht werden, weil Europa und die USA in eine Rezession schlittern, während die Zentralbanken weiter die Zinsen anheben.

Der Euro wird angesichts der starken Abhängigkeit Deutschlands, Italiens und anderer europäischer Länder von russischem Gas als besonders anfällig angesehen. Außerdem wird befürchtet, dass beträchtliche Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank eine weitere Schuldenkrise in der Eurozone auslösen könnten. „All dies bedeutet, dass der Euro weiter fallen wird und die Märkte das auch erwarten“, sagte der Bank-Analyst Jordan Rochester gegenüber Reuters.

Der Euro hat allein in diesem Jahr gegenüber dem Dollar 10 Prozent an Wert verloren. Auch gegenüber dem Schweizer Franken ist die europäische Währung auf ein Siebenjahrestief gefallen und sogar gegenüber dem britischen Pfund Sterling und dem japanischen Yen ging es deutlich nach unten. Einige Analysten haben ihr Euro-Dollar-Ziel deshalb auf 0,95 USD gesenkt und sagen, dass die Parität bereits im August erreicht werden könnte.

Rezession, Staatsverschuldung und Euro-Krise

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Steigende Gaspreise und Befürchtungen vor einer weiteren Kürzung der russischen Gaslieferungen (schon im Juli) heizen die Ängste vor einer großen europäischen Energiekrise in diesem Winter weiter an. Die Erdgaspreise haben sich seit den letzten Preistiefs im Juni mehr verdoppelt und steigen fast jeden Tag weiter. Zwar wurde die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl verringert - doch der Preis dafür sind steil ansteigenden Energiepreise.

Die Länder der Eurozone importierten etwa 40 % ihres Energiebedarfs aus Russland, bevor der Krieg in der Ukraine ausbrach. Hinzu kommt jetzt, dass die norwegischen Ölarbeiter in einen Streik getreten sind, was die Versorgungskrise noch verschärft. Ökonomen erwarten deshalb, dass die Eurozone deutlich schneller in eine Rezession abrutscht als etwa die USA oder andere Länder.

Die Kreditkosten der europäischen Regierungen (Staatsanleihen) sind in den letzten Wochen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten erheblich schneller gestiegen, was auf eine rasche Verschärfung der Finanzierungsbedingungen hindeutet. Bedenken darüber, wie die Europäische Zentralbank mit den Gefahren einer neuen Euro-Krise aufgrund der rasch wachsenden Schuldenlast einiger Euro-Länder umgeht, drücken den Eurokurs kräftig.

Der Chef der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, hatte am Montag wegen der EZB-Pläne zum Schutz hoch verschuldeter Länder, erhebliche Kritik geäußert. „Rezessionsrisiken und die Verlangsamung des europäischen Wachstums, die wir derzeit beobachten, treiben die Euroschwäche immer weiter voran“, sagte Grace Peters, von der Großbank JPMorgan gegenüber Reuters.

Der Absturz des Euro ist ein weiteres großes Problem für die Europäische Zentralbank (EZB), die bereits mit einer rekordhohen Inflation zu kämpfen hat, weil eine schwache Währung die Importpreise nach oben treibt - und damit auch die Teuerung. Es wird allgemein erwartet, dass die EZB in diesem Monat mit einer Zinserhöhung beginnen wird, der ersten seit 2011.

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