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Produktion und Förderung

Europäische Union: Neue Weizenernte kleiner als 2011

von , am
02.04.2012

Der extreme Kälteeinbruch im Februar und die Trockenheit in Teilen Europas drücken die Ernteprognosen für die Europäische Union nach unten.

An der Matif war die Tonne Weizen nur noch 146,75 Euro je Tonne wert. © Mühlhausen/landpixel
Zum Monatswechsel hat der Verband der europäischen Getreidehändler Coceral seine erste Prognose für die Ernte 2012 veröffentlicht. Mit 126,76 Millionen Tonnen (Mio. t) liegt die Schätzung von Coceral bei Weichweizen rund 2,7 Mio. t. Damit bleibt die Ernte 2,1 Prozent unter der Menge des Vorjahres.
 
Offensichtlich schätzt man die Auswirkungen der Auswinterung in Frankreich und Deutschland größer ein als die EU-Kommission (133 Mio. t) oder das Analystenhaus Strategie Grains (131,1 Mio. t). Diese waren mit ihren letzten Prognosen für 2012 noch über der Erntemenge des Vorjahres (129,6 Mio. t) geblieben. Lediglich die Analysten von Offre Demande Agricole (ODA) hatten die europäische Weizenernte unter Bezug auf die Auswinterungsschäden in Frankreich, Deutschland und Polen nur noch auf 127 bis 128 Mio. t veranschlagt.

Auswinterungsschäden verringern deutsche Weizenernte

Für Deutschland rechnet Coceral für 2012 mit einer Weizenernte von 22,4 Mio. t. Gegenüber dem Vorjahr wäre dies ein Rückgang von 340.000 t bzw. 1,5 Prozent. Zudem bleibt man damit unter der Schätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) von Anfang März. Die DRV-Experten hatten noch mit einer Erntemenge von 24,2 Mio. t gerechnet.
 
Bereits in der letzten Woche hatten die Analysten von ODA jedoch darauf hingewiesen, dass die Auswinterungsschäden in Frankreich und Deutschland größer sind als bisher gedacht. Frankreichs Weizenernte soll nach Einschätzung von Coceral nur noch 34,08 Mio. t erreichen, nach den ebenfalls schwachen 33,97 Mio. t im letzten Jahr. Voraussetzung ist jedoch, dass es bald regnet, denn sowohl im Norden als auch am Mittelmeer bestehen erhebliche Niederschlagsdefizite. Eine deutliche Ausweitung sieht Coceral in Frankreich hingegen beim Anbau von Sommersgerste. Hier soll die Produktion auf Basis der umgebrochenen Winterweizenbestände um 54 Prozent auf 790.000 t zunehmen. Entsprechend reichlich wäre im kommenden Jahr auch das Angebot an Braugerste, vorausgesetzt die Trockenheit lässt eine ausreichende Stickstoffdüngung zu.

Produktionseinbruch in Spanien

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Besonders drastisch hat Coceral mit 29 Prozent die Weizenernte Spaniens gekürzt. Das seit November von einer Trockenheit geplagte Land auf der iberischen Halbinsel dürfte damit nur noch 4,2 Mio. t Weizen ernten (knapp sechs Mio. t 2011). Die gesamte Getreideernte in Spanien fällt immerhin um etwa ein Viertel kleiner aus und erreicht nur noch 16,9 Mio. t nach knapp 21 Mio. t im Vorjahr. Damit dürfte der spanische Importbedarf zur Versorgung der Tierbestände und auch zur Absicherung der Nahrungsmittelproduktion im Vergleich zu 2011 deutlich steigen.
 
Für das Vereinigte Königreich schätzte man die Weizenernte 2012 auf 15,6 Mio. t nach rund 15,3 Mio. t im letzten Jahr. Damit würde die Vorjahresernte leicht übertroffen. Auf der Insel könnte die Trockenheit im Süden Englands jedoch ebenfalls noch zu Produktionskorrekturen führen. Bei unseren polnischen Nachbarn soll die Weizenernte 2012 immerhin um 1,5 Prozent auf 9,1 Mio. t zurückgehen.

Deutlich mehr Gerste als im Vorjahr

Die Produktion von Gerste im Jahr 2012 nimmt ziemlich deutlich um sieben Prozent auf 44,7 Mio. t zu. Im Jahr 2011 ernteten die Europäer wegen der widrigen Witterungsbedingungen und niedriger Erträge lediglich 41,7 Mio. t Gerste. Auch die Ausweitung des Sommergerstenanbaus trägt zu diesem Wachstum bei. Beim Mais rechnet Coceral, trotz der Auswinterungsschäden beim Weizen und dem zusätzlichen Anbau von Sommergetreide, mit einem Rückgang der Produktion. Mit 62,1 Mio. t bleibt die erwartete Erntemenge (wegen der niedrigeren Erträge) rund vier Prozent unter der Maisernte von 65,2 Mio. t im Jahr 2011.
 
Dagegen wird Bei Roggen geht Coceral von einem Produktionswachstum von etwa elf Prozent auf 7,7 Mio. t aus. Insgesamt schätzte Coceral die europäische Getreideernte 2012 auf 280,82 Mio. t im Vergleich zu 283,29 Mio. t im Jahr 2011. Damit dürfte das Getreideangebot im kommenden Jahr nicht nur kleiner ausfallen als bislang erwartet wurde sondern sogar noch unter der ohnehin kleinen Erntemenge von 2011 liegen.
 
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