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Milchindustrie

FrieslandCampina: Trotz Gewinnplus kein Vorschuss für die Milchbauern

Milchkühe im Stall
am Donnerstag, 21.07.2022 - 10:28 (Jetzt kommentieren)

Die Molkereigenossenchaft FrieslandCampina hat nach einer Durststrecke im Vorjahr im ersten Halbjahr 2022 wieder deutlich mehr Gewinn gemacht. Den Vorschuss auf die Barnachzahlung an die Milcherzeuger setzt der Konzern dennoch aus.

Die Molkerei konnte ihren Nettogewinn im ersten Halbjahr 2022 fast verdoppeln von 77 Mio. auf 139 Mio. Euro. Dazu haben vor allem höhere Preise für Milchbasisprodukte wie Milchpulver und Butter beigetragen. Aber auch das Geschäft mit Kindernahrung in China warf wieder mehr Gewinn ab, wie Vorstandschef Hein Schumacher jetzt berichtete.

Wegen der unsicheren Aussichten für die zweite Jahreshälfte werden die Milchbauern jedoch auf einen Vorschuss auf die Barnachzahlung auf den Milchpreis verzichten müssen. Schumacher verwies zur Begründung auf die Folgen des Ukraine-Krieges, die Corona-Pandemie, steigende Kosten und die möglichen Auswirkungen der Stickstoffpläne der niederländischen Regierung. Gegen die geplante neue Stickstoffpolitik gehen die holländischen Bauern seit Wochen auf die Straße.

Wann soll die Nachzahlung auf den Milchpreis kommen?

Für 2021 hatte FrieslandCampina immerhin eine Barnachzahlung von 14 Cent je 100 kg gelieferte Milch an seine über 10.000 genossenschaftlichen Mitglieder in Deutschland, den Niederlanden und Belgien ausgezahlt.

Der Vorschuss beträgt üblicherweise 75 Prozent der erwarteten Pro-Form-Barnachzahlung. In diesem Jahr wird es jedoch zumindest keine Vorauszahlung geben. Die Höhe der endgültigen Barnachzahlung soll festgelegt werden, wenn das Betriebsergebnis 2022 feststeht.

Milchpreis im ersten Halbjahr kräftig erhöht

Allerdings konnten sich die Milcherzeuger über einen Anstieg des Milchpreises im ersten Halbjahr 2022 um 37,8 Prozent auf durchschnittlich 51,33 Euro netto pro 100 kg Milch freuen. Dennoch ging die Milchanlieferung der Mitglieder im Berichtszeitraum um 4,6 Prozent auf 4,8 Mrd. kg Milch zurück.

Laut Schumacher waren ein Rückgang der Mitgliederzahl, eine geringere Qualität der Grassilage und die höheren Futtermittelkosten dafür ausschlaggebend.

An wen FrieslandCampina Teile des Deutschlandgeschäfts verkaufen will

Aufgrund der höheren Preise für Milchprodukte konnte FrieslandCampina den Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 20 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro steigern. Der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel stand allerdings unter Druck. Die eigentlich wegen höherer Rohstoffkosten notwendigen Preiserhöhungen konnten nicht immer durchgesetzt werden. Die Margen standen im Geschäft mit dem Einzelhandel unter Druck, so der Genossenschaftsvorstand.

In Deutschland plant die Molkerei bekanntlich den Verkauf eines Teils ihres Geschäfts mit Verbraucherprodukten an die Molkerei-Gruppe Theo Müller. Die Vereinbarung umfasst unter anderem die Marken Landliebe und Tuffi sowie drei deutsche Produktionsstandorte.

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