Login
Produktion und Förderung

Fungizidstrategien für Wintergerste, Roggen und Triticale

von , am
30.04.2013

In dieser Saison stehen mehrere neue Fungizide zur Wahl. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat sie getestet.

Erysiphe graminis am Getreide. © landpixel
Im Vergleich zu 2012 startet die Vegetationsperiode dieses Jahr wegen des lang anhaltenden Winters deutlich später. Wintergerste, Roggen und Triticale sind dennoch überwiegend gut durch die kalte Jahreszeit gekommen. Jetzt ist ein schneller Übergang in die Schossphase mit entsprechender Blattneubildung zu erwarten. Zeit, sich um die Fungizidstrategie Gedanken zu machen.
 
In der Saison 2013 erweitern neue Fungizide die Möglichkeiten der Fungizidbehandlung. Es stehen mehrere gute Lösungen zur Verfügung, die sich nur geringfügig unterscheiden, wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in einem Test herausgefunden hat.

Bestände rechtzeitig auf Krankheiten kontrollieren

Eine an die Situation angepasste Mittelauswahl und -dosierung kann unnötige Kosten verhindern. Die verschiedenen Blattkrankheiten sind von den Blattflächenverlusten unterschiedlich betroffen.
 
Aufgrund ihrer Lebensweise dürften der Echte Mehltau und der Zwergrost am stärksten beeinflusst worden sein. Durch das Absterben der Blätter wurde dem Mehltau und dem Zwergrost die Nahrungsgrundlage entzogen, da beide auf lebendes Gewebe angewiesen sind. Die beiden Krankheiten können dennoch in Form von Dauerfruchtkörpern überlebt haben, so dass neue Infektionen bei günstigen Witterungsbedingungen möglich sind. Weiterhin wird eventuell auch ein Teil der Mehltauinfektionen an noch lebenden Blättern überlebt haben, gleiches gilt auch für den Zwergrost. Dennoch ist der Krankheitsdruck aus dem Herbst geringer geworden. Entscheidend wird die Witterung der nächsten Wochen.
 
Wichtig ist es, die Bestände zu Beginn des Schossens auf Krankheiten zu kontrollieren, um gezielt Fungizide einzusetzen.

Neue Fungizide in 2013

Mit Bontima ist ein neues Fungizid auf dem Markt, das neben dem bekannten Cyprodinil (187,5 g a.i./l) den neuen Carboxamid-Wirkstoff Isopyrazam (62,5 g a. i./l) enthält. Bontima ist nur in der Gerste ab dem Beginn des Schossens bis zum Ende des Ährenschiebens gegen Netzflecken, Rhynchosporium-Blattflecken, Zwergrost, Ramularia-Sprenkelkrankheit und Echten Mehltau zugelassen.
 
Ebenfalls in der Gerste ist Siltra Xpro in den Entwicklungsstadien 25 bis 61 gegen Netzflecken, Rhynchosporium-Blattflecken, Zwergrost, Ramularia-Sprenkelkrankheit, Echten Mehltau und zur Minderung nichtparasitärer Blattflecken (PLS) zugelassen. Für Weizen hat das Fungizid ebenfalls eine Zulassung. Siltra Xpro enthält neben Prothioconazol (200 g a.i./l) das Carboxamid Bixafen (60 ga.i./l). Es wird im Handel nur eingeschränkt verfügbar sein.
 
Eine Zulassung in Gerste, Roggen, Triticale und Weizen hat kürzlich das Fungizid Seguris erhalten. Es beinhaltet die Wirkstoffe Epoxiconazol (90 g a.i./l) und das Carboxamid Isopyrazm (125 g a.i./l). In den verschiedenen Kulturen werden die entsprechenden Krankheiten Echter Mehltau, Netzflecken, Braunrost, Septoria-Arten, Ramularia- Sprenkelkrankheit bekämpft. Seguris wird im Handel nur im Pack mit Amistar Opti erhältlich sein (Seguris Opti Pack).
 
Ebenfalls neu ist Ampera, das aus den beiden bekannten Wirkstoffen Tebuconazol (133 g a.i./l) und Prochloraz (267 g a.i./l) besteht. Ampera ist sowohl in der Gerste als auch in Roggen, Triticale und Weizen zugelassen. Bekämpft werden die in den verschiedenen Kulturen auftretenden Krankheiten Netzflecken, Rhynchosporium-Blattflecken, Rost-Arten, Septoria-Arten und Echter Mehltau. Das Anwendungsfenster erstreckt sich vom Beginn des Schossens bis zum Beginn der Blüte und im Falle der Bekämpfung des Braunrostes im Roggen und Triticale bis zum Ende der Blüte.

So leistungsfähig sind die neuen Fungizide

Nach den ersten Versuchsergebnissen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fügen sich Bontima, Seguris + Amistar Opti und Siltra Xpro in die Reihe der Komplettlösungen ein, die sowohl kurativ als auch vorbeugend wirken.
 
Ampera zeigt dagegen keine deutliche Dauerwirkung. Es ist als kuratives Fungizid für den ersten Termin oder als Mischpartner zu Strobilurin-Fungiziden für die Abschlussbehandlung denkbar.
 
In den Versuchen wurden die Produkte mit 75, beziehungsweise 50 Prozent der zugelassenen Aufwandmenge im Vergleich zu einer gängigen Fungizidkombination aus Input classic und Amistar Opti zu BBCH 49-51 eingesetzt. Als Vorlage wurde in allen Varianten zum Schossbeginn Cirkon appliziert.
 
Bei einem moderaten Krankheitsbefall wurden mit den geringeren Aufwandmengen etwas niedrigere Wirkungsgrade erzielt. Ertraglich spiegelte sich dies nur in tendenziell geringeren Ergebnissen wider. Auch bei moderatem Befall trägt, so die LWK, der Fungizideinsatz in der Gerste zu einer deutlichen Ertragsabsicherung bei.  
 
In weiteren Versuchsserien will die Landwirtschaftskammer überprüfen, ob bei stärkerem Zwergrost- oder Netzfleckenauftreten die Unterschiede deutlicher werden.

Fazit

Ein Preisvergleich lohnt sich, um Kosten zu sparen. Der gezielte einmalige Einsatz der Carboxamide in der Spritzfolge reicht aus und verhindert die Resistenzbildung der Erreger gegen diese Wirkstoffgruppe, berichtet die Landwirtschaftskammer. Durch Kontrollen und gezielten Einsatz der Fungizide lassen sich in allen drei Getreidearten Kosten sparen, indem gegebenenfalls die Behandlung zum Schossen unterbleibt.
 
Die Krankheiten, insbesondere die Roste, dürfen aber nicht aus dem Ruder laufen, da ansonsten deutliche Ertragsverluste die Folge sind.
 
Auch interessant