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Produktion und Förderung

Gänseplage: Niedersachsens Bauern fordern Handeln der Landesregierung

© Andreas Hermsdorf/pixelio
von , am
12.05.2014

Die Bauern aus Ostfriesland, auf deren Dauergrünland und Äckern sich scharenweise nordische Gastvögel niederlassen, sehen einen dringenden Handlungsbedarf seitens der niedersächsischen Landesregierung.

Auch der erste Schnitt vom Grünland wird unbrauchbar, weil die Gänse das Gras nicht nur abfressen, sondern auch stark verkoten. © Mühlhausen/landpixel
"Es ist ein Naturereignis, wenn sich tausende Gänse auf den Wiesen und Äckern in Ostfriesland niederlassen. Den Landwirten, denen die Wiesen und Äcker gehören, bereitet dieses Schauspiel allerdings ziemliche Probleme", berichtete der Landvolk-Pressedienst (LPD). "Komplett abgefressene Getreidebestände sind an der Tagesordnung", sagt Karl Hedden, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland.
 
Nach wie vor sehen Landwirte insbesondere in Ostfriesland, auf deren Dauergrünland und Äckern nordische Gastvögel die "Gastfreundschaft nutzen" dringenden Handlungsbedarf seitens der niedersächsischen Landesregierung. Die Bauern aus Ostriesland fordern Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) auf, sich kurzfristig den Bauern vor Ort zu stellen. Eine Intensivierung der Jagd sei unerlässlich.

Konflikte mit den Nacharn

Wie der Landvolk-Pressedienst schreibt, haben neben dem Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer" weitere 14 Vogelschutzgebiete mit einer Fläche von etwa 119.000 Hektar (ha) eine große Bedeutung für die Gänse. "In diesen Gebieten erbringen Landwirte seit Jahren ökologische Leistungen, indem sie den Gänsen Raum, Rast und Restaurant wie Äsung bieten", schreibt Erich Hinrichs, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, in einem Brief an Umweltminister Stefan Wenzel.
 
Der Landesbauernverband wies darauf hin, dass sich in den vergangenen 20 Jahren die Gänsepopulation sehr dynamisch entwickelt habe, was jedoch zunehmend Konflikte mit der Landwirtschaft in den Niederlanden und in Dänemark sowie in den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein verursache.

Vertrauen der Landwirte geschädigt

Vor diesem Hintergrund sei im Rahmen des Wadden Sea Forums eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die Vorschläge für ein trilateral koordiniertes Gänsemanagement erarbeitet habe. Die betroffenen Landwirte hoffen dem Landvolkverband zufolge nun, dass Niedersachsen die Vorschläge der Arbeitsgruppe aufgreift und an einem trilateral koordinierten Gänsemanagement mitwirkt. "Zum Beispiel, indem Vogelschutzgebiete attraktiver für Gänse und für die wirtschaftenden Landwirte werden", so Hinrichs in seinem Schreiben an Wenzel.
 
Im Moment sei das Vertrauen der Landwirte in das Land Niedersachsen als Vertragspartner jedoch erheblich geschädigt. Nicht zuletzt durch die Kündigung der alten Verträge.

Intensivierung der Jagd unerlässlich

Neben den Zugvögeln, die nach ihrer Rast weiterfliegen, gibt es immer mehr Sommergänse. Für den Ausgleich der Schäden, die die brütenden Graugänse anrichten, gibt es bislang noch keine Regelung. "Damit die Populationsentwicklung nicht völlig aus dem Ruder läuft, wird eine Intensivierung der Jagd unerlässlich sein", schreibt Hinrichs und fordert eine Berücksichtigung bei der Neuregelung der Jagdzeiten auf Federwild.
 
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hatte nach Angaben von AgraEurope im März die Kündigung der Verträge damit begründet, dass das Programm zum Schutz nordischer Gastvögel mit den Agrarumweltmaßnahmen der Ersten Säule verknüpft worden sei und werde. Sie unterlägen dann dem Zuwendungsrecht nach dem Landeshaushaltsgesetz. Bisher sei der Vertragsnaturschutz nach dem Vertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) abgewickelt worden, so dass eine Überführung der Altverträge erforderlich werde. Somit sei die vorzeitige Kündigung "zwingend notwendig", um neue Verträge abzuschließen.   

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