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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreis verdreifacht – Versorger kassiert ab

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am Montag, 14.11.2022 - 11:41 (4 Kommentare)

Mein Gaspreis steigt auf 18,10 Cent je KWh. Das schreibt mir mein Gasversorger – die GASG. Vor zwölf Monaten habe ich nur 5,74 Cent gezahlt. Damit haben sich meine Gaskosten mehr als verdreifacht. Kein Hinweis auf die Gaspreisbremse. Und auch nichts über die Senkung der Mehrwertsteuer für Gas. Und auch die deutlich gefallenen Spotmarkpreise am europäischen Gasmarkt spielen offenbar keine Rolle.

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Dabei hat mein Gasversorger in diesem Jahr bereits mehrfach die Preise erhöht. Ende des letzten Jahres kostete Erdgas mich noch 5,74 Cent je KWh (einschließlich Mehrwertsteuer). Bei einem Haus-Verbrauch von rund 20.000 KWh im Jahr, waren das immerhin Kosten von 1.148 Euro.

Im Jahresverlauf 2022 hat der Versorger dann drei Erhöhungen angekündigt, im Januar auf 6,99 Cent, im Mai auf 9,46 Cent und im November auf 14,22 Cent je KWh. Das ist bis zum Jahresende ein Kostenanstieg von 248 % - bzw. mehr als eine Verdopplung der Preise und Kosten auf mittlerweile 2844 Euro im Jahr.

Nun flatterte vorige Woche das nächste Schreiben ins Haus: Der Gaspreis erhöht sich ab dem 01. Januar auf 18,10 Cent (brutto) – also einschließlich Mehrwertsteuer. Von einer Senkung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 7 % ist überhaupt nicht Rede.

Auch nicht von der Gaspreisbremse – die vielleicht erst im März kommt, wenn die Heizsaison fast vorbei ist. Diese Bremse soll dann bei 12 Cent liegen und damit deutlich unter den Preisen – die die GASG jetzt verlangt. Immerhin wäre das GAS auch mit der Preisbremse noch mehr als doppelt so teuer wie 2021.

Doch bis die Bremse kommt, langt mein Versorger erst mal richtig zu. Dann hätten sich meine Gaskosten binnen eines Jahres von 1.148 Euro auf 3.620 Euro mehr als verdreifacht.

Begründet hat der Versorger die Preiserhöhung folgendermaßen: "Wegen der Erhöhung der Kosten für Energiebeschaffung und Vertrieb und der höheren Netzentgelte steigt der Preis für Ihre Erdgasversorgung.“ Und das geht vielen Gaskunden so, wie eine aktuelle Erhebung des Vergleichsportals Verivox zeigt (siehe unten).

Marktpreise sind auf 10 Cent gefallen – Versorger kassieren ab

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Am europäischen Spotmarkt kostet das Gas die Versorger derzeit deutlich weniger und auch am Terminmarkt müssen die Versorger weitaus weniger Geld anlegen als die Gaskunden. Zu Beginn der zweiten Novemberwoche kostet das Gas am wichtigsten europäischen Handelsplatz (TTF) 105 Euro je MWh bzw. 10,5 Cent je KWh.

Deutsche Verbraucher zahlen als Neukunden Anfang November im Schnitt 20,9 Cent je Kilowattstunde (KWh), hat das Vergleichsportal Verivox ermittelt. Anfang September wurden von Neukunden allerdings auch schon einmal 40 Cent je KWh verlangt. Ende August - nach dem Ausfall der Lieferungen aus Russland - hatte das Gas an der TTF zweitweise 350 Euro je MWh gekostet bzw. 35 Cent je KWh.

Dank gefüllter Gasspeicher und einem sehr warmen Herbst sowie massiver Marktregulierungen sind die Marktpreise für Gas drastisch gefallen – nur nicht für die Gaskunden, wie man sieht.

Bund und Länder hatten am 2. November eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Danach sollen Verbraucher eine Einmalzahlung im Dezember erhalten - auf Basis der Abschlagszahlung vom September 2022. Davon hat mir mein Versorger auch nichts mitgeteilt.

Für Privatkunden und kleine Unternehmen soll dann von März an eine Gaspreisbremse von 12 Cent je KWh für 80 Prozent der üblichen Verbrauchsmenge gelten. Wer mehr verbraucht, muss höhere Preise zahlen. Wer weniger verbraucht, kann mit einem Bonus belohnt werden.

Die Bundesländer hatten auf einen früheren Start der Gaspreisbremse zum 1. Januar gedrängt. Nun wird eine Umsetzung für Februar 2023 angestrebt. Gelten soll die Gaspreisbremse dann bis April 2024. In der Zwischenzeit erhöhen die Versorger aber die Preise für ihre Kunden aber deutlich und versuchen so Kasse zu machen.

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