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Energiekrise und Gasversorgung

Gaspreise gehen durch die Decke – das Schlimmste kommt noch

LNG-Tank.
am Mittwoch, 17.08.2022 - 12:47 (2 Kommentare)

Die europäischen Gaspreise haben sich seit Juni verdreifacht. Doch für den Herbst zeichnet sich ein weiterer dramatischer Preisanstieg ab.

Spotmarktpreise GAS in europa.

Nun kündigt Gazprom bis zum Herbst Preiserhöhungen bis zu 60 % an. Damit wären alle bisherigen Maßnahmen nur Makulatur. Am heutigen Mittwoch morgen notiert der Gaspreis am europäischen Spotmarkt (Natural Gas EU Dutch TTF) bei knapp 230 Euro je MWh. Die Gaspreise haben sich damit seit Anfang Juni verdreifacht.

Doch ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht, denn die russische Gazprom kündigte diese Woche höhere Preise für den Herbst an. An die Spotmarktpreise am Natural Gas EU Dutch TTF sind auch Europas Großhandelsgaspreise gekoppelt, Aktuell sind nicht mehr allzuweit von ihrem Allzeithoch im März entfernt. Ende Juli hatte die russische Gazprom bereits den Durchfluss durch die Nord Stream-Pipeline reduziert, der nun täglich nur noch 33 Millionen Kubikmeter beträgt, das sind etwa 20 % der Kapazität.

Aktuell kommt zu dem knappen Angebot auch noch eine steigende Nachfrage nach Gas für die Stromerzeugung inmitten einer extremen Hitzewelle in Europa hinzu. Die historische Dürre, ausgelöst durch einen extrem trockenen Sommer, droht außerdem auch die Energielieferungen entlang des Rheins zum Erliegen zu bringen, was die Sorgen über weitere Versorgungsunterbrechungen verschärft.

Gazprom erhöht Gaspreise um weitere 60 %

Gazprom, der russische Gaslieferant mit einem Monopol auf russische Gasexporte per Pipeline, teilte am Dienstag mit, die Gaspreise könnten gegenüber dem derzeitigen Niveau um weitere 60 % steigen. Ein Konzernsprecher sagte, sie könnten in diesem Winter die Marke von 4.000 Dollar pro 1.000 Kubikmeter überschreiten, gegenüber derzeit 2.500 Dollar.

Vor der Krise bezog Deutschland einen Großteil seines Gases aus Russland über die Pipeline Nord Stream 1, die sich mehrheitlich im Besitz von Gazprom befindet. Die Pipeline hatte 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr nach Deutschland und in andere europäische Länder geliefert. Sie ist jetzt nur noch zu 20 % ausgelastet. Russland macht verspätete Reparaturen aufgrund von Sanktionen und fehlender Ausrüstung für die verringerten Gaslieferung verantwortlich.

Deutschland bemüht sich deshalb, vor dem Winter alternative Gasquellen zu finden. Denn die Gefahr besteht, dass Russland die Lieferungen an die größte Volkswirtschaft Europas weiter kürzt oder sie auch ganz einstellt. Die deutsche Regierung hat deshalb auch vor einer möglichen Gasrationierung (Notfallplan GAS) im Winter gewarnt. Um die Krise abzumildern sollen nun zwei Flüssiggas (LNG)-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven errichtet werden, deren Betriebsstart aber frühstens im Winter erfolgen kann.

Mit den beiden Terminals kann Deutschland nach Analysten-Angaben jährlich bis zu 12,5 Mrd. Kubikmeter LNG beziehen. Das wären etwa 13 % des deutschen Gasverbrauchs im Jahr 2021. Außerdem dürfte das über diesen Weg aus den USA und von arabischen Lieferanten gekaufte Flüssiggas, ebenfalls sehr teurer sein und kaum zu einer echten Preisentlastung führen.

Gaspreise für Verbraucher steigen von 6,5 Cent auf 21 Cent

Die Gaspreise für Verbraucher sind bereits auf historisch hohem Niveau. Dadurch steigen aber auch die Einnahmen des Staates aus der Mehrwertsteuer. Die deutschen Haushalte werden für Gas im Jahr 2022 über 3,6 Milliarden Euro mehr Umsatzsteuer bezahlen als im Jahr 2021. Würde Gas mit dem geringeren Steuersatz von 7 Prozent besteuert, könnten Haushalte um 4,4 Milliarden Euro entlastet werden. Das zeigen Berechnungen des Vergleichsportals Verivox.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern heizen die hohen Energiepreise auch die Inflation weiter an. Sollte sich die Gaspreis-Entwicklung fortsetzten, könnte die deutsche Teuerungsrate im Herbst sogar zweistellige Werte erreichen, glauben Ökonomen. Im Jahr 2021 haben die deutschen Haushalte einen durchschnittlichen Bruttopreis für eine Kilowattstunde Gas von 6,56 Cent/kWh gezahlt.Im ersten Halbjahr 2022 lag der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte laut Verivox bereits bei 14 Cent pro Kilowattstunde – und weitere Erhöhungen sind abzusehen.

Zum 1. Oktober 2022 wird zusätzlich eine neue Gas-Umlage eingeführt. Über die Umlage werden die stark gestiegenen Einkaufspreise der Gasversorger an alle Gasverbraucher weitergegeben. Wird die Mehrwertsteuer darauf fällig, erhält der Staat bei einer Umlagenhöhe von 2,419 Cent/kWh (netto) aufs Jahr gerechnet zusätzlich 1,4 Milliarden Euro von den Haushalten.

„Die neue Umlage katapultiert die Gaspreise dann auf fast 21 Cent pro Kilowattstunde. Sie könnten allerdings noch deutlich höher steigen, denn die Großhandelspreise für Gas liegen derzeit sogar über diesem Niveau. Ein Ende der Preiserhöhungen ist also noch nicht in Sicht. Dieser Winter wird mit Sicherheit der teuerste aller Zeiten werden,“ sagt Thorsten Storck von Verifox.

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