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Produktion und Förderung

Zu Gast beim Hopfenbauer: Betriebskonzept mit Erfolg

von , am
14.05.2011

Attenkirchen - Der Betrieb von Michael Eichinger ist breit aufgestellt: Neben Mais und Getreide baut er 15 Hektar Hopfen an. Ein Portrait.

Die Hallertau, auch Holledau oder Hollerdau genannt, ist das größte Hopfenanbaugebiet Deutschlands. Auf etwa 15.000 Hektar werden hier rund 85 Prozent des deutschen Hopfens angebaut, was insgesamt etwa 30 Prozent der Weltanbaufläche an Hopfen entspricht. Das sieht man: Die Gegend mit einer Ost-West Ausdehnung von 65 Kilometern und einer Nord-Süd Ausdehnung von rund 50 Kilometern ist geprägt von hohen Holz-Draht-Gerüsten, an denen die Hopfenpflanzen hochklettern.
 
Nahe Attenkirchen befindet sich der Betrieb von Michael Eichinger. Auf seine vielseitig aufgestellten Betrieb baut er neben Mais und Getreide schwerpunktmäßig 15 Hektar Hopfen an. Der 35-jährige hat den Betrieb vor zwei Jahren von seinen Eltern übernommen und trägt nun die Verantwortung für den seit über 400 Jahren bestehenden Familienbetrieb.

56.000 Pflanzen per Hand anleiten

Momentan müssen die Hopfenpflanze angeackert werden. "Dadurch wird die Bodenverdichtung vermindert und aufkommende Unkräuter bekämpft", erklärt Michael Eichinger. In den Tagen und Wochen zuvor war Handarbeit angesagt: Mit gut 45 Arbeitsstunden je Hektar kalkuliert Betriebsleiter Michael den Arbeitsaufwand, den das so genannte Hopfenputzen in Anspruch nimmt.
 
Bei jeder der rund 56.000 Pflanzen werden hierbei von Hand die überflüssigen Triebe und Blätter entfernt und je Pflanze drei Triebe im Uhrzeigersinn an die Drähte angeleitet. Die Reben winden und wachsen nun im Optimalfall mit dem Verlauf der Sonne den Draht hinauf. Das Anleiten gehört zu den aufwendigsten Tätigkeiten im Hopfenbau und wird auch in den nächsten Wochen immer wieder notwendig werden, denn wegen ungünstigen Ostwinden müssen einzelne Reben wieder zurück an den Draht gebracht werden. 

200 bis 240 Arbeitsstunden je Hektar

Im September erntet dann ein Schlepper mit dem so genannten Abreisgerät in der Front und einem Ladewagen im Heck die Reben im Hopfengarten ab und bringt sie zum Hof. An der Pflückmaschine werden die Reben dann einzeln eingehängt und Dolden, Blätter und Stängel automatisch von der Rebe gezupft und gereinigt, sodass am Schluss nur noch die reinen Dolden übrig bleiben. Die getrockneten Hopfendolden werden dann in der Konditionierungskammer leicht befeuchtet, bevor sie dann in 60 Kilo Big-Packs gepresst werden und für den Abtransport gelagert werden.
 
Eigentlich beginnt die Arbeit für Hopfenbauer Eichinger jedoch im Winter - unter anderem mit dem Aufhängen der Aufleitdrähte. Das Zuschneiden und das Begrenzen des Stockes sowie erste Bodenbearbeitungen bringen den Hopfen auf den jetzigen Entwicklungsstand.
 
Insgesamt bringt es die ausdauernde Kletterpflanze auf sage und schreibe 200 bis 240 Arbeitsstunden je Hektar.

Hopfen geht nach Amerika

Hopfen kann beispielsweise als Vertragshopfen vermarktet werden, wobei für ein oder mehrere Jahre Kontrakte abgeschlossen werden. Viele Hopfenanbauer nutzen aber auch die Möglichkeit ihre Erzeugnisse als Freihopfen zu vermarkten, wobei vorab keine Lieferverträge abgeschlossen werden und die jeweilige Marktentwicklung den Preis bestimmt.
 
Für den Hopfen der Sorte Hallertauer hat Eichinger erst kürzlich einen neuen Vertrag mit einem Zwischenhändler abgeschlossen. Bestimmt ist dieser Hopfen, wie bereits in den vergangenen Jahren, unter anderem für die Bosten Beer Company in Amerika.

Maisanbau für die Bullenmast

Mit der Arbeit im Hopfen ist es auf Michael Eichingers Betrieb jedoch nicht getan: Heute steht für ihn auch noch die erste Pflanzenschutzbehandlung für die 18 Hektar Mais an. Der angebaute Silomais ist für die Bullenmast bestimmt, die ebenso zum Betrieb gehört. 150 Fleckvieh Bullen sind eingestallt und bleiben bis zu einem Gewicht von 630 bis 650 Kilo auf dem Hof. Bei der Fütterung setzt der Familienbetrieb auf eigene Erzeugnisse: "Eine Tagesration besteht aus 20 bis 24 Kilo Mais und jeweils 1,3 Kilo Getreide und Rapsextraktionsschrot."
 
Seit einigen Jahren gehört auch eine kleine Direktvermarktung zum Betrieb. Michael Eichinger absolvierte hierfür zusätzlich zur Ausbildung zum Landwirt vor zehn Jahren eine Fleischerausbildung und vermarktet als EU-zertifizierter Betrieb mit eigenem Schlacht-, Kühl- und Zerlegeraum einen Teil seines Vorzugs-Bullenfleischs aus eigener Produktion direkt. Auch für andere Betriebe übernimmt er Schlachtungen.
 
Vorerst stehen für Michael Eichinger jetzt aber weitere Arbeiten im Hopfen an. Bis der letztendlich geerntet werden kann, gibt es viel zu tun: weitere Pflanzenschutzbehandlungen beispielsweise gegen die Hopfenblattlaus, die Rote Spinne oder den Mehltau, anleiten, ... - die Arbeit geht nicht aus.

Mehr über den Hopfenbaubetrieb von Michael Eichinger und viele andere interessante Themen lesen Sie auf landlive.de in Agrarsanis Landwirtschafts-Blog. zum Blog ...
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