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Elektroautos und Absatzkrise

E-Autos als Gebrauchtwagen unverkäuflich – Preissturz hilft auch nicht

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Dr. Olaf Zinke, agrarheute
am Mittwoch, 13.03.2024 - 18:07

Gebrauchte E-Autos sind derzeit nur schwer und mit sehr hohen Preisabschlägen zu verkaufen. Das hat handfeste Gründe.

Obwohl die Preise fallen, geht die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos gegen Null. Wie die Unternehmensberatung Berylls in einer Analyse feststellt, sind gebrauchte E-Autos derzeit nur sehr schwer und mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen. 

Ein durchschnittliches Batterieauto (BEV) zum Neupreis von 43.600 Euro koste nach drei Jahren mit 60.000 Kilometer Laufleistung aktuell 18.800 Euro und habe somit 57 Prozent an Wert verloren. Eine Änderung sei nicht in Sicht: „Junge gebrauchte BEVs stehen im Handel wie Blei, die Standzeiten steigen und Restwerte sind im freien Fall“, ist das Fazit der Branchenexperten von Beryllys. 

Gründe für den Preisverfall seien zum einen die stagnierende Nachfrage nach E-Autos generell. Außerdem kämen viele neue Modelle mit mehr Reichweite und zu niedrigeren Preisen auf den Markt. Das mache einen Weiterverkauf gebrauchter E-Autos fast unmöglich, nicht nur in Deutschland. 

Deshalb fallen auch in Frankreich die sogenannten Restwerte für E-Autos gerade deutlich, berichtet die WirtschaftsWoche. Ein Weiterverkauf gebrauchter E-Autos auch ins Ausland ist deshalb sehr schwierig.

Autohersteller sollen Vertriebsmodell ändern

Von der wegbrechenden Nachfrage und sinkenden Preisen besonders betroffen seien große und teure Elektro-SUVs. Diese sind für die meisten Gebrauchtwagenkäufer im E-Auto-Segment komplett uninteressant. 

Berechnungen von Berylls zufolge hätten die 524.000 im Jahr 2023 in Deutschland neu zugelassenen Elektroautos schon jetzt einen Restwertverlust von fast drei Milliarden Euro angesammelt. Das sind durchschnittlich knapp 5.700 Euro pro Fahrzeug. 

Nach Einschätzung von Berylls müssten Autohersteller, Händler und Leasingfirmen vor diesem Hintergrund ihr bisheriges Vertriebsmodell umstellen. E-Autos sollten nicht mehr verkauft, sondern später verleast oder im Abo vermietet werden, glauben die Marktbeobachter. 

Das würde nicht nur ihre Verluste verringern, sondern sie behielten auch die Kontrolle über die teuren Batterien.

Gebrauchte E-Autos noch viel zu teuer

Im November 2023 wurden gebrauchte E-Autos im Schnitt für rund 38.000 Euro auf der Plattform mobile.de angeboten - das sind fast 10.000 Euro mehr, als für gebrauchte Diesel oder Benziner durchschnittlich verlangt wurden, berichtet tageschau.de. 

Den meisten potenziellen Käufern sind diese Preise viel zu hoch. Sie wollen nach einer Marktanalyse von mobile.de im Durchschnitt rund 14.000 Euro weniger ausgeben. Da passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. 

Bei Verbrennern ist der Abstand zwischen dem, was die Autos kosten, und dem, was die Händler verlangen, mit etwa 8.500 Euro deutlich geringer. „Wir gehen davon aus, dass die Preise sich im laufenden Jahr weiter reduzieren müssten, um den Konsumentenerwartungen wieder zu entsprechen“, sagt mobile.de-Sprecher Nils Möller gegenüber tageschau.de. 

Da einige Hersteller bei neuen E-Autos mittlerweile immer höhere Rabatte anbieten, werden auch die Gebrauchtwagenpreise noch weiter fallen. Doch dadurch steigt die Zurückhaltung der Kunden eher noch weiter an, wie sich jetzt zeigt, denn der Wiederverkaufswert in ein paar Jahren lässt sich aktuell nicht mehr ermitteln.

Mit Material von Beryllys, n-tv, tageschau.de

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