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Ernteversicherung

Gegen Trockenheit absichern: Das sind die Konditionen

am Montag, 16.05.2016 - 07:15 (Jetzt kommentieren)

Seit Neuestem bieten mehrere Versicherer Landwirten die Möglichkeit, ihre Kulturen gegen Trockenschäden abzusichern. Die Konditionen erfahren Sie in unserem Versicherungs-Ratgeber.

Bisher hatte nur die Münchener und Magdeburger Agrarversicherung einen Tarif für Dürreschäden. Seit Kurzem bietet die Vereinigte Hagel und die Versicherungskammer Bayern Landwirten die Möglichkeit, sich gegen Trockenschäden zu versichern. Allerdings kann sich ein Landwirt nicht allein gegen Trockenheit absichern. Man muss mindestens eine Hagelversicherung haben. Die Versicherer setzen bei der Entschädigung auf sogenannte Indexlösungen. In der Regel spielen dabei die Niederschlagsmenge und die Hektarerträge in der Region, meist dem Landkreis, eine Rolle.

Versicherungskammer Bayern: Regionaler Grenzwert

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) legt zum Beispiel aus dem langjährigen Durchschnitt der regionalen Landkreiserträge und dem benötigten Wasserbedarf jeweils einen spezifischen Grenzwert pro  Kultur fest, ab dem ein Trockenschaden auftreten kann. Der VKB-Kunde muss den Schaden innerhalb von vier Tagen nach dem Feststellen melden. Sachverständige stellen durch eine Begutachtung vor Ort fest, ob der Schaden entschädigungspflichtig ist. Stellt die VKB einen Trockenschaden fest, erhält der Landwirt pauschal 30 Prozent aus der Versicherungssumme ausbezahlt.

Vereinigte Hagel: Schwellenwert Bodenfeuchte

Die Vereinigte Hagel zielt auf die relative Bodenfeuchte (nutzbare Feldkapazität nFK) im betreffenden Landkreis ab. Auch hier legt die Versicherung einen Schwellenwert fest. „Die Bodenfeuchtewerte kann der Landwirt beim Deutschen Wetterdienst DWD zu Vegetationsbeginn täglich verfolgen“, erläutert der Unternehmenssprecher. Um eine Entschädigung zu erhalten, muss der Landkreisertrag für die versicherte Kultur niedriger sein als der Schwellenertrag, den der Landwirt zu Versicherungsbeginn festlegt. Die Entschädigung bemisst sich bei der Vereinigten Hagel dabei aus der Differenz zwischen durchschnittlichem Landkreisertrag pro Hektar und angegebenem Schwellenertrag pro Hektar. Eine Begutachtung des Trockenschadens durch Schätzer sieht die Vereinigte Hagel nicht vor.

Diese Kulturen können abgesichert werden

Die Absicherung gegen Trockenschäden ist jedoch je nach Anbieter nicht für alle Kulturen möglich. Grünlandflächen zum Beispiel sind derzeit gar nicht gegen Trockenschäden versicherbar.

Die Vereinigte Hagel:

  • Wintergetreide
  • Raps
  • Silomais

Versicherungskammer Bayern:

  • Getreide
  • Raps
  • Kartoffeln
  • Rüben
  • Mais (Ausnahme: zur energetischen Nutzung)

Aufgepasst: Haftungszeiträume

Aufpassen müssen Landwirte jedoch bei den Haftungszeiträumen. Sie sind unterschiedlich:

  • Für Mais gilt bei der Versicherungskammer Bayern zum Beispiel Mai bis September
  • Für Kartoffeln Mai bis August
  • Für Rüben Mai bis Oktober.

Die Vereinigte Hagel und die MMA sehen aber für Silomais zum Beispiel einen Haftungszeitraum von der Aussaat bis zur Ernte vor, spätestens jedoch bis 15. November.  

Vertragslaufzeiten

Während die Vereinigte Hagel bei Trockenheit nur einjährige Verträge anbietet, können Landwirte bei der Versicherungskammer Bayern sogar für drei Jahre einen Beitrag fest vereinbaren. Dafür gewährt der Versicherer einen gestaffelten Laufzeitrabatt. So erhält der Kunde im ersten Jahr 10 Prozent Nachlass, im zweiten Jahr 5 Prozent und im dritten Jahr noch 1 Prozent. Unterm Strich erhöht sich damit der Jahresbeitrag entsprechend, sofern der Kunde die Vertragslaufzeit nicht weiter auf jeweils drei neue Jahre verlängert. 

Wichtig: Während der drei Jahre hat der Kunde, wie bei anderen Ernteversicherern auch, kein Kündigungsrecht.

Kosten / Nutzen abwägen

Trotz aller möglichen Beitragsnachlässe können Landwirte am meisten Geld sparen, wenn sie sich überlegen, wie groß das Risiko eines Trockenschadens in ihrem Betrieb ist und welches Risiko sie selbst tragen können. Frank Damm von der AG Landberatung sieht indes Kulturen wie Mais, Kartoffeln oder Rüben eher gefährdet, wenn die Niederschläge fehlen. „Ein Totalausfall ist aber mehr oder weniger standortbedingt eher selten“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Die Absicherung gegen Hagel oder Starkregen sei meist sinnvoller. „Der Bedarf der Landwirte an einer Absicherung gegen Trockenschäden ist eher gering. Zudem ist es auch eine Kostenfrage“, bringt es Stefan Engberink von der LMS Agrarberatung auf den Punkt. 

Dieser Beitrag ist zuerst in der Aprilausgabe des dlz agrarmagazin erschienen.

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