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Produktion und Förderung

Gelenkwellen können zu schweren Unfällen führen

von , am
26.11.2013

Angesichts des schweren Unfalls eines Landwirts an einer Gelenkwelle, weist die Landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG) darauf hin, wie wichtig ein Gelenkwellenschutz sein kann.

Die Kleidung des Landwirts war in die Gelenkwelle geraten und schleuderte diesen mehrfach herum. © SVLFG
Laut SVLFG wollte Anfang November ein 59-jähriger Landwirt seine volle Güllegrube leeren. Um die Gülle zunächst mit dem fest installierten Rührwerk aufzurühren, stellte er den Zapfwellenantrieb in der Schlepperkabine an und stellte sich dann an den Güllemixer neben die Gelenkwelle, um ihn mittels der seitlich angebrachten Stellhebel zu bedienen. Dabei wurde seine Arbeitsjacke in Gesäßhöhe von der Gelenkwelle erfasst und eingewickelt. Der Verletzte wurde mehrfach im vollen Radius um die Gelenkwelle geschleudert, so lange bis sein Oberkörper vollständig entkleidet war und er schwer verletzt am Boden liegen blieb.

Sohn fand den schwer verletzten Vater

In dieser Situation wurde er von seinem Sohn, der zum Unfallzeitpunkt mit dem Anhängen des Güllefasses an einer anderen Stelle im Hof beschäftigt war, aufgefunden. Der Sohn schaltete die noch laufende Zapfwelle ab, verständigte den Notarzt und betreute den am Boden liegenden Vater. Der Landwirt hat bei diesem Unfall schwerste Kopf-, Oberkörper- und Armverletzungen erlitten. Er wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und zunächst ins künstliche Koma versetzt. Ursächlich für den Unfall waren der fehlende Gelenkwellenschutztopf am Mixer und dass die Gelenkwelle im oberen Drittel ohne Schutz frei lief. Die ungeschützte Gelenkwelle konnte somit die Arbeitsjacke einziehen und dem Unternehmer durch mehrmaliges Herumschleudern die schweren Verletzungen zufügen.

Anforderungen an den Gelenkwellenschutz

Die Gelenkwelle wird bei jedem An- und Abkuppeln, aber auch während des Betriebes mechanisch besonders belastet, was eine sachgerechte Anordnung der Überlastkupplungen, Weitwinkelgelenke und Schutzvorrichtungen für einen störungsfreien Betrieb wichtig macht.
 
Damit Unfälle mit Gelenkwellen vermieden werden können, müssen Anschlüsse, Gelenke und die Welle selbst allseitig gegen Zugriff geschützt sein.
 
Es gelten folgende Anforderungen:
  • Schutzschild seitlich und über der Zapfwelle des Traktors (Masterschild gemäß ISO 500 oder gleichwertig)
  • Schutztrichter für das Gelenk traktorseits
  • Schutzrohr zusammenschiebbar
  • Schutztrichter für das Gelenk geräteseits
  • Geräteschutztopf an der Maschine
  • Rückhalteketten an der Gelenkwelle, die das Mitdrehen der Schutzrohre verhindern
  • Aufhängekette oder Ablagevorrichtung an der Maschine, die als Halterung der Gelenkwelle bei Nichtgebrauch dient

Daueraufgabe Instandhaltung der Gelenkwellenschutzvorrichtung

Vor der Inbetriebnahme ist zu prüfen, ob Schutztrichter und Schutzrohre mit unterschiedlicher Abwinkelung nicht anstoßen. Die Rückhalteketten, die das Mitdrehen der Schutzrohre verhindern, sind so einzuhängen, dass eine ausreichende Bewegungsfreiheit der Gelenkwelle gewährleistet ist. Die abgekoppelte Gelenkwelle ist in die vorgesehene Halterung zu legen, damit das Gelenk nicht verschmutzt und der Schutztrichter nicht beschädigt wird. Die Rückhaltekette an der Gelenkwelle darf nicht zu deren Aufhängen in Ruhestellung benutzt werden. Dies führt über kurz oder lang zur Beschädigung der Rückhaltekette oder deren Befestigungspunkt am Gelenkwellenschutz. Qualitativ gute Gelenkwellen und Schutzvorrichtungen haben, mit der nötigen Sorgfalt behandelt, eine wesentlich längere Lebensdauer. Die richtige Wartung beinhaltet neben dem regelmäßigen Abschmieren der Gelenke auch das Abschmieren des Gelenkwellenschutzes. Die Instandsetzung einer beschädigten Gelenkwellenschutzvorrichtung muss umgehend erfolgen.
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