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Produktion und Förderung

Gesundheit und Tierwohl in großen Tierbeständen

von , am
23.01.2013

Berlin - Die Bundestierätzekammer erklärte auf dem ErlebnisBauernhof in Halle 3.2, dass sich Tiere in großen Beständen sehr wohl fühlen können, denn die Ställe sind modern und die Technologien auf dem neuesten Stand.

v.l.n.r. Dr. Georg Bruns, Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Prof. Thomas Blaha; Prof. Dr. Uwe Rösler; Prof. Dr. Theo Mantel; Dr. Thomas große Beilage, Prof. Dr. Holger Martens. © Fritz
Die Bundestierärtzekammer hat Journalisten auf den ErlebnisBauernhof in Halle 3.2 eingeladen, um mit ihnen über die Gesundheit und das Tierwohl in großen Beständen zu reden. Ziel war es, der emotional geführten Debatte eine sachliche Diskussion entgegenzusetzen. Die Hauptaussage war ganz eindeutig: Der Antibiotikaeinsatz pro Tier korreliert nicht mit der Bestandsgröße.
 
 
 
 

Die Größe von Tierbeständen ist nicht ausschlaggebend für das Tierwohl

Dr. Thomas Blaha, Professor für Epidemiologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz © Fritz
Prof. Dr. Thomas Blaha, Professor für Epidemiologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz betonte, dass die Größe von Tierbeständen und die Konzentration von Tieren in Regionen einen wesentlich geringeren Einfluss auf das Tierwohl und die Tiergesundheit hätten, als andere Faktoren. Viel wichtiger sei zum Beispiel die Gestaltung des unmittelbaren Lebensbereiches der Tiere, die tiergesundheitsorientierte Organisation der Produktion, die Hygiene und die Qualität der Betreuung durch den Menschen. Und genau in diesen Punkten, hätten größere und vor allem neue Ställe Vorteile.
In großen Beständen lohnt sich die Anschaffung von neuen Technologien, wie Ventilatoren, computergesteuerte Tierüberwachung und vieles mehr. Denn die Kostendegression läuft über die Tierzahl. "In alten, und immer wieder um- und ausgebauten Stallungen, sowie älteren allein auf dem Hof arbeitenden Tierhaltern ohne Nachfolger treten signifikant häufiger Defizite im Tierwohl und in der Tiergesundheit auf als in neuen für die jeweilige Tierart geplanten Stallungen, in denen die Tiere ganztags von Personal mitspezialisierten Wissen betreut werden", betonte der Epidemiologie Blaha.

Informationstechnologien sind ein wesentlicher Schlüssel für mehr Tierwohl

Dr. Thomas Jungbluth, Professor für Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universität Hohenheim © Fritz
Auch Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Professor für Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universität Hohenheim setzt auf moderne Technik, wenn es um das Tierwohl geht. Für ihn seien Informationstechnologien ein wesentlicher Schlüssel für mehr Tierwohl. "Basierend auf der Identifizierung des Einzeltieres ( Milchvieh und Sauen), lässt sich eine hervorragende Gesundheitsüberwachung durchführen. Schlüsseltechnologie ist die Einzeltieridentifizierung, die unbedingt weiter entwickelt werden muss", so Jungbluth. Aufgrund der Tatsache, das Stallneubauten das Tierwohl stärker berücksichtigen als alte Ställe und die Anschaffung von moderner Technik sich nur in größeren Beständen rechnet, schließt Jungbluth einen voranschreitenden Strukturwandel nicht aus.

Antibiotikaeinsatz über das Haltungsmanagement reduzieren

Dr. Uwe Rösler, Professor für Tierhygiene und Infektiologie mit Schwerpunkt Resistenzforschung an der FU Berlin © Fritz
Natürlich wurde auch die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes besprochen, denn das sei der Schlüssel, um die Bildung von Antibiotikaresistenzen zu reduzieren. Dr. Uwe Rösler, Professor für Tierhygiene und Infektiologie mit Schwerpunkt Resistenzforschung an der FU Berlin sagte, "dass ein sorgsamer auf ein Minimum reduzierter Antibiotikaeinsatz  wesentliche Maßnahmen im Haltungsmanagement bedingt, um gesunde und zugleich leistungsfähige Tierbestände zu haben."
 
Die Bundestierärtzekammer fordert die Aufgabe der Anonymität von Tierarzt und Tierhalter und die Erfassung und Auswertung der verabreichten Arzneimittel. Dafür sei die Übertragung in eine zentrale Datenbank nötig. Außerdem sollen Tierärzte künftig ihre Leistungen klar getrennt von den Arzneimitteln abrechnen. So könne kein höherer Verdienst durch höhere Abgabe von Medikamenten erzielt werden.
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