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Produktion und Förderung

Getreide: Den Absatz vor dem Anbau planen

© Mühlhausen/landpixel
von , am
24.10.2014

Vor dem Anbau ist es sinnvoll sich Gedanken über Rentabilität und Absatz der Kultur zu machen. Dabei spielen Fruchtfolgewirkungen, Deckungsbeitrag und Vermarktungswege eine wichtige Rolle.

Bei der Futtergerste sollte der Stickstoffgehalt im Korn über 2 Prozent liegen. © Mühlhausen/landpixel
Bei der Bewertung der Rentabilität  ist der Gesamtdeckungsbeitrag des Betriebes eine wichtige ökonomische Größe. Aber auch der Einfluss der Festkosten, die bei wesentlichen Änderungen in der Ausrichtung des Betriebes angepasst werden müssen, sollte in Betracht gezogen werden. Grundsätzlich ist hervorzuheben, dass die Anbauplanung sich nach der Absatzplanung richten sollte. In vielen Betrieben ist es immer noch umgekehrt, man baut die üblichen Kulturen an und versucht sie oftmals auch erst nach der Ernte gut zu vermarkten.

Erfolgsfaktoren für den Weizenanbau sind:

  • Ertrag
  • Verkaufspreis
  • Kosteneinsparung
Die Betriebe, die das am besten beherrschten, erzielten in den letzten Jahren einen Unternehmergewinn von mehreren 100 Euro je Hektar (€/ha), während in den Niedrigpreisjahren, wie zuletzt bei den Ernten 2008 und 2009, auch deutliche Verluste geschrieben wurden.

Wie Weizen vermarkten?

Eine Teilmengenvermarktung zu günstigen Zeitpunkten scheint neben der Struktur z.B. Kurzzeitlagerung bis einige Wochen nach der Ernte und unter Umständen mit Lieferung an den Endverarbeiter überlegenswert. Eine Terminmarktabsicherung ist dabei ein einfaches und letztlich beim Weizen relativ risikoloses Vermarktungsinstrument, um bessere Erlöse zu generieren und - wie auch dieses Jahr wieder zeigt - die Qualitätsrisiken bei der frühzeitigen Vermarktung vor der Ernte auszuschließen. Das Ziel muss sein, die Stückkosten beim Weizen ab Hof (einschließlich der Lagerung) unter 160 €/t zu drücken.

Was macht die Wintergerste rentabel?

Die Wintergerste wird von vielen "geliebt", scheint jedoch auf den ersten Blick mit Abstand weniger rentabel zu sein. Man muss den langjährigen Rentabilitätsunterschied zum Weizen in Höhe von 400 €/ha jedoch nicht unmaßgeblich bereinigen. Auch die Vermarktung erfolgt stiefmütterlicher. Die Gerste wird oftmals zuerst verkauft und nicht eingelagert und auch nicht gezielt an Veredlungs-/ Zuchtbetriebe vermarktet, denen die Qualität etwas wert ist. Die Ernteentzerrung und die Fruchtfolgeeffekte  u.a. durch einen anschließenden Zwischenfruchtanbau sind nicht unmaßgebliche Vorteile. Bewertet man die vorher genannten Faktoren monetär und ist im Einzelbetrieb der Ertragsunterschied zum Weizen nicht allzu groß, so sollte man die Rolle der Wintergerste überdenken.

Greening macht Gerste attraktiv

Insbesondere im Hinblick auf das Greening, d.h. schon beim kommenden Anbau für das Erntejahr 2015, könnte die Gerste aus pflanzenbaulichen Gründen, aber auch aus Gründen der Prämieneffekte (Zwischenfruchtanbau als Greening-Maßnahme) für einige Betriebe wieder interessanter werden. Das Ziel muss sein, die Stückkosten der Wintergerste ab Hof  d. h. einschließlich der Lagerung unter etwa 165 Euro/t zu drücken.

Erst Absatzplanung, dann Anbauplanung

Grundsätzlich gilt die Anbauplanung nach der Absatzplanung zu richten. "Moderne Landwirte" vermarkten wenn die Situation passt  z.B. bei einer entsprechenden Gewinnmarge  auch vor der Ernte und auch schon vor der Aussaat gewisse Teilmengen, der nachfolgende Anbau ist dann nur noch reine Routine. Eine verstärkte Marktbeobachtung bei neutralen Stellen und eine kontinuierlich Absicherung sind dabei die logischen Schritte.

Fazit: Ackerbaubetrieben geht es besser

Die Gruppe der erfolgreichen Betriebe hat in jedem Jahr einige 100 €/ha höhere Unternehmergewinne als die weniger erfolgreichen Betriebe. Der durchschnittliche Unternehmergewinn in Ackerbaubetrieben lag in den letzten fünf Jahren deutlich über dem Durchschnitt der Ergebnisse der letzten Jahrzehnte. Dabei schnitten erlösstärkere und intensiver wirtschaftende Betriebe bzw. Betriebe mit umsatzstärkerer Fruchtfolge besser ab. Maschinen- und Arbeitskosten bieten immer noch das größte Einsparpotential, die erfolgreiche Vermarktung der erzeugten Produkte gewinnt an Bedeutung. Neben den dargestellten Kulturen gibt es noch die eine oder andere Anbaualternative, die aber zum Betrieb bzw. eher noch zum Betriebsleiter passen muss.
 

Marktreport: Aussichten für den Weizenmarkt

 
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