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Steuer und Finanzen

Getreide: Landwirte schließen kaum Vorkontrakte ab

© agrar-press
von , am
23.03.2012

Bis zu neuen Ernte bleibt die Versorgung mit Getreide eng. Dementsprechend zufriedenstellend sind die Preise für Landwirte. Das schmälert das Interesse an Vorkontrakten.

© krick/agrar-press
Bei Weizen sind noch 15 bis 20 Prozent der letzten Ernte am Markt verfügbar. Gerste, Roggen sowie Raps sind praktisch ausverkauft. Dieses Fazit zog Konrad Weiterer, der Vorsitzender des BVA-Getreideausschusses, anlässlich einer Pressekonferenz von BVA (Bundeverband Agrargewerbliche Wirtschaft) und DVT (Verband Tiernahrung) in Berlin.
 
Vor allem die Mischfutterindustrie hat nach Beobachtung Weiterers ihren Bedarf noch nicht gedeckt. Der Handel beobachtet bei den Landwirten im Unterschied zum Vorjahr wenig Bereitschaft, die doch zufriedenstellenden Preise durch Vorkontrakte abzusichern. Daran ist unter anderem auch die inverse (also nach unten gerichtete) Preisstruktur an den Terminmärkten Schuld. Sowohl für Deutschland und Europa als für die Welt gehen die Märkte derzeit von einer guten Ernte, großen Beständen und rückläufigen Getreidepreisen aus.

Auswinterungsschäden noch unklar

Die bisherigen Angebots- und Preiserwartung für die neue Saison könnte sich nach Einschätzung des BVA-Experten jedoch noch ändern, wenn die für Deutschland und auch für Frankreich diskutierten Auswinterungsschäden konkreter benannt werden können. Bislang sind die Schätzungen jedoch noch sehr vage oder liegen zum Teil auch recht weit auseinander.
 
Gerade wegen der unklaren Auswinterungsschäden halten sich Landwirte auch mit dem Abschluss von Lieferverträgen zurück. Ende März Anfang April dürfte es aber mehr Klarheit über die Höhe der Schäden und die Folgen für den Markt geben.

Rapspreise steigen nicht weiter

Auch beim Raps liegt der Anteil der abgeschlossenen Vorkontrakte deutlich unter dem Wert des Vorjahres. Nach Einschätzung der BVA wird der Markt jedoch nicht die von manchem Erzeuger erwartete Preisschwelle von 500 Euro/t erreichen. Sollten die Preise weiter steigen würden vielmehr die Pflanzenölimporte zunehmen und das Preisniveau dämpfen.
 
An den internationalen Märkten sind die Preise für Eiweißfutter seit Januar deutlich gestiegen. Ursache ist die Trockenheit in Südamerika die zu deutlich unter den Erwartungen bleibenden Sojaernte und einer Verknappung des Angebots geführt hat.

Physischen Handel keiner Meldepflicht unterwerfen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
BVA-Präsident Bruno Fehse begrüßte die Bemühungen von Politikern, extreme Kursschwankungen an den Terminmärkten einzudämmen und die Marktransparenz zu erhöhen. Dies dürfte nach Auffassung Fehses jedoch nicht zu Übertreibungen, wie etwa bei der geplanten Meldepflicht für den außerbörslichen Handel führen. Der physische Handel sollte keiner Meldepflicht unterworfen werden, sonst würde die Bürokratie erheblich vergrößert, die Transparenz jedoch nicht verbessert. Die Festlegung von Preislimits und Positionsgrößen beurteilte Fehse ebenfalls kritisch, denn dies bedeute eine Einschränkung der Handelbarkeit.
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