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Produktion und Förderung

Getreide und Raps vermarkten: die besten Strategien ex Ernte

© Mühlhausen/landpixel
von , am
08.10.2014

Wer im Frühjahr keine Vorkontrakte geschlossen hat, vermarktet jetzt. Wir stellen die besten Strategien vor, um Getreide- und Raps mit Hilfe von Terminkontrakten oder Optionen dennoch richtig zu verkaufen.

Mit einem Plus von 3 Euro scheitert der Weizen knapp an der 180 Euro-Marke. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
Wer es verpasst hat, im Frühjahr Vorkontrakte für Getreide und Raps zu machen, für den ist guter Rat teuer. Das Magazin agrarmanager stellt die besten Strategien ex Ernte vor, um Getreide- und Raps dennoch richtig zu vermarkten.
 
Momentan befinden sich die Notierungen bekanntlich im Sinkflug, wie die Preiskurve für Weizen zeigt: Im Januar 2014 kostete Matifweizen 200 Euro je Tonne (Euro/t), Mitte August 2014 noch 170 Euro/t. Seitdem deutet leider nur wenig auf eine Trendwende nach oben hin. Was tun? 

Getreide- und Raps im Preistal vermarkten - die besten Strategien ex Ernte

Bei niedrigen Erzeugerpreisen müssen in Sachen Vermarktung zwei eigentlich konkurrierende Ziele verfolgt werden: Erstens Liquidität durch den Verkauf der physischen Ware schaffen, ohne zweitens auf einen Preisanstieg im späteren Saisonverlauf zu verzichten. Das geht unter Nutzung von Terminkontrakten und Optionen, beides Instrumente, die an der europäischen Leitbörse Matif gehandelt werden.
 
Erfahren Sie anhand der Beispiel-Ackerbauern Maier, Wagner und Schulze die drei besten Strategien, um Getreide- und Raps richtig vermarkten. Die drei Ackerbauern sind in der gleichen Situation wie bundesweit viele Berufskollegen. Vor dem Drusch haben sie keine einzige Tonne Weizen vermarktet. Alle drei haben ihren Betrieb im Rheinland und haben dort im Juli - dieses Jahr also vergleichsweise früh - jeweils 1.000 Tonnen Weizen gedroschen. 

Strategie 1: Weizenverkauf ex Ernte und im Gegenzug Kauf von Terminkontrakten

Ackerbauer Meier ist optimistisch, dass die Weizenpreise bis zum Winter wieder steigen und will dabei sein, wenn der Preis-Zug nach oben abfährt. Er geht deshalb folgendermaßen vor: Er verkauft seinen kompletten Weizen (B-Qualität) am 15. Juli an seinen Händler vor Ort und erhält dafür netto 179 Euro/t. Am gleichen Tag kauft Maier an der Terminbörse für 180 Euro/t insgesamt 20 Weizenkontrakte, die jeweils 50 t umfassen und eine Laufzeit bis Januar 2015 (Januar-Kontrakt) haben, insgesamt also ebenfalls 1.000 t.
Statt mit seinem physischen Weizen kann er so in den nächsten Monaten mit "virtuellem" Weizen auf einen Preisanstieg wetten.
 
Vorteiledieser Strategie sind:
  • Maier hat keinerlei Kosten für die physische Getreidelagerung
  • Kein Schwund, kein Qualitätrisiko wie bei der physischen Lagerung
  • Maier vereinnahmt für den physischen Weizen 179.000 Euro und kann damit den Pachtzins pünktlich auskehren
  • An der Börse muss für den Kauf der 1.000 t an "virtuellem" Börsen-Weizen nur rund ein Zehntel des tatsächlichen Kaufpreises als Sicherheit hinterlegt werden
  • Börsen-Weizen kann ohne Verhandlungen innerhalb von Sekunden verkauft werden. Dadurch ist Maier bei der Vermarktung flexibler, als wenn er seinen physischen Lagerweizen vermarkten müsste
Achtung: Kommt es beim Börsenweizen zum Preisverfall, muss Maier Geld auf sein Börsenkonto nachschießen, Börsianer sprechen vom sogenannten Margin-Call. Fällt der Weizenpreis von 180Euro/t auf zum Beispiel 160 Euro/t, werden 20.000 Euro Nachschuss fällig (20 Euro/t × 1.000 t). Diesen Verlust hätte Maier aber auch, wenn er seinen Weizen ins Lager gepackt hätte, denn dann wäre dieser Weizen ebenfalls 20.000 Euro weniger Wert - auch wenn nicht tatsächlich Geld von seinem Konto abfließt.
 
Ist es eigentlich legitim, als Ackerbauer an der Börse auf steigende Weizenpreise zu wetten? Letztlich besteht kein Unterschied zu Landwirten, die ihren Weizen nach der Ernte ins Lager packen und auf später steigende Preise "spekulieren". Nur, dass diese bis zum tatsächlichen Verkauf kein Geldin die Kasse bekommen und das Lagerrisiko bleibt.

Strategie 2: Weizenverkauf ex Ernte und im Gegenzug Kauf von Call-Optionen

Die Ausgangssituation für Ackerbauer Schulze ist die gleiche wie bei seinem Kollegen Maier: Er hat keine Vorverträge gemacht und muss deshalb noch die kompletten 1.000 t Weizen vermarkten. Doch Schulze ist zuversichtlich, dass die Weizennotierungen bis zum Winter aus dem Keller kommen und will von diesem Preisanstieg profitieren. Schulze verkauft seinen kompletten B-Weizen am 15. Juli an den Händler vor Ort und erhält dafür netto 179 Euro/t.
 
Anders als Maier kauft Schulze im Gegenzug aber keine Terminkontrakte, sondern er erwirbt an der Börse sogenannte Call-Optionen (Kaufoptionen). Mit solchen Calls kann er ebenfalls auf einen Preisanstieg in den nächsten Monaten wetten. Das Prinzip: Die Call-Option wird wertvoller, wenn die Weizenpreise im weiteren Saisonverlauf steigen. Durch den Kauf der Option nimmt Mayer ohne Lagerrisiko und bei sofortiger Bezahlung der Ware an weiteren Preissteigerungen teil.
 
Hierbei werden der Liquiditätsbedarf von Schulze in der Ernte und der Wunsch, an einem möglichen Preisanstieg teilzuhaben, kombiniert. Bei herkömmlichen Geschäften schließen sich der Verkauf der Ware und die Teilhabe an einem künftigen Preisanstieg aus.
 
Vorteile dieser Strategie sind:
  • Keine Lagerkosten, kein Schwund, kein Qualitätsrisiko
  • Schulze ist durch den physischen Verkauf seines Weizens liquide
  • Das finanzielle Risiko ist - anders als bei Strategie 1 mit möglichen Marginzahlungen - auf die bezahlte Optionsprämie begrenzt (5,50 Euro/t)

Strategie 3: Einlagerung der physischen Ware und Verkauf von Call-Optionen

Landwirt Wagner, der dritte rheinische Ackerbauer im Bunde, ist in Sachen Weizenpreis pessimistischer als seine Kollegen Maier und Schulze. Er rechnet aufgrund der weltweit komfortablen Versorgung in den nächsten Monaten nicht mit einer Trendwende nach oben bei den Weizenpreisen. Er fährt deshalb eine andere Strategie bei der Weizenvermarktung.
 
Schulze lagert seine 1.000 t Weizen nach der Ernte zunächst ein. Parallel zur Einlagerung verkauft er am 15. Juli an der Börse Call-Optionen. Er erlöst dafür eine Gebühr, die sogenannte Options-Prämie. Wagner fungiert also - stark vereinfacht dargestellt - als Versicherungsgesellschaft, die seinem Gegenüber an der Börse einen bestimmten Weizen-Höchstpreis garantiert. Steigt der Weizenpreis in den nächsten Monaten, resultiert daraus für Schulze eine Zahlungsverpflichtung. Dieser finanzielle Verlust wird aber dadurch kompensiert, dass der Wert seines Lagerweizens ebenfalls steigt.
 
Vorteile dieser Strategie sind:
  • Wagner vereinnahmt eine sichere Prämie aus dem Optionsverkauf (5,50Euro/t) und tauscht diese gegen die unsichere Möglichkeit eines späteren Preisanstiegs
  • Es besteht die Möglichkeit, von sogenannten Basisveränderungen zu profitieren. Konkret realisiert Schulze einen Zusatzgewinn, wenn sich der Kassapreis relativ zum Börsenpreis verteuert.
Aktuelle Marktdaten finden Sie in unserer Rubrik Märkte und Preise. mehr...

Marktreport: Weizenpreise 'down under'

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