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Produktion und Förderung

Getreideernte 2012: Produktion deckt nicht den Bedarf

© agrar-press
von , am
19.04.2012

Die deutsche Getreideernte 2012 könnte noch kleiner ausfallen als im schwachen Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV)in seiner zweiten Ernteprognose in diesem Jahr.

RGT Reform ist in diesem Jahr die Spitzen-Winterweizensorte. © agrar-press
Dabei korrigiert der DRV die Gesamtgetreideernte gegenüber der Märzschätzung deutlich um 3,4 Millionen Tonnen (Mio. t) oder fast acht Prozent nach unten. Auch im Vergleich zum Jahr 2011 wäre die neue Ernte mit 41,3 Mio. t rund 1,3 Prozent (%) oder 0,56 Millionen Tonnen kleiner.
 
Damit würde die deutsche Versorgungsbilanz das zweite Jahr in Folge negativ bleiben, denn der Inlandsbedarf an Getreide liegt zwischen 43 und 44 Millionen Tonnen. Auch die Handelsbilanz wäre erneut negativ.
 
Die Hauptursache für die kräftige Korrektur der Produktionsdaten sind die massiven Auswinterungsschäden die vielerorts zunächst unterschätzt wurden.

Kleinste Weizenernte seit 2003

Beim Winterweizen hat der DRV seine Produktionsprognose auf 20,86 Millionen Tonnen zurückgenommen. Dabei hat der DRV die Anbaufläche 2012 im Vergleich zur letzten Schätzung um 180.000 Hektar (ha) reduziert (Umbruch). Die Produktionsmenge liegt jetzt gut zwölf Prozent unter der Märzschätzung und knapp sieben Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahreswert von 22,96 Mio. t. Dies wäre die kleinste deutsche Weizenernte seit dem Jahr 2003.
 
Beim Sommerweizen geht der DRV hingegen sowohl im Vergleich zur letzten Prognose als auch gegenüber dem Vorjahr von einer kräftigen Anbauausweitung aus. Entsprechend wird sich hier die Produktionsmenge auf 0,59 Mio. t fast verdoppeln.

Gerste beliebt weiter sehr knapp

Deutlich nach unten gesetzt hat der DRV auch seine Ernteschätzung für Wintergerste. Hier veranschlagt man die aus der Produktion fallenden Flächen (Umbruch) auf 55.000 ha und die Gesamtanbaufläche auf 1,19 Millionen Hektar. Die erwartete Produktionsmenge liegt mit 6,8 Mio. t jetzt nur noch knapp über der ausgesprochen schwachen Vorjahresernte von 6,68 Mio. t und rund eine Million Tonnen unter der Märzschätzung des DRV von 7,8 Millionen Tonnen.
Ursache für den Produktionsrückgang sind die Auswirkungen von Frost und Trockenheit auf die erwarteten Erträge. Damit wird jedoch die Versorgunglage bei diesem wichtigen Futtergetreide auch 2012 ausgesprochen eng blieben und auch das Exportpotential wird ebenfalls erheblich begrenzt.
 
Gut überstanden hat die Frostperiode hingegen der Roggen. Hier wurden die Flächen- und Ertragsschätzungen kaum korrigiert, so dass die Ernteerwartung mit 3,1 Mio. t mehr als 20 Prozent über dem Vorjahr liegt.

Anbau von Sommergerste und Mais ausgeweitet

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Profitiert hat von den Schäden bei Wintergetreide die Sommergerste. Trotz des knappen Saatgutes verzeichnet man gegenüber der Märzschätzung einen leichten Flächenzuwachs und erwartet mit 2,23 Mio. t eine rund acht Prozent größere Ernte als im letzten Jahr.
 
Auch der Mais konnte von den Ausfällen beim Wintergetreide profitieren und die Flächen nahmen gegenüber der Märzschätzung um knapp 30.000 ha auf 0,52 Millionen Hektar zu. Die Ertragsprognose liegt mit 4,96 Millionen Tonnen nur noch knapp unter dem Rekordwert des Jahres 2011.
 
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