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Produktion und Förderung

Getreidepreise: Bulle oder Bär?

von , am
25.07.2012

Es bleibt spannend an den Märkten. Analysten diskutieren, ob das vergangene Preishoch nur ein Strohfeuer war, oder ob ein Zwischentief neuen Atem für noch höhere Preissprünge verschaffen soll.

© tom - Fotolia.com
Analysten streiten, ob die Preisrallye der vergangenen Wochen ein Strohfeuer war und die bearishe - also eher negative - allgemeinwirtschaftliche Stimmung sowie vielleicht doch die über den Erwartungen liegenden Erträge in Frankreich oder Deutschland im weiteren Saisonverlauf ihre Schatten auf die Märkte und Preise werfen werden; oder ob das Nachgeben der Preise nur ein Zwischentief beziehugsweise ein Atemholen für weitere bullishe - also steigende - Veränderungen der Fundamentals mit einen noch höheren Preissprung ist.
 
Die Rallye der Getreide-, Mais- und Weizennotierungen an den internationalen Warenterminbörsen legte zu Beginn dieser Woche vorerst einmal eine Verschnaufpause ein und die Notierungen sanken unter die Preisspitzen der Vorwoche mit Allzeit-Hochs zum Beispiel für Mais und Soja an der Chicagoer CBoT.
Eurokrise und Co
 
Die Angst vor einer Eurokrise bescherte den Agrar-Commodities am Montag noch vergleichsweise moderate Verluste, während sie den Industrierohstoff- und Aktienmärkten einen echt schwarzen Montag einbrockte. Nicht einmal der am Monat nach Börseschluss veröffentlichte fundamental bedeutsame Wochenbericht "Crop Progress " des US-Landwirtschaftsministeriums USDA konnte am Dienstag Vormittag die Talfahrt der Getreidenotierungen an den Börsen jenseits und diesseits des Atlantiks stoppen - im Gegenteil: Der Kursverfall beschleunigte sich sogar noch.
 

Schlecht Meldungen von der Südhalbkugel

Denn auch von der Südhalbkugel, wo die Ernten im kommenden Winter anstehen, kommen beunruhigende Meldungen. Australien leidet unter Trockenheit und revidiert seine Erwartungen an die Weizenernte zurück, in Argentinien pfeifen die Landwirte auf die Abzocke ihrer Regierung mit Weizenexportsteuern und bauen bis zu einem Viertel weniger Weizen an und in Indien lassen die Monsunregen auf sich warten.
 
Dramatische Fundamentaldaten wie die Rekord-Dürre in den USA sowie die in der Hitze dahinschmelzenden Ertrags- und Exportpotenziale der Schwarzmeerländer Russland, Ukraine und Kasachstan rücken in den Fokus der Stimmungsbarometer an den Börsen.

Schlechte Maisernte der USA lässt Weltmärkte erzittern

Die USA sind mit einer Produktion von 314 Millionen Tonnen(Mio. t.)  Mais, wovon sie 42 Mio. t ausführen, der weltgrößte Maisexporteur. Ihr Anteil am Weltmarkt von 96,4 Mio. t beträgt 44 Prozent (%). Gleichzeitig weisen die US-Maisendbestände einen beängstigend niedrigen Stand von 22,94 Mio. t aus. Das ist gemessen am Verbrauch inklusive Export eine Ratio stock to use von 7,2 % (global: rund 14 %), wobei alles unter 20 % als bullish gilt.
 
Ernteausfälle in den USA in der Größenordnung von 46 Mio. t, wie zuletzt prophezeit, oder mehr als einem Jahresexport lassen daher den gesamten Weltmarkt erzittern. Der Analyst F.O. Licht revidierte am Dienstag die US-Maisernte 2011 sogar auf 295 Mio. t nach unten, während das USDA noch bei 330 Mio. t liegt. Dies wäre der kleinste Maisertrag seit 2006 und würde eine Ratio von stock to use 2012/13 von gar nur 6,2 % bedeuten.

Erträge in Europa sinken

Ähnlich ist die Situation in Europa: Der agro-meteorologische Dienst der EU, MARS, revidierte in seinem Juli-Report am Montag die Ertragserwartungen in der EU bei Körnermais auf 6,7 Tonnen pro Hektar (t/ha). Im Juni rechnete man noch mit  7,4 t/ha sowie die Weichweizenerträge auf 5,57 t pro ha nach 5,6 t pro ha in der Juni-Prognose. Die Erwartungen an die Wintergerstenerträge blieben mit 5,1 t pro ha unverändert.
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