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Getreidemarkt und Ukrainekrieg

Getreidepreise in Polen fallen wegen ukrainischer Importe

Getreide abladen.
am Donnerstag, 25.08.2022 - 12:04 (1 Kommentar)

Polnische Landwirte sagen, dass ukrainisches Getreide, das für Transit bestimmt ist, nach Polen kommt und die lokalen Getreidepreise drückt.

Getreidesilos.

Polen gehört auch in diesem Jahr zu den größten Getreideexporteuren der EU. Die Ausfuhr erfolgt in der Regel über die polnischen Ostseehäfen. In den ersten sechs Wochen haben die Polen bereits 550.000 Tonnen Weizen in Drittländer verkauft. Deutschland kommt gerade einmal auf 110.000 Tonnen. Üblicherweise konkurriert Polen (wie die anderen Europäer) beim Export auch mit ukrainischen und russischen Getreideverkäufen in Drittländer in Afrika und im Nahen Osten.

Polnische Medien und die Deutsche Welle (DW) berichten nun über Landwirte in Polens südöstlichen Grenzprovinzen, die darüber berichten, dass sehr preiswertes ukrainisches Getreide, dass für den Export in den Nahen Osten und nach Afrika bestimmt ist, auf den polnische Markt fließt und die Getreidepreise in Polen drückt.

„Von dem Getreide, das jetzt aus der Ukraine herauskommt, fließen etwa 80 % durch Polen – und vieles gelangt auf die lokalen Märkte und drückt die Preise“, behauptet jedenfalls Jan Bieniasz, Geschäftsführer einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, gegenüber der DW.

Händler bestätigen, dass der Weizen-Preis in der Ukraine wegen der russischen Bedrohung extrem niedrig ist: "In Polen zahlen sie mir für ein Kilo Weizen das Dreifache,“ sagt der belgische Landwirt Christof Conings, der in Ukraine bei Luhansk einen Betrieb hat und sein Getreide über die Grenze nach Polen verkauft, gegenüber der belgischen Zeitung Brüssel Times.

Sehr viel Getreide fließt nach Polen

Am 12. Mai sagte die Europäische Kommission, sie werde beim Transport von Getreide aus der Ukraine helfen, indem sie „Solidaritätskorridore“ von der polnisch-ukrainischen Grenze zu den Häfen an der Ostsee einrichten würde. US-Präsident Joe Biden versprach außerdem Hilfe, um die Silolagerung (temporäre Getreidesilos an der polnisch-ukrainischen Grenze) sicherzustellen.

Im Juli unterzeichneten Russland und die Ukraine dann ein Abkommen zur Freigabe ukrainischer Getreideexporte, die seit Februar blockiert sind. Das Abkommen zwischen den beiden Konfliktparteien hat Hoffnungen geweckt, dass die globale Ernährungssicherheitskrise nun abgemildert werden kann, aber auch die globalen Getreidepreise massiv ins Rutschen gebracht.

Das Abkommen solle es der Ukraine ermöglichen, die blockierten 22 Millionen Tonnen Getreide in die Häfen von Odessa und Yuzhne zu exportieren und auch die neue Ernte am Weltmarkt über die Schwarzmeerhäfen auszuführen.

Doch der Bedarf der Ukraine an polnischen (und anderen europäischen) Transitrouten wird wahrscheinlich noch lange anhalten, glauben viele polnische Landwirte.

Landwirte sprechen von Preiskampf

Landwirt Bieniasz geht davon aus, dass auch künftig nur 10 bis 20 % des ukrainischen Getreides über die Schwarzmeerhäfen verschifft wird. Der Rest wird über Land abgesetzt, und die größten Mengen gehen durch Polen. „Niemand hat darüber nachgedacht, wie das gehandhabt und kontrolliert werden soll. Es gibt kein System“, sagte Bieniasz, gegenüber DW. Nach polnischen Schätzungen gelangt etwa ein Drittel des ukrainischen Getreides nach Polen.

Doch der ehemalige Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sagte der DW, dass niemand wirklich wisse, wie viel Getreide über die Grenze komme. Wir haben keine Garantie dafür, dass das Getreide, das nur durch den Transit gehen sollte, nicht in Polen verbleibt, sagen Kritiker deshalb. An der Grenze wird nur die von polnischen Unternehmen importierte Getreidemenge analysiert – das waren etwa 700.000 Tonnen in den letzten zwei Monaten.

Der Bauernverband AGROunia sagt, Getreide aus der Ukraine fließt in nie dagewesenem Umfang" nach Polen. „Das Informationschaos und die Verbreitung falscher Informationen über Millionen Tonnen Getreide, die von jenseits der ukrainischen Grenze nach Polen kommen, sind ein großes Problem“, hatte der polnische Landwirtschaftsminister Henryk Kowalczyk kürzlich gesagt.

Er hat versucht, die Landwirte zu beruhigen, indem er sagte, dass höhere Getreideimporte nach Polen mit erhöhten Exporten einhergehen. „Sechshundertvierzigtausend Tonnen aus der Ukraine sind nicht viel, wenn wir es mit der Tatsache vergleichen, dass Polen 24 Millionen Tonnen pro Jahr produziert“, sagte Kowalczyk.

Landwirt Bieniasz argumentiert jedoch, dass jedes Unternehmen legal ukrainisches Getreide an der Grenze kaufen könne und dass es mindestens 20 % billiger sei als polnisches Getreide. „Das führt zu einem Preiskampf“, sagte er.

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