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Produktion und Förderung

Glyphosateinsatz? Experten sagen 'ja'

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von , am
04.07.2014

Glyphosat - ja oder nein? Dazu gibt es viele Meinungen. Im Agrarausschuss geladene Experten plädierten am Mittwoch für "ja" - allerdings mit einigen Anmerkungen.

Grundsätzlich ist der Einsatz von Glyphosat zur Sikkation nicht durch das Pflanzenschutzgesetz gedeckt. © landpixel
Wie ist der Wirkstoff Glyphosat in Pflanzenschutzmitteln zu beurteilen? Um sich zu diesem Thema eine Meinung zu bilden, hat der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft ein Fachgespräch abgehalten.
 
Ganz grundsätzlich wollten die geladenen Experten den Wirkstoff nicht ablehnen. Im Vergleich zu aktuell verfügbaren Alternativen sei Glyphosat "aktzeptabel". Der Einsatz von Glyphosat zur Sikkation sei durch das Pflanzenschutzgesetz jedoch nicht abgedeckt.

Glyphosateinsatz in Deutschland konstant, weltweit steigend

Glyphosat ist nach Darstellung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, die zur Unkrautbekämpfung oder zur Beschleunigung des Reifeprozesses bei Getreide (Sikkation) verwendet werden. In Deutschland werden pro Jahr rund 5.900 Tonnen Glyphosat in der Landwirtschaft und etwa 40 Tonnen im Haus- und Kleingartenbereich ausgebracht.
 
"Damit ist der Verbrauch in Deutschland als konstant einzuschätzen", sagte Dr. Hans-Gerd Nolting vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Dagegen sei weltweit mit rund 650.000 Tonnen ein steigender Verbrauch zu erkennen.

Einsatz zur Vorererntebehandlung gesetzlich nicht gedeckt

Nach derzeit gültigen Anwendungsbestimmungen ist in der Bundesrepublik das Ausbringen von rund drei Kilogramm Glyphosat pro Hektar und Jahr erlaubt. Den Einsatz von Glyphosat bei der Vorerntebehandlung betrachtet Nolting hingegen nicht als normale Anwendung. "Die Reifebeschleunigung wird nicht durch das Pflanzenschutzgesetz abgedeckt."
 
Dennoch bleibe die Sikkation nicht ganz ausgeschlossen, wenn es auf Feldern "Durchwuchs" gebe: "Dann wäre eine Teilbehandlung möglich."
Probleme sieht Nolting im Haus- und Kleingartenbereich. "Die Anwendung auf versiegelten Flächen wird im Zulassungsverfahren für entsprechende Mittel nicht mehr genehmigt." Die Genehmigungen für bestehende Mittel lasse man auslaufen.

Im Vergleich 'ist es akzeptabel'

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), sprach sich dafür aus, dass es das Ziel sein sollte, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln generell zurückzufahren. Zwar sei Glyphosat unter den Totalherbiziden (Unkrautbekämpfungsmittel) das Mittel, das am umfänglichsten eingesetzt werde, doch ein Verbot des Wirkstoffes befürwortete sie nicht, denn "im Vergleich zu den zur Verfügung stehenden Mitteln ist es akzeptabel".
 
Risikomanagement in der Ackerbewirtschaftung einführen
 
Problematisch sah Krautzberger jedoch die indirekten Effekte des Wirkstoffes auf die biologische Vielfalt. "Es handelt sich dabei nicht um einen unmittelbaren Effekt, sondern um den Verlust der Vielfalt im Umfeld der Äcker." So würden insbesondere Vogelarten im Umfeld der Felder keine ausreichende Nahrungsgrundlage vorfinden. Das führe zum Rückgang der Bestände.
 
Aus diesem Grund plädierte die UBA-Präsidentin dafür, ein Risikomanagement in der Ackerbewirtschaftung verpflichtend einzuführen. Durch die Bereitstellung unbehandelter Feldflächen für Ackerkräuter soll Vögeln mehr Lebensraum ermöglicht werden. 

Zulassung vieler schwieriger Beistoffe läuft dieses Jahr aus

Auch Dr. Roland Solecki vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sprach sich für Glyphosat aus, weil es eine relativ geringe Toxizität (Giftigkeit) aufweise. Mögliche schädliche Effekte des Wirkstoffes in Kombination mit sogenannten Beistoffen, den Tallowaminen, würden entschärft. Denn die Zulassung vieler der Beistoffe, die im Vergleich eine höhere Toxizität aufweisen würden, laufe noch in diesem Jahr aus.
 
Auf die verbreiteten Sorgen im gesundheitlichen Bereich mit einem Verbot von Glyphosat zu reagieren, empfahl Solecki ebenfalls nicht, weil alternativ nur auf gefährlichere Mittel zurückgegriffen würde. "Dann sollten alle Mittel verboten werden."

Zu teuer: Verschwenderischer Umgang unwahrscheinlich

Zudem sei das BfR zu dem Ergebnis gekommen, dass von Menschen aufgenommenes Glyphosat ausgeschieden werde. Die berechneten Aufnahmemengen würden außerdem unter den Grenzwerten liegen. Bei sachgerechtem Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln gebe es keine schädigenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier.
 
Dass das auch bei der Anwendung auf den Feldern gelte, nahm Dr. Gerhard Gündermann, Vizepräsident des Julius Kühn-Instituts (JKI), an. "Die Landwirte sind gut ausgebildet in Fragen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln", schätzte er ein. Dafür spreche, dass die Landwirte der sogenannten guten fachlichen Praxis folgen und Pflanzenschutzmittel nicht billig seien. Verschwenderischer Umgang mit Glyphosat lohne sich nicht.

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