Login
Produktion und Förderung

Grüne Gentechnik - Segen, Fluch oder beides?

von , am
11.03.2011

BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen drei Landwirte, wie sie über Gentechnik denken.

© oekolandbau.de
Kein Vorteil für die Landwirtschaft
Ulrich Steul, 61138 Niederdorfelden Hessen
 
"Meine Meinung zur Grünen Gentechnik: Ich denke nicht, dass am Ende ein Vorteil für die Landwirtschaft dabei rauskommt. Vielmehr wird die Abhängigkeit von Konzernen steigen, so wird nämlich der eigene Nachbau erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Ein Jahrhundertealtes Verfahren, die eigene Ernte wieder auszusäen, soll hier abgeschafft werden. Die Kooperation von Pflanzenzucht und chemischer Industrie legt die Vermutung nahe, dass es in Zukunft dann nur noch "Packs" aus Saatgut mit Pflanzenschutzmittel gibt. Hier kann ich nicht mehr selbst wählen, bzw. ein günstigeres Produkt einsetzen. Das macht den Markt kleiner, Konkurrenten verschwinden, die Preismacht einzelner wird größer. Unvorhersehbar finde ich tatsächlich die Folgen für die Umwelt und andere Organismen. Länder in denen Gentechnik schon seit Jahren eingesetzt wird, haben ja auch nicht unbedingt nur positive Erfahrungen damit gemacht (z. B. das Verbot der gentechnisch veränderten Zuckerrüben in den USA vergangenes Jahr und die erneute Zulassung). Warum der Landwirt die moralische Instanz sein muss, ist mir nicht klar. Letztendlich wird doch nur produziert was nachgefragt wird. Ich finde den Trend bedenklich, wenn ich moralische Entscheidungen treffen muss, die eigentlich Aufgabe des Verbrauchers sind. Wenn dieser gentechnisch veränderte Produkte nicht nachfragt, werden sie auch nicht produziert. Dabei setze ich eine hundertprozentige Kennzeichnung auch in der zweiten und dritten Verarbeitungsstufe zwingend voraus, wie die Kennzeichnung der Milch, wenn eine Kuh gentechnisch veränderten Mais gefressen hat. Ich denke, wir sollten unserer Verantwortung gerecht werden eine intakte Kulturlandschaft auch unseren Kindern zu hinterlassen. Wie die wirtschaftlichen Zwänge in der Zukunft aussehen, kann man auch nicht wissen. Vielleicht gibt es in Zukunft Schädlinge, die nur noch durch die Gentechnik aufgehalten werden können. Solange wir aber nicht gezwungen sind und nach wie vor gute Ernten einfahren, würde ich persönlich von Gentechnik die Finger lassen." mehr ...
 
Zu unsicher für unsere Äcker
Malte Lohmann, 27383 Scheeßel Niedersachsen
 
"Wir (die Landwirte) können uns vor dem Einsatz der Gentechnik wahrscheinlich nicht auf Dauer im Weltmarkt (USA) verschließen. Mir persönlich ist aber die Gentechnik zu unsicher für unsere Äcker." mehr ...
 
Gentechnik oft nur Selbstdarstellung der Firmen
Mathias Flachenecker, 90427 Nürnberg Bayern
 
"Für mich sieht es irgendwie so aus als ob manche Firmen, in diesem Fall BASF und KWS, nur zu reiner Selbstdarstellung in der Welt Züchtungen machen wollen, welche von den Verbrauchern und Produzenten aber nicht wirklich gewollt und angenommen werden. Ich sehe darin im Moment nur einen enormen Aufwand von finanziellen Mitteln, um irgend geartete Ergebnisse präsentieren zu können, nur um am Markt und im Gespräch zu bleiben. Vieles was diese Konzerne planen und machen ist weltfremd und meist weit entfernt von dem was man "kundenspezifisch" oder "praxisorientiert" nennt. Im Grundsatz habe ich nichts gegen die Genzüchtung, solange man damit Züchtungen zeitlich verkürzen kann, aber nur wenn diese Züchtung auch auf dem "normalen" Weg möglich wäre. Völlig artfremde Gene miteinander zu kombinieren, kann nicht wirklich gut sein. Um dazu genaue Aussagen machen zu können, müsste man Langzeitversuche laufen lassen, welche aber eben durch die extreme Gefahr nur sehr schwer machbar wären." mehr ...
 
Angelika Sontheimer, Freie Agrarjournalistin und Ewa Stüwe, Redaktion Joule

Grüne Gentechnik - Fluch, Segen oder beides?

Ulrich Steul, 61138 Niederdorfelden Hessen

Hessen - BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen Ulrich Steul nach seiner Meinung.


"Ich bewirtschafte einen Ackerbaubetrieb mit, 100 Hektar in der Rhein-Main Region. Im Anbau habe ich 55 Prozent Winterweizen, 25 Prozent Winterraps, zwölf Prozent Futtererbsen und acht Prozent Zuckerrüben.

Kein Vorteil für die Landwirtschaft

Meine Meinung zur Grünen Gentechnik: Ich denke nicht, dass am Ende ein Vorteil für die Landwirtschaft dabei rauskommt. Vielmehr wird die Abhängigkeit von Konzernen steigen, so wird nämlich der eigene Nachbau erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Ein Jahrhundertealtes Verfahren, die eigene Ernte wieder auszusäen soll hier abgeschafft werden. Die Kooperation von Pflanzenzucht und chemischer Industrie legt die Vermutung nahe, dass es in Zukunft dann nur noch "Packs" aus Saatgut mit Pflanzenschutzmittel gibt. Hier kann ich nicht mehr selbst wählen, bzw. ein günstigeres Produkt einsetzen. Das macht den Markt kleiner, Konkurrenten verschwinden, die Preismacht einzelner wird größer. Unvorhersehbar finde ich tatsächlich die Folgen für die Umwelt und andere Organismen. Länder in denen Gentechnik schon seit Jahren eingesetzt wird, haben ja auch nicht unbedingt nur positive Erfahrungen damit gemacht (z. B. das Verbot der gentechnisch veränderten Zuckerrüben in den USA vergangenes Jahr und die erneute Zulassung). Warum der Landwirt die moralische Instanz sein muss, ist mir nicht klar. Letztendlich wird doch nur produziert was nachgefragt wird. Ich finde den Trend bedenklich, wenn ich moralische Entscheidungen treffen muss, die eigentlich Aufgabe des Verbrauchers sind. Wenn dieser gentechnisch veränderte Produkte nicht nachfragt, werden sie auch nicht produziert. Dabei setze ich eine hundertprozentige Kennzeichnung auch in der zweiten und dritten Verarbeitungsstufe zwingend voraus, wie die Kennzeichnung der Milch, wenn eine Kuh gentechnisch veränderten Mais gefressen hat. Ich denke, wir sollten unserer Verantwortung gerecht werden eine intakte Kulturlandschaft auch unseren Kindern zu hinterlassen. Wie die wirtschaftlichen Zwänge in der Zukunft aussehen, kann man auch nicht wissen. Vielleicht gibt es in Zukunft Schädlinge, die nur noch durch die Gentechnik aufgehalten werden können. Solange wir aber nicht gezwungen sind und nach wie vor gute Ernten einfahren, würde ich persönlich von Gentechnik die Finger lassen.
 

Grenzen im Promillebereich mit hohen Bußgeldern

Die Nulltoleranz bei Saatgut ist natürlich ein unkalkulierbares Risiko für die Vermehrer. Hier muss eine praxisgerechte Toleranz her, dass nicht schon bei allergeringsten Spuren umgebrochen werden muss. Aber der Vermehrer darf auch nicht zu leichtfertig damit umgehen. Die Haftung muss hundertprozentig beim Vermehrer liegen. Die Strafe muss schmerzlich sein, letztendlich geht es auch hier darum, einen genetischen (Saatgut-) Pool rein zu halten. Beim Futtermittel sehe ich es ebenso, es darf nicht zu einer Art Freibrief für die kontrollierte Beimischung kommen. Denkbar wäre hier eine Grenze im geringsten Promille-Bereich, verbunden mit hohen Bußgeldern."
 

Grüne Gentechnik - Fluch, Segen oder beides?

Malte Lohmann, 27383 Scheeßel Niedersachsen

Niedersachsen - BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen Malte Lohmann nach seiner Meinung.


"Ich heiße Malte Lohmann und bin Angestellter auf dem Betrieb meiner Eltern. Unser Betrieb liegt in der Nähe von Rotenburg/Wümme in Niedersachsen in einer sehr dicht besiedelten Region. Leitfrucht ist der Mais, überwiegend für Biogas. Wir haben uns auf Schweinemast und Ackerbau spezialisiert. Wir bewirtschaften vorwiegend auf sandigen Böden 240 Hektar Ackerland mit überwiegendem Maisanbau (120 Hektar), Getreide (80 Hektar), Kartoffeln (18 Hektar) und Zuckerrüben (22 Hektar).

Zu unsicher für unsere Äcker

Wir (die Landwirte) können uns vor dem Einsatz der Gentechnik wahrscheinlich nicht auf Dauer im Weltmarkt (USA) verschließen. Mir persönlich ist aber die Gentechnik zu unsicher für unsere Äcker. Zu der Frage nach Grenzwerten beim Saatgut: Geringe Anteile sollte man tolerieren, da man 0,0 Prozent nie garantieren kann. Allerdings ist es schon sehr wertvoll und wichtig, dass eine Instanz kontrolliert, dass kein gentechnisch verändertes Saatgut in das konventionelle Saatgut gelangt."

Grüne Gentechnik - Fluch, Segen oder beides?


Bayern - BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen Matthias Flachenecker nach seiner Meinung.


"Mein Name ist Mathias Flachenecker, ich bin von Beruf Gärtnermeister. Unser Betrieb, der auf Gemüsebau spezialisiert ist, liegt im Knoblauchsland zwischen Nürnberg und Fürth. Wir bewirtschaften im Moment circa 25 Hektar Freiland und rund 2.500 m2 unter Glas. Unser Sortiment besteht zur einen Hälfte aus Kartoffeln, zur anderen aus vielen verschiedenen Gemüsekulturen von A wie Aubergine bis Z wie Zuchini.

Gentechnik oft nur Selbstdarstellung der Firmen

Für mich sieht es irgendwie so aus als ob manche Firmen, in diesem Fall BASF und KWS, nur zu reiner Selbstdarstellung in der Welt Züchtungen machen wollen, welche von den Verbrauchern und Produzenten aber nicht wirklich gewollt und angenommen werden. Ich sehe darin im Moment nur einen enormen Aufwand von finanziellen Mitteln, um irgend geartete Ergebnisse präsentieren zu können, nur um am Markt und im Gespräch zu bleiben. Vieles was diese Konzerne planen und machen ist weltfremd und meist weit entfernt von dem was man "kundenspezifisch" oder "praxisorientiert" nennt.
Im Grundsatz habe ich nichts gegen die Genzüchtung, solange man damit Züchtungen zeitlich verkürzen kann, aber nur wenn diese Züchtung auch auf dem "normalen" Weg möglich wäre. Völlig Artfremde Gene miteinander zu kombinieren, kann nicht wirklich gut sein. Um dazu genaue Aussagen machen zu können, müsste man Langzeitversuche laufen lassen, welche aber eben durch die extreme Gefahr nur sehr schwer machbar wären.

Zertifikate, die die Echtheit bestätigen

Zur Frage der Nulltoleranz: Auch hier sehe ich es so, dass man die Nulltoleranz Grenze nicht zu eng sehen dürfte. Wenn natürliche Züchtungen und Kreuzungen durch Gentechnik nur in der Entwicklungsgeschwindigkeit verbessert wurden, sollten solche Futtermittel zugelassen sein. Bei allen anderen "Quer"-Züchtungen muss man eben unterscheiden oder mit Zertifikaten die "Natürlichkeit" bestätigen, auch wenn das in der Praxis oft schwer ist, denn Papier ist bekanntlich geduldig."
 
Mathias Flachenecker
90427 Nürnberg Bayern
 
Auch interessant