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Berechnung der Grundsteuer

Grundsteuer: 2.500 Euro statt 198 Euro zahlen – Ein Rechenfehler?

Grundsteuer.
am Donnerstag, 01.12.2022 - 11:30 (Jetzt kommentieren)

Ein Grundstückseigentümer in Bayern soll künftig das 13-fache der bisherigen Grundsteuer zahlen. Statt bisher 198 Euro sollen es dann gut 2500 Euro sein. Dabei soll die neue Grundsteuer eigentlich für die Eigentümer keine Mehrbelastung bringen, hieß vor der Reform. Außerdem galt die Umsetzung in Bayern als besonders einfach, dedn sie basierte abweichend zum Bundesmodel auf dem sogenannten Flächenmodell. Draus wird wohl nichts. Der Eigentümer will dagegen klagen.

Grundsteuer B.

In Bayern wurde abweichend zu den meisten anderen Bundesländern ein reines Flächenmodell umgesetzt. Dem Flächenmodell liegt die Vorstellung zu Grunde, dass ein Grundstück und ein Gebäude umso mehr Aufwand für die öffentlichen Leistungen der Gemeinde verursacht, je größer es ist. Sein eigentlicher Wert hat dagegen keine Auswirkung auf die Infrastrukturleistungen, die in Anspruch genommen werden müssen.

Dementsprechend wird die Berechnungsgrundlage in Bayern ab 2025 nur noch nach den Größen der Grundstücke und den Gebäudeflächen sowie der Art der Nutzung der Flächen bestimmt. Das Grundstück des 70-jährige Richard Huber liegt in Niederbayern und es ist groß: 16.000 Quadratmeter. Darauf befindet sich eine Wohnung mit 105 Quadratmetern und 100 Quadratmeter Bürofläche für seine Versicherungsagentur, berichtete der Grundstücksbesitzer gegenüber focus.online und dem Münchner Merkur.

Zum Grundstück gehören außerdem eine Streuobstwiese und ein Acker. Bis 1968 wurde auf diesen Flächen Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. Nachdem er seine Daten für die neue Grundsteuerreform abgegeben hat, soll Huber künftig 2549,69 Euro Grundsteuer pro Jahr zahlen. Bisher waren es 198 Euro. Das wäre mehr als das Zwölffache des alten Werts. Auf Nachfrage habe das Finanzamt erklärt, dass der Bescheid seine Richtigkeit habe, sofern die angegebenen Flächen stimmten, berichtet Huber gegenüber focus.online.

Eigentümer will klagen – Frage der Nutzungsart?

Grundsteuer A.

Doch es gibt noch eine Erklärung des Finanzamtes für den steilen Anstieg der Grundsteuer. „Der extreme Anstieg des Grundsteuermessbetrags könnte allenfalls darauf beruhen, dass der Steuerpflichtige selbst die Streuobstwiese bei der Grundsteuer B und nicht wie bisher bei der Grundsteuer A erklärt hat“, heißt es.

Wenn der Eigentümer die Fläche für Obstwiese also mit bei der Grundsteuer B angegeben hat, führt das zu einer deutlich höheren Steuer. Denn die Grundsteuer A ist in der Regel deutlich günstiger.

Das erklärt auch das Landesamt für Steuern: „Eine Fläche, die zu einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft gehörte, verbleibt grundsätzlich in dieser Zuordnung, bis der Betrieb der Land- und Forstwirtschaft ertragsteuerlich aufgegeben wird oder die Fläche für andere Zwecke genutzt wird. Die Streuobstwiese eines Nebenerwerbslandwirts verbleibt ebenfalls in Grundsteuer A.“

Richard Huber wird jedenfalls Einspruch gegen den Bescheid einlegen. sagte er gegenüber focus.online.

Bayern: Ein reines Flächenmodell – Große Grundstücke sind teuer

Zum 1. Januar 2025 wird die Grundsteuer deutschlandweit neu festgesetzt. Die Frist zur Abgabe der Daten wurde von Oktober 2022 auf Januar 2023 verlängert. Einige Bundesländer hatten sich dazu entschlossen, abweichend vom Bundesmodell eigene Grundsteuer-Gesetze umzusetzen.

Baden-Württemberg etwa entschied sich so für das sogenannte Bodenrichtwertmodell. Auch von dort gibt es zahlreiche Hinweise auf deutlich höhere Grundsteuerbeträge in der Zukunft.  Der Steuerzahlerband Baden-Württemberg plant deshalb, eine Musterklage gegen das Grundsteuergesetz im Ländle anzustrengen.

In Bayern gilt ein reines Flächenmodell, bei dem der Wert keinerlei Auswirkung auf die Grundsteuer hat sondern die Grundstückfläche und Gebäudefläche sowie die Art der Nutzung der Flächen bestimmt. „Das Bayerische Grundsteuermodell ist ein Musterbeispiel für ein unbürokratisches Steuergesetz, einfach und transparent.“

Das sagt der bayerische Finanzminister Albert Füracker gegenüber Focus Online. „Das Bayerische Modell ist einfach und gut zu handhaben“, sagt aber auch Rudolf Stürzer. Er ist Rechtsanwalt und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzerverein München und Umgebung. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Modell.“ Die Grundstückseigentümer sind es anscheinend nicht.

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