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Berechnung der Grundsteuer

Grundsteuer: Was Eigentümer künftig zahlen müssen – der Steuerschock

Grundsteuer.
am Donnerstag, 17.11.2022 - 10:55 (1 Kommentar)

Das Finanzamt hat sich gemeldet. Mit einem Grundsteuermessbescheid und einem Grundsteuerwertbescheid. Doch die Höhe der neuen Grundsteuer legt die Kommune fest. Und das kann heftig werden, wie erste Berechnungen zeigen.

hebesätze grundsteuer B.

Nach Angaben der Finanzämter sind bisher rund 300.000 Bescheide zur Grundsteuer verschickt worden. Doch darin steht noch nicht die endgültige Höhe der zu zahlenden Grundsteuer – darüber entscheidet nämlich die Kommune selbst (siehe unten).

Das Finanzamt teilt den Grundstückseigentümern und Hausbesitzern in seinem Grundsteuerwertbescheid vielmehr den neuen Grundsteuerwert mit und im sogenannten Grundsteuermessbescheid den neuen Grundsteuermessbetrag. Diese Werte bilden für die Kommune dann theoretisch die Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer – oder besser gesagt für die Festlegung des Hebesatzes.

Diesen Hebesatz kann die Kommune ganz willkürlich festlegen und bestimmt allein auf diese Weise die Höhe der künftigen Grundsteuer, die der Hausbesitzer bzw. der Grundstückseigentümer zu zahlen hat. Das ist im Übrigen auch schon vor der Neuberechnung und Neufestlegung der Grundsteuer fleißig geschehen – wie die Berichte aus den Regionen und auch die Daten des Statistischen Bundesamtes über die Steuerentwicklung zeigen.

Der Grund: Die Grundsteuer A und die Grundsteuer B sowie die Gewerbesteuer sind die einzigen Steuern über deren Höhe, die die Kommunen mit Hilfe der Hebesätze selbst entscheiden können. Das heißt auch: Die bisherigen vom Finanzamt versendeten Bescheide sagen noch nichts über die Höhe der neuen Grundsteuer aus und haben im schlimmsten Fall keinen Einfluss darauf.

Dennoch sollte man die Daten des Finanzamtes genau prüfen und mit den selbst in Elster eingetragenen Werten vergleichen und bei möglichen Abweichungen innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen. Das ist später nämlich nicht mehr möglich, sagen Experten - oder zumindest deutlich schwieriger.

Verdreifachung der Grundsteuer möglich

Grundsteuer A.

Eine politische Vorgabe der Grundsteuerreform war, dass die neue Grundsteuer für Hausbesitzer nicht teurer werden soll. Doch das dürfe Angesicht leerer kommunaler Kassen Wunschdenken sein: Erste Beispielrechnungen des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) zeigen ein anderes Bild.

So hat der Verband in Hohen Neuendorf bei Berlin eine Rechnung auf der Basis der vorliegenden Daten des Finanzamtes aufgemacht. Der Hebesatz in der Stadt Hohen Neuendorf liegt aktuell bei 350 Prozent. Für ein Beispielhaus mussten Besitzer danach bisher rund 210 Euro zahlen.

Künftig würden gleichem Hebesatz 385 Euro fällig: Ein Aufschlag von mehr als 80 %. Um die Grundsteuer auf dem bisherigen Niveau zu belassen, müsste der die Kommune den Hebesatz auf 190 Prozent senken. Pressebereichten zu Folge ist im örtlichen Gemeinderat aber ein Antrag, dass die Kommune durch die neue Grundsteuer nicht mehr Geld einnimmt als bisher, abgelehnt worden.

Das könnte sich in etlichen anderen Kommunen wiederholen. Ohnehin hatten bereits viele Kommunen vor der Einführung der neuen Steuer ihre Hebesätze erhöht – wie zahlreiche Berichte aus den Regionen zeigen.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ab. Für den Ortsteil Gorbitz hat der Verband der Hausbesitzer aufgrund der neuen Daten ebenfalls eine Berechnung durchgeführt. Soll die neue Grundsteuer nicht steil ansteigen, müsste die Stadt den Hebesatz von 635 auf 490 Prozent sinken. Ansonsten droht die Grundsteuer von bisher 350 auf rund 620 Euro zu steigen.

Noch schlimmer wäre der Anstieg in Berlin-Kaulsdorf: Dort ergebe sich eine Erhöhung der Grundsteuer bei gleichem Hebesatz von 810 Prozent von 346 Euro auf 1011 Euro. Das entspricht fast einer Verdreifachung. Man müsste den Hebesatz auf 280 Prozent senken, um die gleiche Belastung zu erreichen.

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