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Grundeigentum und Steuern

Grundsteuer in Elster eintragen: Fallstricke, Fehler & Beamtensprache

Grundsteuer ermitteln.
am Samstag, 03.09.2022 - 05:30 (1 Kommentar)

Die Grundsteuer-Erklärung abzugeben ist keine Lebensaufgabe – aber fast, möchte man meinen, wenn man die Probleme von Hausbesitzern und Landwirten beim Eintragen hört. Auch die zahlreicheren Foren und „Selbsthilfegruppen“ sind ein Indiz für die Brisanz des Themas.

Angeben zu Feststellung.

Die Grundsteuer-Erklärung in Elster einzutragen, kann den Betroffenen schon einmal an seine Grenzen bringen. Einige Probleme hat der Autor bei einem Selbstversuch geschildert. Nicht weil er sich nicht vorbereitet hat oder weil Daten fehlten, nein, sondern weil man sich in einem komplett unbekannten Terrain bewegte: Black Box Grundsteuer-Erklärung.

Mittlerweile haben sich zahlreiche Foren und regelrechte „Selbsthilfegruppen“ gebildet – und sogar in Elster selbst hat man die Möglichkeit, andere Nutzer zu einem Problem zu befragen (Elsterforum) und (k)eine Antwort zu bekommen.

Die gute Nachricht ist, dass die Anfangs auftretenden technischen Probleme von Elster, die zur Überlastung und zum wiederholten Absturz des Systems geführt haben, zumindest etwas besser im Griff sind.

Dennoch empfehlen viele Nutzer immer noch, seine Daten lieber „antizyklisch“ einzutragen. Das heißt: spät abends oder wenn die meisten Leute, die etwas eintragen müssen, auf Arbeit sind. Eine Garantie für ein reibungsloses Funktionieren gibt es jedoch nicht. Denn immer wieder melden Nutzer, dass sie ihre Daten entweder nicht in das dafür vorgesehene Feld eintragen konnten oder dass die bereits eingetragenen Daten plötzlich verschwunden sind.

Also zwischenspeichern ist dringend angeraten und bei Nicht-Funktionieren, wird auch ein ausloggen und wieder einloggen empfohlen. Bei mir hat Elster zumindest technisch einigermaßen gut funktioniert. Die Schwierigkeiten waren andere. 

Hausbesitzer, Landwirte – Art der wirtschaftlichen Einheit

Ein wesentliches Problem ist zunächst die Übersichtlichkeit – bzw. Unübersichtlichkeit der Formulare und außerdem die oft schwer verständliche Sprache. Letzteres erschwert dem Nutzer aus meiner Sicht die eindeutige Zuordenbarkeit der Daten und außerdem auch das grundsätzliche Verständnis für die Zusammenhänge.

Das betrifft sowohl die "einfachen Nutzer "(Haubesitzer) und erst recht Landwirte, mit deutlich komplexeren Anforderungen an die Erfassung unterschiedlich genutzter verschiedener Teilflächen.

Doch zurück zum Aufbau: Bei der Anlagenauswahl muss man sich zunächst zwischen vier Anlagen entscheiden – dem Hauptvordruck (GW1), der Anlage zum Grundstück (GW2), die beide von den nichtlandwirtschaftlichen Grundstückseigentümern (Grundsteuer A) ausgefüllt werden müssen.

Dazu kommen dann die Extraanlagen speziell für Landwirte – nämlich Anlage Land- und Forstwirtschaft (GW3) und dazu die Anlage Tierbestand (GW3 A).

Kriterium ist hier die so genannte wirtschaftliche Einheit des Grundvermögens, für die jeweils eigene Erklärungen ausgefüllt werden müssen. Macht man dann mit dem Hauptvorduck weiter, muss man sich zwischen fünf! Feststellungarten entscheiden – hier darf man auf gar keinen Fall falsch abbiegen und muss zunächst einmal unbedingt bei der Hauptfeststellung bleiben.

Außerdem muss der Nutzer sich hier für die Art der wirtschaftlichen Einheit entscheiden – Elster meint damit ein bebautes/unbebautes Grundstück oder einen Betrieb der Landwirtschaft.

Gemarkung, Flurstück, Grundstücksfläche – und andere Probleme

Der nächste Schritt ist die Lage des Grundstücks exakt anzugeben – das ist natürlich für Hausbesitzer leicht (Adresse) - und für Landwirte, mit vielen verschiedenen Grundstücken, eher schwierig (mehrmalige hinzufügen ist möglich) – vor allem da jeweils eine exakte Angabe der Gemarkung, des Flurstücks und der Grundstücksfläche erforderlich ist. Hausbesitzer können diese Angaben aus dem Grundbuch entnehmen.

Die meisten Probleme entstehen an dieser Stelle offenbar bei dem Eintrag: Zur wirtschaftlichen Einheit gehörender Anteil - bei der Angabe Zähler/Nenner. Hier hat es ein Hausbesitzer mit eigenem Grundstück leicht – denn er muss nur 1/1 eintragen.

Komplizierter ist, wenn der Anteil einer Eigentumswohnung am Gesamtgrundstück oder eben der Miteigentumsanteil des Grundes und Bodens, an diesem speziellen Flurstück ermittelt und eingetragen werden müssen. Sind mehre Flurstücke vorhanden, muss man den Vorgang entsprechend oft wiederholen.

Am Ende ist hier noch die Angabe der (Mit-)Eigentümer nötig - also etwa der Ehefrau. Elster nennt das Blatt „Eigentumsverhältnisse“ und zählt neun! unterschiedliche Möglichkeiten des Eintrags auf. Das ist dann aber auch das Ende des Hauptvordrucks (GW1). 

GW2: Bodenrichtwert, Ertragswert - Wohnfläche

Fehler-Medlungen in Elster.

Die Anlage zum Grundstück (GW2) beginnt mit den Angaben zum Grund und Boden. Hier ist neben der Fläche des Grundstücks außerdem der Bodenrichtwert entscheidend. Diesen kann man entweder beim zuständigen Gutachterausschuss für Grundstücke in seiner Region telefonisch erfragen (klappt eher nicht) oder elektronisch über das System BORIS abrufen.

In BORIS haben die meisten Bundesländer ihre aktuellen Angaben hinterlegt und man kann nach Eingabe der Adresse seinen Bodenrichtwert und die Bodenrichtwertnummer direkt ablesen. In der Regel liegt bei Hausbesitzern das gesamte Grundstück in einer Bodenrichtwertzone.

Kompliziert wird es wieder, wenn man unterschiedliche Grundstücke mit unterschiedlichen Bodenrichtwerten angeben muss oder ein Grundstück mit verschiedenen Richtwerten hat. Das trifft in der Regel für Hausbesitzer nicht zu – aber nicht selten für Landwirte.

Der nächste Schritt in der Anlage GW2 ist die Angabe des so genannten Ertragswertes – jedenfalls bei Wohngrundstücken. Das hat aber nichts mit dem landwirtschaftlichen Ertragswert zu tun – sondern hier verlangt Elster einfach die Angabe der Bezugsfertigkeit des Gebäudes – und nennt das Ertragswertverfahren.

Am Ende will Elster wissen wie groß die Wohn- und Nutzfläche ist. Hier unterscheidet das System drei Kategorien – kleiner als 60 qm, 60 bis 100 qm und mehr als 100 qm. Dazu kommt dann noch die Anzahl der Wohnungen - bei einem Haus einfach: die 1.

Am Ende fordert Elster den Nutzer auf, die (wahrscheinlich vorhandenen) Fehler auszumerzen (dann muss man zu den Fehlern navigieren), denn: Sonst kann das Formular nicht versendet werden und alles war umsonst. Also noch mal alles überprüfen und – hoffentlich abschicken!

Kommentar

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