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Steuerrecht

Grundstücksverkauf: Wann Sie als Landwirt Steuern zahlen

Noch im Bau befindliches Haus in ländlicher Umgebung
am Donnerstag, 06.08.2020 - 15:58 (Jetzt kommentieren)

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs klärt, unter welchen Voraussetzungen Sie als Landwirt nach der Hofaufgabe beim Verkauf bebauter Grundstücke Steuern zahlen müssen. Es kommt auf den Zeitraum der Vermietung an.

Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs (X R 18/18, X R 19/18) ist beim Verkauf von Grundstücken eine erkennbare Gewinnerzielungsabsicht für das Anfallen von Steuern entscheidend. Wird das Grundstück noch kurz vor dem Verkauf bebaut, kann von einer gewerblichen Tätigkeit ausgegangen werden. Darauf weist das Beratungsunternehmen Ecovis Agrar hin.

Nach zehn Jahren auf der sicheren Seite

Die Einkommensteuer entfällt nach dem Verkauf eines zuvor vermieteten Privatgrundstücks, wenn Sie länger als zehn Jahre Besitzer des Grundstücks waren. Dann geht die Rechtsprechung grundsätzlich davon aus, dass die Wohnungen auf dem Grundstück „keine tauglichen Objekte eines gewerblichen Grundstückshandels mehr sind“.

Allerdings darf Ihre Tätigkeit nicht der Annahme widersprechen, dass sich das Grundstück lediglich in Ihrem – langjährigen – Privatbesitz befindet und kein Gewerbebetrieb stattfindet. Dies ist beispielsweise nicht der Fall, wenn Sie das Grundstück in Bauland überführen oder es nach Bebauung verkaufen. Dann kann das Finanzamt eine gewerbliche Tätigkeit annehmen, die Sie als Privatperson nicht ausgeübt hätten.

Laut Ecovis Agrar umgehen Sie die Einkommensteuer also allenfalls, wenn Sie die Grundstücke, die mindestens zehn Jahre in Ihrem Besitz waren, nicht so verändern, dass eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt werden kann. Erweckt Ihre Tätigkeit auf dem Grundstück nicht den „Charakter eines gewerblichen Grundstückhändlers“, wird für den aus dem Verkauf entstandenen Gewinn keine Gewerbesteuer fällig, so Ecovis.

Landwirt musste zahlen

Das Urteil des Bundesfinanzhofs bezieht sich auf einen ehemaligen Landwirt, der nach der Aufgabe seines Betriebes in den 90er Jahren seine Flächen in Privatvermögen überführte. Anschließend nutzte er die ehemalige Hofstelle für den Bau von Mietobjekten. Weitere Mietobjekte errichtete der Landwirt etwa zehn Jahre später. Daraufhin verkaufte er das gesamte Grundstück.

Wegen des Grundstücksverkaufs kurz nach der Bebauung stufte das Finanzamt den Landwirt als gewerblichen Grundstückshändler ein. In diesem Jahr bestätigte der Bundesfinanzhof diese Einschätzung.

Vorsicht bei Gewerblichkeit

Ecovis wies darauf hin, dass die Regelung insbesondere für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft mit ihren zahlreichen Grundstücken Probleme bereiten kann. Denn aktive und aufgegebene Betriebe können keine Steuerbegünstigungen mehr nutzen, sobald entschieden wurde, dass sie gewerblich tätig sind. Zu den entfallenden steuerlichen Begünstigungen zählt auch die Übertragung stiller Reserven nach § 6b des Einkommensteuergesetzes.

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