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Produktion und Förderung

Gülle richtig lagern und entnehmen!

© Mühlhausen/landpixel
von , am
29.05.2014

Gülle ist ein wertvoller Flüssigmist zur Düngung. In einem Güllelager entsteht jedoch ein gefährliches Gas-Gemisch, das schon viele tragische Unfälle verursacht hat. Die SVLFG gibt Tipps zum richtigen Umgang.

Derzeit werden Proben der Gülleanlagen aller umliegenden Bauern untersucht. © Mühlhausen/landpixel
Mit Liebe zur Landwirtschaft und großer Kompetenz führt Sebastian Esterl sein landwirtschaftliches Unternehmen in Reisenthal bei Glonn (Oberbayern). Für sein besonders hohes Sicherheitsbewusstsein bei der Arbeit wurde der junge Landwirtschaftsmeister wiederholt von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft mit einer goldenen Sicherheitsplakette ausgezeichnet. Besonders zum Tragen kommt sein verantwortungsbewusstes Sicherheitsdenken auch bei der Arbeit mit der ebenso wertvollen wie gefährlichen Gülle. Sebastian Esterl nutzt den Flüssigmist zur Düngung der Wiesen und Felder. Die Heimtücke des gefährlichen Gas-Gemisches, das in der Gülle steckt, behält er bei der Arbeit gedanklich immer im Hinterkopf und handelt entsprechend umsichtig.

Gas-Cocktail im Flüssigmist

"Vor der Gülle, da habe ich Respekt! Wenn ich nur daran denke, dass meinen Kindern oder anderen etwas passieren könnte, weil die Güllegrube nicht richtig verschlossen ist, da läuft's mir kalt den Rücken runter", gibt Sebastian Esterl unumwunden zu. Deshalb ist hier für ihn auch oberste Sorgfalt Pflicht: "Bei Arbeiten mit Gülle, passe ich immer ganz genau auf, dass alles passt", so Esterl. Seine Sorge ist nicht unbegründet! Güllegase sind unsichtbar und wirken bereits in kleinsten Mengen wie Nervengift. Sie betäuben den Geruchssinn und lähmen die Atmung. Neben Schwefelwasserstoff befinden sich auch Methan, Ammoniak und Kohlendioxid in der Gülle. Einige dieser Güllegase sind in Verbindung mit einem Zündfunken, wie er zum Beispiel beim Flexen oder Schweißen entstehen kann, hochexplosiv. Offenes Feuer, brennende Zigaretten oder auch "Flexfunken" bei Mechanikerarbeiten sind in der Nähe von Güllegruben tabu! Verstärkt werden die Wirkungen der Gase durch Umrühren, durch Pumpen oder ähnliche Arbeiten. Hier ist also besondere Vorsicht geboten.

Vorsicht Gülle: 100 Unfälle in Bayern sind 100 Unfälle zuviel

"Der Landwirt hat kaum Chancen, zu erkennen, ab wann er in ernsthafter Gefahr ist. Das macht die Arbeiten an der Güllegrube so gefährlich", resümiert Wolfgang Lichti, selbst Landwirt in Markt Schwaben. Sein Rat an die Berufskollegen: Von vorneherein die besondere Gefährdung durch die Gülle einkalkulieren und rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Wie, das erklärt Peter Kratzer; Aufsichtsperson der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft: "Die Hauptgefahren bei der Arbeit mit Flüssigmist sind die mögliche Vergiftung, die Explosionsgefahr, das Hineinstürzen in Güllelager und das Ersticken. Vor allem bei der Lagerung und bei der Entnahme kann es zu gefährlichen Situationen kommen."

Jetzt für Sicherheit sorgen

Flüssigmist ist ein wertvoller Naturdünger, bei Beachtung einfacher Sicherheitsregeln können Unfallgefahren stark verringert werden. Die SVLFG rät:
  • Nie ohne Schutzmaßnahmen in Güllelager einsteigen; nie mit offenem Feuer und Funken in der Nähe von Güllelagern hantieren.
  • Deckel, Umwehrungen und Verschlüsse regelmäßig auf Verschleiß prüfen und ggf. austauschen.
  • Prüfen Sie bei geschlossenen Güllegruben die Deckel auf Befahrbarkeit und auf Durchtrittsicherheit.
  • Bei Metalldeckeln greifen Rost und Beschädigungen das Material an. Holzabdeckungen vermodern wegen der aggressiven Güllegase schnell. Tauschen Sie schadhafte Abdeckungen rechtzeitig aus!
  • Bei geschlossenen Güllelagern immer für eine gute Belüftung sorgen, insbesondere während des Aufrührens und der Entnahme. Zur Belüftung müssen zwei sich gegenüber liegende Deckel mit ausreichend großen Lüftungsgittern vorhanden sein.
  • Güllelager immer gegen Hineinfallen sichern, auch während der Entnahme
  • Offene Gruben benötigen eine mindestens 180 cm hohe Umwehrung, zum Beispiel einen Schutzzaun. Solche Zäune altern im Laufe der Zeit. Haltepfosten können abrosten oder brechen. Prüfen Sie die Zäune deshalb regelmäßig und reparieren Sie schadhafte Stellen gewissenhaft. Ein 30 cm hoher Anfahrsockel verhindert das Abstürzen von Fahrzeugen. Die Umwehrung darf nicht übersteigbar sein.
  • Ein großes Sicherheitsplus sind abschließbare Entnahmeöffnungen. Sie ermöglichen das Entnehmen von Gülle, ohne dass gefährliche Öffnungen in der Umwehrung entstehen. Sichere Entnahmeöffnungen verhindern vor allem auch, dass Kinder in die Grube gelangen. Ist bei geschlossenen Gruben die Grubenabdeckung geöffnet - etwa bei der Entnahme - muss eine Gittersicherung das Abstürzen verhindern.
  • Feste Entnahmestutzen sind die sicherste Lösung, weil dann für das Abpumpen der Gülle überhaupt keine Bodenöffnungen aufgemacht werden müssen.
 
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