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Produktion und Förderung

Gutachten: Nutztierhaltung 'nicht zukunftsfähig'

von , am
25.03.2015

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik hält die aktuellen Haltungsbedingungen der Nutztiere für nicht zukunftsfähig. Mit einem 9-Punkte-Plan soll die gesellschaftliche Akzeptanz erhöht werden. Das steht im Gutachten.

Die EU-Kommission glaub nicht, dass die Schweinepreise in diesem Jahr das Niveau von 2014 erreichen. © agrar-press
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBA) hält die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere für nicht zukunftsfähig und hat Leitlinien und Empfehlungen für eine gesell- schaftlich akzeptierte Nutztierhaltung entwickelt. Diese Leitlinien wurden heute in Form eines Gutachtens an das Landwirtschaftsministerium übergeben. Um die gesellschaftlichen Anforderungen an die Nutztierhaltung und die Realität der landwirtschaftlichen Produktion stärker in Einklang zu bringen, empfiehlt der WBA ein umfangreiches Maßnahmenbündel
Das sagen die Gutachter: 
 
"Betrachtet man die Defizite im Tier- und Umweltschutz und den Wandel der Wertvorstellungen zum Mensch-Tier-Verhältnis, so sind die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere nicht zukunftsfähig", so Prof. Achim Spiller, unter dessen Federführung das Gutachten erarbeitet wurde. "In vielen gängigen Tierhaltungssystemen besteht ein hohes Risiko für das Auftreten von Schmerzen, Leiden und Schäden für die Tiere" so Prof. Matthias Gauly, ebenfalls federführend für das Gutachten. "Die starke Fokussierung der öffentlichen Diskussion auf die Rolle der Betriebsgröße ('Massentierhaltung') für den Tier- und Umweltschutz ist allerdings nicht gerechtfertigt. Andere Faktoren wie die Managementqualität und die Haltungssysteme haben einen wesentlich größeren Einfluss".

Das ist der 9-Punkte-Plan

Im Bereich des Tierschutzes sieht der WBA folgende wichtige Punkte als Leitlinien für die Entwicklung einer zukunftsfähigen, in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptierten Tierhaltung :
  1. Zugang aller Nutztiere zu verschiedenen Klimazonen, vorzugsweise Außenklima,
  2. Angebot unterschiedlicher Funktionsbereiche mit verschiedenen Bodenbelägen,
  3. Angebot von Einrichtungen, Stoffen und Reizen zur artgemäßen Beschäftigung, Nahrungsaufnahme und Körperpflege,
  4. Angebot von ausreichend Platz,
  5. Verzicht auf Amputationen,
  6.  routinemäßige betriebliche Eigenkontrollen anh and tierbezogener Tierwohlindikatoren,
  7. deutlich reduzierter Arzneimitteleinsatz,
  8. verbesserter Bildungs-, Kenntnis- und Motivationsstand der im Tierbereich arbeitenden Personen und
  9. eine stärkere Berücksichtigung funktionaler Merkmale in der Zucht.
Die Umsetzung dieser Leitlinien erfordert je nach konkreter Ausgestaltung erhebliche Anpassungsprozesse im Sektor, die zum Teil sofort begonn en werden können, zum Teil aber einen längeren Zeitraum erfordern. Für Betriebe mit speziellen betrieblichen und standörtlichen Voraussetzungen, z. B. Schweinemastbetriebe in beengter Dorflage, ist die Umsetzung dieser Leitlinien nur schwer realisierbar; für andere Betriebe ist sie mit geringem Aufwand verbunden.

Umsetzung kostet 5 Milliarden Euro im Jahr

Für einen Großteil der Tierhaltung führt die in dem Gutachten konkretisierte Umsetzung der Leitlinien zu Mehrkosten in der überschlagsmäßig ermittelten Größenordnung von 13 bis 23 Prozent, insgesamt etwa drei bis fünf Milliarden Euro jährlich. Diese Mehrkosten würden bei einem Wertschöpfungsanteil der Landwirtschaft am Endpreis des Verbrauch erst von rund 25 Prozent bei einfacher Überwälzung zu einer Erhöhung der Verbraucherpreise von etwa drei bis sechs Prozent führen. Dies entspricht größenordnungsmäßig der bekundeten Zahlungsbereitschaft eines erheblichen Teils der Bevölkerung, die jedoch aufgrund fehlender Konzepte und der internationalen Marktintegration zurzeit nicht realisiert wird. Ohne politische Begleitmaßnahmen sei das allerdings nicht möglich. Der WBA sieht, dass eine Umsetzung der gesetzten Ziele nur durch gemeinsame Anstrengungen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu erreichen sind.
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