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Darum häufen US-Farmer einen riskanten Schuldenberg an

Maisfeld kurz vor der Ernte in den USA
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
01.03.2019

US-Farmer haben einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Erinnerungen an die Krise der 80er Jahre werden wach. Das Landwirtschaftsministerium in Washington ist beunruhigt.

US-Agrarminister Sunny Perdue

Allein im vergangenen Jahr sind die Verbindlichkeiten der US-Farmer um 6 Prozent auf 409 Mrd. Dollar oder umgerechnet 358 Mrd. Euro gestiegen. Landwirtschaftsminister Sonny Perdue warnte im Agrarausschuss des Repräsentantenhauses, damit habe die Verschuldung annähernd ein Niveau wie in den 80er Jahren erreicht - bei weiterhin historisch hoher Kreditnachfrage.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wies Perdue darauf hin, dass der Bestand an Fremdkapital in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Drittel zugenommen habe.

Das sind die Gründe für die hohen Schulden

Die hohe Kreditnachfrage der US-amerikanischen Farmer hat im Wesentlichen drei Gründe:

  • anhaltend niedrige Preise für wichtige Agrarprodukte,
  • Witterungsschäden und
  • der Verlust wichtiger Exportmärkte durch die von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Handelsstreitigkeiten, vor allem mit China.

Perdue zufolge stabillisieren relativ feste Bodenpreise die Bilanzen der verschuldeten Betriebe bisher noch. Die Niedrigzinsen machen das Fremdkapital zudem verhältnismäßig billig.

Banker fürchten einen Verfall der Bodenpreise durch Notverkäufe

Dennoch ist das US-Agrarressort (USDA) besorgt. In den 80er Jahren, als die Schulden der Landwirte schon einmal in ähnlicher Höhe waren, gingen tausende Betriebe in die Insolvenz, als niedrige Agrarpreise und hohe Zinsen für Investitionen aufeinander prallten.

USDA-Chefökonom Robert Johansson sieht zwar noch keine Anzeichen für einen Verfall der landwirtschaftlichen Bodenpreise. Die Einkommen der Farmer sind aber im zweiten Halbjahr 2018 weiter gefallen. Banker fürchten, dass Betriebe in Liquiditätsschwierigkeiten in den nächsten Monaten vermehrt Flächen zum Verkauf anbieten könnten. Das könnte einen Verfall der Bodenpreise auf breiter Front auslösen mit verheerenden Folgen für die Kreditwürdigkeit der Betriebe.

Die Regierung von Präsident Trump hatte im Sommer 2018 ein 12 Mrd. Dollar (10,5 Mrd. Euro) schweres Hilfspaket für die Landwirtschaft angekündigt, um die Verluste im Agrarexport für die Betriebe zu lindern. Davon sollen drei Viertel ausgezahlt worden sein. Ein weiteres Hilfsprogramm soll es 2019 allerdings nicht geben.

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